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Meerbusch-Ilverich: Alte Liedtexte für St. Martin werden neu gedruckt

Brauchtum : Mitsingen erwünscht

Damit wieder mehr Menschen beim traditionellen Martinszug mitsingen, erstellt das Ilvericher Komitee ein Liederbuch.

Stellen Sie sich vor, es zieht ein Martinszug durch die Straßen, und keiner singt mit. Gut, so weit ist es noch nicht. Aber eine Beobachtung aus den vergangenen Jahren bereitet dem Ilvericher Martinskomitee dennoch Sorgen: Die Zug-Teilnehmer sind längst nicht mehr so textsicher wie früher. Und dementsprechend ist der Chor, der hinter dem Heiligen Sankt Martin herzieht, auch wesentlich leiser geworden.

Das soll sich ändern: Beim Martinskomitee gab es einen Personalwechsel, viele Ehrenamtliche, die das Amt jahrelang übernommen hatten, hören aus Altersgründen auf. Eltern und andere engagierte Ilvericher haben die Aufgabe in diesem Jahr übernommen. Unter anderem kam Wibke Heinz dazu, und die Grundschullehrerin hatte eine Idee: Ein Liederbüchlein soll wieder mehr Menschen ermuntern, bei den Martinsklassikern mitzusingen – und zwar nicht nur bei der ersten Strophe.

In Ilverich sei das besonders notwendig, weil kein Kindergarten und keine Grundschule im Martinszug mitgehen. Die Schüler üben die Lieder vorher häufig im Unterricht. Stattdessen hat Heinz mit ihren Freunden zusammen geübt. „Wir haben uns mit 30 Erwachsenen getroffen, die Lieder gesungen, und dann im vergangenen Jahr beim Zug kräftig mitgesungen“, sagt sie. Der Martinsbrauch lebe schließlich nicht nur davon, dass vorne ein Mann auf dem Pferd zum Feuer reitet, sondern auch vom gemeinsamen Gesang aller Teilnehmer.

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Die bekanntesten Lieder hat sie im Liedbuch zusammengefasst. „Wenn man nachfragt, kennen viele die Lieder gar nicht mehr“, sagt sie. Das sei schade, denn dadurch würde auch plattdeutsches Liedgut wie „Loop Möller, loop“ in Vergessenheit geraten. Auch die Lieder „Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind“, „Laterne, Laterne“, „Abends wenn es dunkel wird“, „Durch die Straßen“ und „Ich geh mit meiner Laterne“, hat das Martinskomitee in das neue Buch gedruckt.

Vorbild ist auch das Martinsteam aus Düsseldorf-Oberkassel, dort gibt es schon seit einiger Zeit eine Martinsfibel. Aber reicht das Licht der Laternen, um den Text in dem Liederbüchlein zu lesen? „Eigentlich nicht, aber für dieses Problem haben wir auch noch keine Lösung“, sagt Heinz. Sie hofft, dass Zugteilnehmer sich das Liederbuch auch vor dem Zug schon mal angucken und bestenfalls die Lieder zu Hause üben, so dass sie beim Zug dann das Liederbuch nur noch zur Unterstützung benötigen.  „Es gibt auch Laternen, auf die die Liedtexte gedruckt werden“, sagt sie. Das sei aber teuer und aufwendig.

Besonders freut sich das Ilvericher Martinsteam, dass Heinz Winkes, der schon seit sieben Jahren als St. Martin durch Ilverich reitet, auch in diesem Jahr wieder dabei ist. Und das, obwohl er mittlerweile weggezogen ist – nach Edertal-Gellershausen. Geht der Plan von Wibke Heinz auf, kann er sich dieses Jahr auf einen besonders stimmigen und kräftigen Martins-Chor freuen.