Meerbusch: Magda Schwarz erzählt aus ihrem Leben

Ein Porträt über Magda Schwarz : Das bewegte Leben der Magda Schwarz

Eine Serie über Menschen, ohne die die Ortsteile ärmer wären. Magda Schwarz ist so ein Mensch, der Büderich prägt.

Heiligabend kommt die ganze Familie. „Es geht sehr festlich zu, wir machen uns alle schick“, freut sich Magda Schwarz auf den 24. Dezember. Der Chefin des in fünfter Generation geführten Familienunternehmens Hotel Café Schwarz in Niederdonk ist Zusammenhalt ganz wichtig: „Unsere Gäste – auch aus Australien, England oder Japan - schätzen diese familiär-friedliche Atmosphäre. Sie kommen immer gern wieder.“

Früher gab sich auch die Prominenz die Klinke in die Hand: „Götz George hat hier übernachtet, Fred Bertelsmann war da, Andrea Berg, Sabine Sintjen, Heino und sein Manager Ralf Bendix – er hat viele Jahre als Karl Heinz Schwab an der Niederdonker Straße gelebt. Und auch die ‚Haute Volaute‘ aus Düsseldorf kam. Die Herren ließen sich mit einem Bauernfrühstück verwöhnen.“

Schließlich ist Magda Schwarz, die im nächsten Jahr 90 wird, eine geborene Bender und auch mit den Inhabern bekannter Gastronomiebetriebe der Landeshauptstadt wie Benders Marie, Brauerei Schlüssel und Uerige verwandt: „Aber viele gibt es nicht mehr, sie sind alle weggestorben.“ Namensgeber der ehemaligen Bäckerei Bender vor 141 Jahren war Großvater Paul Bender. Sein Sohn Josef wiederum brachte das gefragte Schwarzbrot mit dem Pferdewagen von Büderich in die Altstadt. Aber es gab nicht nur gute Zeiten. Magda Schwarz zeigt ein Foto aus dem Jahr 1944, auf dem ihre Familie auf den Trümmern ihres Zuhauses steht: „Am 22. Oktober, einem Sonntag, kam ein schweres Geschwader eingeflogen, Ziel war die Flakstellung hinter dem Dyckhof. Aber getroffen haben sie uns.“ Der alte Keller schützte nur wenig: „Meine Schwestern waren im Dorf und in den Bunker am Landsknecht geflüchtet.“

Magda Schwarz erlebte den Angriff einer schweren Luftmine hautnah und leicht verletzt, die enorme Druckwelle hatte ihr zugesetzt: „Zum Glück geschah das, bevor die vielen Menschen zur Kriegsandacht in die Kapelle hier gegenüber kamen. Wir aber waren plötzlich arm wie eine Kirchenmaus.“ Auch die Mädchen klopften Steine, Ziegel für Ziegel wurde wieder aufgebaut. Anfang der 1970er Jahre – da war Magda Schwarz schon 20 Jahre mit Helmut verheiratet – gab es einen umfangreichen Um- und Ausbau, auch zum Hotel.

Helmut Schwarz starb 2015, aber die 89-Jährige ist weiter aktiv, steht unter anderem jeden Samstag rund sechs Stunden auf dem Büdericher Wochenmarkt.

Über einen Artikel in der RP wurde 2016 die Redaktion der ARD-Sendung „Immer wieder sonntags“ auf die „älteste Marktfrau“ aufmerksam. Tochter Heike, 1965 in dem Haus in Niederdonk geboren, schenkte ihrer Mutter eine Reise in den Europa-Park nach Rust. Dort lieferte sich die fein gekleidete Magda Schwarz als „echtes Original aus Meerbusch“ mit Moderator Stefan Mross einen lockeren Schlagabtausch: „Er ließ den Heino-Text ‚Schwarze Barbara‘ auf mich ummünzen und schickte ihn mir zu.“

Somit führt die muntere Seniorin noch heute ein bewegtes Leben. Allerdings hat das auch Schattenseiten. Vor wenigen Wochen wurde der gesamte Familienschmuck aus dem Tresor gestohlen: „Das sind Erbstücke mit ideellem Wert, die für meine Tochter und Enkel gedacht waren.“ Magda Schwarz hofft auf Hinweise auf den oder die Täter: „Es gibt auf jeden Fall einen Finderlohn.“

Auf einen guten Ausgang dieses Falls hofft auch Tochter Heike. Sie leitet heute neben ihrer Mutter mit Unterstützung des Enkel-Zwillingspaares Kathrin und Yvonne das Familienunternehmen, erzählt von der Kindheit, der ländlichen Gegend und dem Leben im Café- und Hotelbetrieb: „Ich habe oft geholfen, das hat Spaß gemacht.“ Freude macht ihr auch das Spekulatius-Backen: „In diesem Jahr waren es so viele, wie noch nie. Qualität und Tradition werden wieder geschätzt, das darf dann auch was kosten.“ Das Rezept stammt vom Urgroßvater. Der Vater hat es verfeinert und die Walze der Maschine so herrichten lassen, dass hauchdünne Figuren ausgerollt werden können. Das Gebäck kommt neben Königinpastetchen, Putenkeulen und Rehrücken auch zu Heiligabend auf den großen Tisch im Kaminzimmer. „Vor der Bescherung gehen wir alle in die Niederdonker Kapelle und singen ‚O du fröhliche‘, erzählen Magda und Heike Schwarz. Sie freuen sich auf die Gäste, die am zweiten Feiertag ins Restaurant kommen, um sich mit einem Weihnachtsmenü verwöhnen zu lassen.

Monika Götz