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Meerbusch: Impfangebot in der Bethlehemkirche in Büderich

Corona in Meerbusch : In Büderich hilft die Pfarrerin beim Impfen

Das Impf-Angebot an der Bethlehem-Kirche in Büderich wird von vielen Bürgern genutzt und wurde deshalb um zwei Stunden verlängert. Die Pfarrerin hilft bei der Organisation.

Als sie die lange Schlange vor der Bethlehem-Kirche gesehen haben, wären sie beinahe wieder nach Hause gefahren. Aber da das Paar das Glück hatte, einen freien Parkplatz zu ergattern, ist es geblieben und froh darüber. „Wir finden es ganz gut, dass wir heute hier geimpft werden“, sagt die Rentnerin. Sie hätten zwar Mitte Dezember einen Impftermin bei ihrem Hausarzt gehabt, wollten aber doch lieber schneller geboostert werden.

„Jetzt, wo die Inzidenzen so in die Höhe schnellen, machen wir das lieber früher als später. Und so können wir auch unseren Hausarzt entlasten. Der hat schon gestöhnt, weil er gar nicht weiß, wie er alle unterbringen soll“, erzählt der Rentner, der kein Verständnis für Impfverweigerer hat. Er könne es verstehen, wenn sich jemand aus medizinischen Gründen nicht impfen lasse, andere Motive könne er aber logisch nicht nachvollziehen. Daher befürwortet er auch eine mögliche Impfpflicht. „Es ist schade, dass es Länder gibt, die eine sehr hohe Impfquote haben, und bei uns Deutschen funktioniert das mal wieder nicht. Ich finde auch, wir haben zu wenig Impfangebote zurzeit. Bis Weihnachten 30 Millionen Menschen impfen zu wollen, ist eine Riesenaufgabe.“

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Während die Impfwilligen frierend in der immer kürzer werdenden Schlange stehen, läuft Pfarrerin Susanne Pundt-Forst unermüdlich an den Wartenden vorbei, fragt, ob es allen gut geht und verteilt die nötigen Impfunterlagen. „Nur rund 50 Prozent hier haben die Unterlagen dabei, und auch da fehlt sehr häufig das Aufklärungsmerkblatt, das auch unterschrieben sein muss. Das Ausfüllen vor Ort nimmt viel Zeit in Anspruch und es könnte doppelt so schnell gehen, wenn alles bereit wäre“, sagt sie. Das Rentnerpaar hat alle Unterlagen dabei, muss aber trotzdem alles neu ausfüllen. „Wir haben uns die Unterlagen vor zwei Wochen beim RKI runtergeladen und heute sind sie schon nicht mehr gültig. Das ist deutsche Bürokratie“, sagt der Rentner kopfschüttelnd.

45 Minuten steht Bernhard Pieper jetzt in der Schlange. Ein wenig wird es wohl noch dauern, schätzt er. Die Wartezeit findet er aber ganz in Ordnung. Schließlich gebe es in anderen Städten, wie beispielsweise Hamburg, kilometerlange Schlangen. „Natürlich ist das Warten nicht schön, aber es regnet wenigstens nicht. Dennoch könnte man das in unserer digitalisierten Welt bestimmt besser organisieren und zum Beispiel Termine vergeben“, wünscht der Langst-Kierster sich. Für Pieper kommt das Boostern überhaupt viel zu spät. Damit hätte man seiner Meinung nach schon im Sommer starten sollen. „Dann wären die Älteren jetzt durch. Aber die Politik hört ja leider nicht auf die Virologen.“

Silvia Pirnack hat sich spontan entschieden, heute das Einkaufen mit dem Impfen zu verbinden. „Mein Arzt nimmt erst mal nur die über 70-Jährigen dran, das finde ich auch gut so“, berichtet sie. Die Büdericherin freut sich über das mobile Impfangebot der Stadt. Der Rhein-Kreis-Neuss sei gut aufgestellt, und die Zahnärzte dürften ja bald auch mitmachen. Schade sei nur, dass viele Ärzte zu wenig Impfstoff bekämen, so Pirnack.

Ginge es nach Pundt-Forst würde in Meerbusch noch viel häufiger die Spritze gezückt werden. Als die Stadt gefragt hat, ob die Bethlehem-Kirche Räume bereitstellen könne, war sie sofort dabei. „Mir ist es so wichtig, dass wir in dieser Pandemie endlich weiterkommen. Es war eine große Fehlentscheidung, die Impfzentren zu schließen“, so die Pfarrerin. Wenn es nach ihr ginge, hätte das Impfteam auch mehrere Tage die Woche im evangelischen Gemeindezentrum sein können, denn so lange Schlangen seien gerade für ältere oder geschwächte Menschen unzumutbar. „Aber wir bedanken uns, dass wir dieses tolle Angebot überhaupt haben. Und wir haben nicht nur zwei Stunden mehr, sondern auch noch einen dritten Impfarzt gestellt bekommen. Jetzt geht es sicherlich schneller voran.“