Meerbusch hat ein ganz besonderes Büdchen

Denkmalgeschützer Kiosk fällt allen auf: Ein Büdchen, über das man spricht

Eine Serie über Menschen, ohne die die Ortsteile ärmer wären. Heute: Reza Milani und das Büdericher Büdchen.

Sobald es morgens um sechs Uhr beim Bäcker frische Brötchen gibt, schließt Reza Milani sein Büdchen auf. Nicht irgendeins. DAS Büdchen in Büderich. Bundesweit berühmt geworden, weil es dort Champagner und Kaviar geben soll. Das war und ist ja auch nicht falsch und obendrein ein schlauer Schachzug des Besitzers. Mehr Aufmerksamkeit als mit seinem noblen „Champagner-Büdchen“ hätte er bei der Eröffnung vor acht Jahren kaum auf sich ziehen können. Heute jedoch sollte man diese Delikatessen besser vorbestellen, wenn einen danach gelüstet, rät Reza Milani. Dann besorgt er sie gern und lobt vor allem den Kaviar aus seiner Heimat Persien.

Er war noch ein Kind, als seine Eltern ihn nach England aufs Internat schickten. „Zu Zeiten des Schahs war das modern, weil man dort eine gute Erziehung bekam“, sagt er. Nie mehr kehrte er in den Iran zurück. Seine neue Heimat ist seit bald vier Jahrzehnten Düsseldorf. Nach der Ausbildung zum Kfz-Mechaniker bei Mitsubishi rutschte Reza Milani in die Altstadt-Gastronomie. Das machte ihm Spaß und ließ ihn nicht mehr los. So kam er vor 20 Jahren auch in die ehemalige „Stege“ am Deutschen Eck in Büderich. „Schon damals hatte ich ein Auge auf dieses Büdchen geworfen“, erzählt er. „Es war seit jeher etwas Besonderes für mich. Deshalb habe ich mich sehr glücklich geschätzt, als ich es übernehmen konnte.“

Am besten gefallen ihm die Gespräche, die sich mit seinen Kunden ergeben. Ganz gleich, ob sie aus dem benachbarten Meererbuscher Villenviertel oder von einer nahen Großbaustelle kommen. „Es sind interessante und ganz unterschiedliche Menschen, die sich hier treffen.“ Auch prominente Bürger mischen sich darunter, aus dem Modebusiness, dem Sport, der Wirtschaft. Namen nennt der diskrete Reza Milani nicht. Manchmal betrübt es ihn nur, dass so viel Unzufriedenheit herrscht. „Ich bekomme alles mit, worüber geredet wird und was die Menschen bewegt. Reich zu sein, macht nicht automatisch glücklich.“

Das Büdchen aus dem Jahr 1951 hat Charme. Mit seiner runden Form fällt es auf. Manche Autofahrer, di eübe die Moerser Straße kommen, stoppen spontan und wollen wissen, was sich dahinter verbirgt. Die äußere Hülle steht unter Denkmalschutz. Alle Elemente sind im Originalzustand und zeugen von solider Handwerksarbeit. „Drinnen kann ich machen, was ich will“, so der Besitzer. Jeder noch so winzige Winkel muss geschickt genutzt werden, damit alles seinen Platz findet: die mit Salami, Schinken und Käse belegten Brötchen, die Frikadellen, die Bockwürste. Stolz zeigt Reza Milani auf seine schicke Kaffeemaschine, die ab dem frühen Morgen emsig in Betrieb ist. Für Zigaretten muss er heutzutage weniger Fläche frei halten. Das behagt ihm. „Der Gewinn dabei war noch nie hoch, und es ist doch besser, wenn die Leute nicht mehr so viel rauchen.“

Etwas liegt ihm am Herzen. Die Öffnungszeiten des Büdchens sind nicht ganz einheitlich und auch nicht so weit gefasst wie früher. „Manche denken vielleicht, ich hätte es nicht mehr nötig“, sagt er. „Der wahre Grund aber ist, dass ich meine krebskranke Mutter pflege, die bei mir lebt. Dafür brauche ich jetzt einfach mehr Zeit.“ Seine Arbeit möchte er nie mehr eintauschen. „Man kommt viel mit Menschen in Kontakt, das unterscheidet sich nicht von der Gastronomie.“

Um sein kultiges Büdchen herum geht es meist beschaulich zu. Bis auf den einen denkwürdigen Tag mit der wilden Verfolgungsjagd. „Ein Autofahrer raste auf der Flucht vor der Polizei mit über 100 km/h auf den Bürgersteig und kam neben meinem Büdchen zum Stillstand“, erinnert er sich. „Das war ein spannendes Erlebnis. Dem Kunden, der davor stand, ist nichts passiert. Aber wiedergekommen ist er auch nicht.“

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