Meerbusch: Lange Wartelisten für Pflegeplätze

Gesundheit : Lange Wartelisten für Pflegeplätze

Derzeit gibt es in Meerbusch 554 stationäre Pflegeplätze. Der Bedarf ist schon jetzt höher und wird noch steigen. Im gesamten Kreis können nicht alle vorhandenen Plätze belegt werden, weil Personal fehlt.

Wer im Internet auf der Seite des Rhein-Kreis-Neuss die Funktion des Pflegefinders nutzt, bekommt schnell einen Überblick, in welchen Einrichtungen es freie Pflegeplätze gibt. Meistens lautet die Antwort: in keiner. Kolonnen von Nullen illustrieren das sehr übersichtlich. „Nach Weihnachten hatten wir kurz fünf Plätze frei, die waren aber sehr schnell wieder belegt“, sagt Detlef Wacker, der den Johanniter-Stift in Büderich leitet. Oft sei dies eine Frage von wenigen Tagen oder gar Stunden.

Die angespannte Lage wird sich künftig sogar noch verschärfen. Denn klar ist, dass angesichts eines wachsenden Anteils an älteren Menschen und gestiegener Lebenserwartung der Bedarf an Pflegeplätzen steigt. So rechnet die Stadt Meerbusch damit, dass sich der Bedarf bis 2050 voraussichtlich fast verdoppeln wird. Zuständig für die Bedarfsplanung ist der Rhein-Kreis-Neuss. Dieser hatte für seine Städte Angebot und Nachfrage dazu erfasst sowie Prognosen für den künftigen Bedarf.

In Meerbusch kommen demnach auf 2160 Pflegebedürftige (2017) 554 stationäre Pflegeplätze (2018). Auf der Basis dieser Daten würde die Versorgungsquote bei 25,6 Prozent (Kreis: 20,8 Prozent) liegen. Die Quote für Tagespflegeplätze und für Kurzzeitpflegeplätze beträgt jeweils 1,2 Prozent.

Schon jetzt sind die Wartelisten bei den Einrichtungen mit Pflegeplätzen lang. „Es gibt so viele Anfragen, man kann dem gar nicht Herr werden“, sagt Lydia Wisner, Leiterin vom Haus Hildegundis von Meer. Nicht nur aus Meerbusch, auch aus Willich, Krefeld, Düsseldorf und Kaarst würden sich Menschen in Not bei ihnen melden. „Das tut einem so leid, und man kann nicht helfen.“

Abhilfe zu schaffen, ist aber schwierig. Neue Einrichtungen zu bauen, löse die Probleme nicht, erklärt ein Kreis-Sprecher. Denn vor allem seien dazu mehr Pflegekräfte nötig. Weil diese fehlen, konnten nach Angaben des Kreises in Meerbusch 21 Plätze nicht belegt werden. Laut der Prognosen fehlen 2020 in Meerbusch 53 stationäre Plätze, 2021 bereits 62.

Wisner und Wacker sagen beide, dass in ihren Einrichtungen alle Plätze belegt werden können, weil sie als Unternehmen der Wohlfahrtspflege mit gutem Ruf genügend Personal haben. Einen Ausweg aus dem Personalmangel in der Branche sieht Wacker vom Johanniter-Stift nur, wenn sich die Arbeitsbedingungen in der Branche verbessern.

Seit den 90er Jahren sei der Versorgungsschlüssel nicht verändert worden, gleichzeitig seien die Anforderungen gestiegen. Würde der Personalschlüssel geändert, bedeute dies deutlich höhere Kosten, nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für die Sozialkassen. Denn etwa die Hälfte der Bewohner in Pflegeheimen seien Sozialhilfeempfänger, gibt Wacker zu bedenken.

Die Folge der dünnen Personaldecke sei, dass Mitarbeiter oft am Wochenende einspringen müssten und deshalb keine geregelte Freizeit hätten, erklärt der Leiter des Johanniter-Stifts. Mitarbeiter aus dem Ausland zu werben, bringe nicht die nötige Entlastung. „Das sind Einzelfälle, verbunden mit viel behördlichem Aufwand.“

Angesichts der schwierigen Situation müssen Bürger auf der Suche nach einem Pflegeplatz oft auf Einrichtungen in anderen Stadtteilen oder Nachbarstädten ausweichen und Ausdauer mitbringen. Elisabeth Schmitz, die sich im Seniorenbeirat engagiert und bei der Caritas häufiger Plätze für pflegebedürftig gewordene Menschen im Projekt Wohnen mit Service sucht, hat darin Erfahrung: „Ich telefoniere dann täglich die einzelnen Häuser ab. Die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Manchmal hat man einen Zufallstreffer.“