Brauchtum in Meerbusch Kindheitserinnerungen an die Büdericher Kirmes

Büderich · Der Journalist und Autor Nicolas von Lettow-Vorbeck schreibt als Kirmes-Reporter für ein großes Schausteller-Magazin. Geprägt hat ihn die Kirmes auf dem Dr.-Franz-Schütz-Platz.

 Das Foto von einem Video zeigt Nicolaus von Lettow-Vorbeck 1992 auf einem Karussell der Büdericher Kirmes.

Das Foto von einem Video zeigt Nicolaus von Lettow-Vorbeck 1992 auf einem Karussell der Büdericher Kirmes.

Foto: Nicolaus von Lettow-Vorbeck

Seiner Heimatstadt Meerbusch blieb Nicolas von Lettow-Vorbeck immer eng verbunden. Schon aus familiären Gründen. Aber zwei Mal im Jahr kehrt der in Berlin lebende Journalist und Buchautor mit besonderer Freude zurück: zum Schützenfest an Pfingsten und zu St. Martin, den unvergessenen Höhepunkten aus seiner Kindheit. Diesmal hat er bei der Kirmes in Büderich sogar eine berufliche Aufgabe zu erfüllen. Nicolas von Lettow-Vorbeck schreibt unter anderem für den „Komet“, das größte Schausteller-Magazin in Deutschland. „Das macht sehr viel Spaß, man erfährt wunderbare Geschichten und kann einen spannenden Blick hinter die Kulissen dieser Branche werfen“, sagt er.

Nun soll er als „Kirmes-Reporter“ die Fahrgeschäfte auf dem Dr. Franz-Schütz-Platz unter die Lupe nehmen, was ihn als Büdericher natürlich begeistert. Dabei werden Erinnerungen an seine Erlebnisse als kleiner Junge wach. „Ich weiß noch gut, dass früher die Kindergartenkinder immer die ersten Runden auf den Karussellen drehen durften, noch vor der offiziellen Eröffnung“, erzählt er. „Auch ich genoss dieses Privileg. Allerdings musste man mich dazu lange überreden, weil ich damals noch ein sehr ängstlicher Junge war.“

Als Autor probiert Nicolaus von Lettow-Vorbeck hier ein Fahrgeschäft auf der Kirmes in Berlin-Wedding aus.

Als Autor probiert Nicolaus von Lettow-Vorbeck hier ein Fahrgeschäft auf der Kirmes in Berlin-Wedding aus.

Foto: Konstantin Kawerau

Aus mangelndem Mut machte er auch einen großen Bogen um die große Rheinkirmes in Düsseldorf. Erst mit neun oder zehn Jahren traute er sich auf die Geisterbahn, „Grüne Hölle“ hieß das Fahrgeschäft. „Alles drehte sich um Gruselgestalten im Dschungel, vor der Bahn stand ein riesiger Affe, der sich bewegte und sprach“, berichtet Nicolas von Lettow-Vorbeck.

Da war es doch in Büderich entschieden heimeliger und voller seliger Emotionen: „Die Kirmes ist das erste Volksfest, das ich bewusst erlebt habe, das prägt ungemein. Der Favorit meiner Kindertage war die Raupenbahn. Die Fahrt war für mich spektakulär, aber nicht zu wild. Musik begleitete sie, und am Ende ging das Verdeck herunter. Ich konnte einfach nicht genug davon kriegen.“

Und noch etwas blieb ihm in lebhafter Erinnerung: „Das war der kleine Stand mit Plastik-Spielzeug, der mit dem Rücken zur Dorfstraße stand. Dort habe ich mir von meinem Vater ein Set mit Soldaten, Panzern, Helikoptern, Kasernen und Kampfflugzeugen erbettelt. Er fand das sehr amüsant und erfüllte mir den Wunsch.“ Im Rückblick hält Nicolas von Lettow-Vorbeck diese Geste für bemerkenswert, wo doch sein Vater, Jahrgang 1932, als Kind bei seiner Flucht aus Pommern schrecklichen Kriegsszenarien ausgesetzt war.

Für das Magazin „Komet“ berichtet der vielseitig tätige Journalist überwiegend aus Berlin und Städten in den neuen Bundesländern. Besonders gern schreibt er über traditionsreiche Fahrgeschäfte und deren Besitzer. „Um den richtigen Blick für ein gutes Volksfest zu bekommen, habe ich in den letzten Jahren alle einschlägigen Großveranstaltungen besucht“, fügt er hinzu, darunter das Münchner Oktoberfest, die Cranger Kirmes, den Hamburger Dom, die Kieler Woche und den Cannstatter Wasen in Stuttgart. „Aber mehr noch liegen mir die kleinen, beschaulichen und überschaubaren Volksfeste am Herzen“, betont er. Wie das Bad Hersfelder Lullusfest, eines der ältesten in Deutschland. Oder der Altstadtfrühling in Erfurt vor der spektakulären Kulisse des Domplatzes. Oder die Stieglitzer Woche in Berlin am Teltowkanal, eingebettet in eine malerische Parklandschaft.

Einen Spitzenplatz nimmt dabei nach wie vor das gemütliche Büdericher Schützenfest ein. Um es ganz und gar auszukosten, bleibt Nicolas von Lettow-Vorbeck über Pfingsten mehrere Tage in seiner alten Heimat. Bei seinen Abstechern auf dem Dr. Franz-Schütz-Platz wird er nicht alleine sein. Denn längst, wie könnte es auch anders sein, hat er seine Tochter Charlotte, viereinhalb Jahre alt, mit dem Kirmes-Virus angesteckt. Die Kleine jauchzt beglückt, sobald sie ein Karussell erblickt. Am liebsten aber möchte sie noch höher hinaus. „Sie ist jetzt schon viel mutiger als ich es damals als kleines Kind war“, berichtet er voller Vaterstolz.

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