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Meerbusch: Kein Raum für den Osterather Karneval

Brauchtum in Meerbusch : Kein Raum für den Osterather Karneval

Die KG Fettnäpke kann weder in der Nußschale noch in der Aula der Realschule feiern und muss deshalb ihre Sitzung absagen. Die Situation feuert die Diskussion um ein neues Bürgerzentrum in Osterath an.

Noch Ende September war der Osterather Karnevalsverein Fettnäpke voller Hoffnung, in der Session 2022 wieder mit dem Brauchtum starten zu können. Doch inzwischen hat sich gezeigt: Im Ort gibt es gar keine Versammlungsstätte, die den Ansprüchen der KG genügt. Die Folge: Die Fettnäpke sind nun gezwungen, ihre große Karnevalssitzung im kommenden Februar abzusagen – wie auch schon im Vorjahr.

Vor der Pandemie hatte der Verein seine im ganzen Ort beliebten jecken Sitzungen im Pfarrzentrum Nußschale der St. Nikolaus-Gemeinde abgehalten. Doch der ohnehin recht kleine Raum kann unter den aktuellen hygienischen Bedingungen längst nicht genug Publikum für eine Sitzung aufnehmen.

„Wir haben uns dann nach einer Alternative umgesehen“, berichtet Marie Mosch, zweite Geschäftsführerin der KG Fettnäpke. Mit der Stadt wurde die Möglichkeit erörtert, die Feier in der Aula der Osterather Realschule an der Görresstraße zu veranstalten. „Aber hier ist bekannt, dass es einige Nachbarn gibt, die sich häufig beschweren – schon über Sportunterricht im Freien. Wir haben es unter diesen Umständen für nicht sinnvoll erachtet, hier eine Karnevalsfeier zu organisieren, die ja traditionell etwas lauter werden kann“, erklärt Mosch.

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Das Angebot der Stadt, die Feier in die Städtische Maria-Montessori-Gesamtschule in Büderich zu verlegen, wurde vom Verein abgelehnt – man wolle im eigenen Heimatort bleiben. „Für uns als Vorstand und auch für unsere Mitglieder ist es natürlich eine herbe Enttäuschung, im kommenden Jahr erneut nicht in gewohnter Form feiern zu können“, sagt Mosch. Allerdings planen die Fettnäpke eine Ersatzveranstaltung für den Karneval in Osterath. Was genau hier möglich sein wird, ist allerdings noch nicht spruchreif.

Und das Problem wird sich auch mit dem Ende der Corona-Pandemie nicht von selbst lösen, denn die Nußschale ist laut Mosch kein optimaler Austragungsort für die Sitzungen der KG Fettnäpke. „Schon beim letzten Fest vor Beginn der Pandemie hat es ein wenig durch die Decke geregnet, wir müssen abwarten, ob wir zumindest 2023 dort feiern können“, sagt die zweite Geschäftsführerin. In seiner Pressemitteilung spricht der Verein gar vom „Aussterben einer traditionellen Veranstaltung“. Tatsächlich waren die Sitzungen der KG Fettnäpke stets Höhepunkt der jecken Session im Stadtteil Osterath.

Die verzweifelte Raumsuche des Karnevalsvereins befeuert die Diskussion um ein Bürgerzentrum in Osterath erneut. Schon lange fordern Einwohner und Vereine einen Versammlungsort, an dem größere Veranstaltungen und Feiern möglich sind – ein entsprechendes Angebot fehlt bisher in Meerbusch. Einige Vereine greifen wie die Fettnäpke auf kirchliche oder städtische Säle zurück, andere fahren für ihre Feiern und Versammlungen gar in die Nachbarstädte.

Gerade in Osterath wird viel gebaut, was den Bedarf in den kommenden Jahren weiter erhöhen wird – Planer gehen davon aus, dass bis 2030 mehr als 2500 Osterather Neubürger hinzukommen. Eine Umfrage unter den Vereinen hat ergeben, dass jährlich mehr als 1000 Veranstaltungen in einem solchen Saal stattfinden könnten. Bereits im Jahr 2019 war ein Budget von 100.000 Euro für die konkrete Planung eines neuen Bürgerzentrums in Osterath zugesagt worden. Einer der größten Fürsprecher einer entsprechenden Einrichtung war zu Beginn der Diskussion Christian Bommers – vor seiner Wahl zum Bürgermeister und noch in seiner Funktion als Präsident des Heimat- und Schützenbundes Osterath.

Anfang 2020 hat sich schließlich ein Verein gegründet, in dem Vertreter aus mehr als 30 Osterather Gruppen, Initiativen und Vereinen für das Bürgerzentrum arbeiten – unter der Leitung von Bärbel Mosch, die Mutter von Marie Mosch und ebenfalls führend bei den Jecken aktiv. Die Osterather waren hoffnungsvoll in die Planung gestartet – doch die Pandemie hat ihren Bemühungen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Seither versucht der Verein zwar, die Planung digital voranzubringen, die Umsetzung allerdings scheint noch in weiter Ferne.

Dazu kommt die Sorge, dass die Sparmaßnahmen, zu denen die Stadt Meerbusch durch die Pandemie gezwungen sein wird, die Investition weiter verzögern werden. Hier jedoch findet der jetzige Bürgermeister Bommers klare Worte: „Wir haben nicht vor, ein Bürgerzentrum grundsätzlich in Frage zu stellen.“ Und Kämmerer Christian Volmerich versichert: „Alle Investitionen, zu denen es Ratsbeschlüsse gibt, haben wir auch so in den nächsten Haushalt eingeplant.“

Damit dürfen sich die Meerbuscher Vereine Hoffnung machen, dass es in absehbarer Zukunft Pläne für ein neues Bürgerzentrum geben wird. Darüber würden sich auch Marie Mosch und die KG Fettnäpke freuen, denn diese wollen so bald wie möglich wieder mit ihren jecken Feiern starten – auch, wenn es 2022 wohl gezwungenermaßen in Osterath etwas ruhiger bleiben wird.