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Meerbusch: In Osterath haben drei Eulen-Babys gebrütet

Tierschutz in Meerbusch : Die Eulenkinder von Osterath

In dem Meerbuscher Stadtteil werden zurzeit einige Eulen gesichtet. Zwei Jungtiere halten sich sogar im Garten einer Osterather Familie auf. Seit einem Monat können sie den Vögeln beim Aufwachsen zugucken und zuhören.

Bei Familie Williams in Osterath ist einiges los. Vor etwa einem Monat haben sie nachts „ganz lange laute Quietsch-Geräusche“ wahrgenommen, berichtet Edda Williams. „Das geht abends um halb zehn los, und sobald es morgens hell wird, wird es wieder ruhig.“ Drei Wochen später schließlich zeigen sich die Krachmacher zum ersten Mal in einer Tanne im Garten der Familie: Es sind zwei frisch geschlüpfte Eulenkinder. „Es ist unglaublich, wirklich irre, dass sie so nah bei uns im Garten sind“, sagt Williams erfreut. „Wir sind ganz hin und weg.“

Eulenliebhaberin und Falknerin Susanne Lechner identifiziert die zwei Jungtiere als Waldohreulen. „Sie gehören zu unseren heimischen Eulen und werden auch ,Bonsai-Uhu‘ genannt, weil sie wie eine kleinere Version eines Uhus aussehen“, erklärt Lechner. Waldohreulen leben gerne auf Friedhöfen, in Parkanlagen oder Hausgärten. Eben da, wo es ein bisschen ruhiger ist. Sie bauen kein eigenes Nest, sondern benutzen verlassene Nester von der Elster oder Krähe. Wald- und Stadtränder mit Nadelbäumen sind Ruheplatz und Brutrevier zugleich. Ihr tarnfarbenes Gefieder lässt sie mit dem Wald nahezu verschmelzen.

Die ersten drei Wochen halten sich die Jungeulen ausschließlich im Nest auf und werden Nestlinge genannt. „Wenn die Jungtiere flügge werden, kraxeln sie langsam raus und erkunden ihre Umgebung“, sagt Susanne Lechner. Dann werden sie Ästlinge genannt, weil sie ihr Nest zwar verlassen, aber noch auf die Fütterung der Eltern angewiesen sind. Das laute Fiepen der Ästlinge ist sehr auffallend und kann über Stunden in der Nacht andauern. Diese Erfahrung haben auch die Williams‘ gemacht. „Wir schlafen seit Wochen mit Ohrstöpseln“, sagt Edda Williams lachend.

Die Eltern der beiden Jungeulen scheinen sich im Garten der Williams’ recht sicher gefühlt zu haben, so Lechner. Und siehe da, die Eulenkinder sind nicht die einzigen Eulen, die in Osterath gesichtet wurden. Nachdem Edda Williams ihre Fotos auf der Internet-Plattform Facebook teilt, melden sich weitere Meerbuscher. Ein Facebook-Nutzer habe ebenfalls eine Eule in seinem Garten gesehen und höre sie nun jeden Abend. Eine Nutzerin entdeckte Eulenkinder in einem Baum in Lank. Ein weiterer schließlich schickte ein Foto einer ausgewachsenen Waldohreule, die er morgens in einer Tanne in Osterath entdeckt hatte.

„Es würde passen, dass dieser Altvogel zu den Jungtieren gehört“, sagt Falknerin Susanne Lechner. Die Eltern sind tagsüber von den Kindern getrennt, halten sich aber dennoch nah auf, um sich auszuruhen. „Die Kleinen schlafen nicht, aber sie halten sich bedeckt.“ Denn am Tag ist es zu gefährlich. Der Habicht, Katzen oder der Marder würden sie packen. Bei Dämmerung trauen sich die Jungtiere dann wieder auf die Äste. „Sie sitzen zusammen und können sich gegenseitig putzen und sie erzählen auch viel miteinander“, sagt Lechner.

In Osterath hält sich derzeit eine ausgewachsene Waldohreule auf. Falknerin Susanne Lechner vermutet, dass es die Mutter der ebenfalls in Osterath gesichteten Eulenkinder sein könnte. Foto: Sebastian Thelen

Besonders aber unterhalten sie ihre Betrachter. „Sie machen so komische Reggae-Bewegungen“, sagt Edda Williams. Lechner erklärt: „Die jungen Eulen sind sehr neugierig. Durch das Wackeln erkunden sie ihre Umgebung und versuchen zu verstehen, was sie sehen.“ Denn die Augen der Eulen sind festgewachsen. Wenn sie etwas sehen und fixieren möchten, wackeln sie mit dem Kopf. „Sie scannen die ganze Umwelt, die sie noch nicht gesehen haben und speichern alles ab“, sagt Lechner. Den Hals können Eulen bis 270 Grad verbiegen. Dadurch entstehen diese ulkigen Bewegungen.

Ein typisches Merkmal von Waldohreulen sind die Federohren. Das sind reine Federn – die Eulen hören damit nicht, aber sie drücken dadurch die Stimmung aus, so Lechner. Bei Gefahr machen sie sich sehr schlank und stellen die Federohren senkrecht nach oben. Wenn sie sich wohl fühlen, plustern sie sich auf. Die echten Ohren sitzen im Kopf und sind schief, da der Winkel vom Gehörgang unterschiedlich ist. So können sie dreidimensional hören und auf den Zentimeter genau ein Geräusch orten. „Dadurch können sie auch im Dunkeln jagen. Eulen können zwar wenig Licht besser auswerten als der Mensch, aber wenn es so richtig dunkel ist, sehen auch Eulen nichts“, sagt Lechner.

Der Garten von Familie Williams ist nun zur Flugschule mit Start- und Landebahn geworden. Die drei großen Tannen im Garten bilden das Flug-Dreieck, wie Edda Williams sagt. Und einmal sogar die Hängematte. „Bisher ist noch keine runtergefallen, das sieht schon recht professionell aus“, schwärmt sie. Wenn sie herunterfallen, sei es wichtig, die Jungeulen auf keinen Fall aufzuheben und wegzunehmen, da sie sonst verwaist werden, betont Lechner.

So sicher, wie sich die Eltern bei der Brut im Garten der Williams’ gefühlt haben, so sicher scheinen sich auch die Eulenkinder zu fühlen. „Sie sind höchstens zwei Meter Luftlinie entfernt und sind recht zahm. Man kommt total nah ran“, sagt Williams und fügt hinzu: „Aber wir versuchen, ihnen auch nicht auf den Leib zu rücken, das sind ja Raubvögel.“ Waldohreulen jagen Mäuse, kleinere Singvogelarten und Insekten.

„Mittlerweile gucken wir, ob sie noch da sind. Man hat schon leicht mütterliche Gefühle und fängt an sich zu sorgen, wenn man kein Quieken hört“, sagt Edda Williams. Sie gehe davon aus, dass die Eulenkinder weiterziehen werden, da sie ein größeres Revier brauchen. Und so ist es: Die Eltern füttern die Jungtiere so lange, bis die flügge sind. „Dann müssen sie auswandern und eigenes Quartier suchen“, fügt Lechner hinzu. Bis dahin trainieren die Eulenkinder von Osterath noch weiter fleißig das Fliegen.