1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Meerbusch: Jan Deußen macht in seiner Werkstatt Trecker wieder fit

Landwirtschaft in Meerbusch : Jan Deußen macht Trecker wieder fit

Der 27-jährige Büdericher hat sich vor fünf Jahren mit seiner Werkstatt selbstständig gemacht. Außerdem verleiht er Landmaschinen. Inzwischen beschäftigt er mehrere Angestellte.

2020 ist für Jan Deußen bisher ein richtig gutes Jahr gewesen. Als er sich vor fünf Jahren mit einer Werkstatt für Land- und Baumaschinen in Büderich selbstständig gemacht hatte, hatte er den Laden erst einmal alleine geschmissen. 2018 nahm er bereits seinen ersten Azubi unter die Fittiche, und seit diesem Jahr hat der 27-Jährige noch drei Angestellte und einen weiteren Auszubildenden hinzubekommen.

Ein wenig stolz sei er schon auf seine Leistung, gibt Deußen zu, erweckt aber den Eindruck, sich nicht gerne selbst zu loben. Das übernimmt Azubi Nils Gerhardt für ihn. „Ich finde, es braucht viel Mut mit 27 Jahren schon fünf Angestellte zu haben. Da habe ich großen Respekt vor“, so der 23-Jährige.

Die Landwirtschaft ist für Deußen nicht neu. Seine Eltern haben am Apelter Weg 80, direkt neben seiner Werkstatt, einen landwirtschaftlichen Betrieb. Schon als Kind interessierte er sich für die großen landwirtschaftlichen Maschinen und fing mit zwölf Jahren an, selbst zu schrauben und zu schweißen. „Landwirtschaft und Reparieren ergänzen sich einfach“, fand er und entschied sich, die Ausbildung zum Landmaschinentechniker zu machen. Das heißt für den Büdericher aber nicht, dass er sich auf einen Bereich festlegt. Er kann sich auch gut vorstellen, später einmal den elterlichen Hof zu übernehmen und die Werkstatt zu führen.

Momentan beschäftigen sich die Mitarbeiter der Werkstatt hauptsächlich mit Inspektionen, Reparaturen und dem Überholen von Landmaschinen aller Art und das in einem 24-Stunden-Service. Genutzt wird dabei die neueste Diagnose-Technik. Auch einen Reifenservice bieten sie an. Und seit diesem Jahr gehört auch der Verkauf und Verleih von Landmaschinen zum Angebot.

„Durch die trockenen Sommer gab es einen sprunghaften Anstieg von Bedarf an Beregnungstechnik“, berichtet Bert Heimes, der im Vertrieb arbeitet. „Früher gab es pro Hof meist nur eine Anlage, jetzt sind es oft vier oder fünf.“ Als zusätzliches Standbein dient Deußen die Entwicklung von Prototypen. So hat er zusammen mit dem Start-up Schmiede.One einen Ernteroboter für Süßkartoffeln erarbeitet. „Das Tolle an meiner Arbeit ist, dass es immer neue und kniffelige Aufgaben gibt. Es macht mir Spaß, Lösungen für jedes Problem zu finden“, so der Büdericher.

Erfolglos war er bisher noch nie, auch wenn manche Maschinen die Reparatur schwer machen. So wie der Motor eines Treckers aus dem Jahr 1927. Die Technik an sich sei nicht schwer zu bewältigen gewesen. Aber die Ersatzteile zu bekommen, sei eine Herausforderung gewesen. „Die mussten extra angefertigt werden.“

Deußens Kunden kommen aus der Landwirtschaft, aber auch vom Garten- und Landschaftsbau und vom Tiefbau. Von Zons bis Wachtendonk hat er sich schon einen guten Namen gemacht.

Schon als Deußen seine Werkstatt aufbaute, war ihm klar, dass er auch ausbilden möchte. „Das ist ein großes und interessantes Arbeitsfeld. Mir macht es Spaß, mein Wissen weiterzugeben und Leute heranzuziehen, die Interesse an dem Bereich haben. Es ist schwer, junge Menschen für handwerkliche Berufe zu begeistern. Umso schöner ist es, dass ich dieses Jahr wieder das Glück hatte, einen Auszubildenden zu finden“, so der 27-Jährige. Nils Gerhardt hat vor zwei Jahren mit seiner Ausbildung begonnen. Er ist schon lange mit Deußen befreundet und hat vorher schon als Minijobber bei ihm gearbeitet. So konnte er schon mal einen guten Einblick in den Job bekommen und war vor Überraschungen gefeit.

„Das ist ein sehr zeitintensiver Beruf, besonders zur Erntezeit“, erzählt der 23-Jährige. „Da rufen die Bauern auch gerne mal abends an, wenn etwas nicht funktioniert. Schließlich kostet jede Minute, die eine Maschine nicht läuft, Geld.“ Ein wenig seltsam sei es schon, dass sein Freund gleichzeitig auch sein Vorgesetzter ist. „Während der Arbeit ist die Differenzierung manchmal schwierig. Aber Probleme hat es da noch nie gegeben.“

Nach seiner Ausbildung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker möchte Gerhardt noch ein Fernstudium zum Betriebswirt machen und hofft, dass Deußen ihn in seinen Betrieb übernimmt. Seine Berufschancen schätzt er auf jeden Fall gut ein. „Handwerker werden immer gebucht und die Landwirtschaft wird immer gebraucht. Schließlich wollen alle abends etwas auf dem Teller haben.“