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Meerbusch: Hat der Markt in Nierst eine Zukunft?

Nur noch ein Stand : Hat der Markt in Nierst eine Zukunft?

Dem Bäcker reicht der Umsatz nicht, der Käsehändler hat gesundheitliche Probleme, übrig bleibt nur noch der Geflügelverkäufer: Was wird aus dem kleinen Markt auf dem Dorfplatz?

Beschauliche Ruhe liegt über Nierst. Die Sonne scheint, Blätter rascheln im Wind. Ab und zu kommt ein Auto vorbei. Eine Frau fegt den Bürgersteig, zwei Kinder sitzen auf einem Mäuerchen und gucken zu. Ganz entfernt ist ein Flugzeug zu hören. Eigentlich soll jetzt Markt sein, aber der Platz vor der Alten Schule ist leer.

Doch nicht so ganz. In einer Ecke, am Eingang zu den Bürgerräumen, stehen Tisch und Bänke. Das ist das Marktcafé, das als Ergänzung des Marktgeschehens eingerichtet wurde. Mehrere Frauen sitzen bei Kaffee und Kuchen zusammen und tauschen Neuigkeiten aus dem Dorf aus. Sie warten auf den Verkaufswagen von Christoph Cartigny, der derzeit den ganzen Markt bildet.

„Das ist wirklich schade, dass die Verkaufsstände immer weiter abgenommen haben“, sagt Inge Rose und steht mit dieser Meinung nicht alleine da. „Am Anfang gab es Käse, Brot, Fisch, Geflügel und Gemüse“, zählt eine der Damen auf. Doch nach und nach hätten alle aufgegeben, bis auf den Wild- und Geflügelhändler, der auf seiner Tour von Moers nach Willich in Nierst Station macht. Als er an diesem Freitag um die Ecke biegt – es ist inzwischen 15 Uhr - stehen bereits die ersten Kunden auf dem Platz. „Ich komme gerne hierhin“, sagt der Markthändler. „Die Leute sind sehr nett hier.“ Und es liege halt auf seiner Route. Gute Qualität gäbe es bei Cartigny, sagt einer der Kunden, der es gleichfalls schade findet, dass keine weiteren Stände vorhanden sind.

Gibt es zu wenig Kunden in Nierst? Da sei möglich, räumt Rose ein. Berufstätige würden oft schon auf dem Weg nach Hause einkaufen. Andererseits kommen manche Kunden sogar aus Strümp oder Lank. Sie war selbst ein Jahr lang als Bäckereiverkäuferin – erst für Bölte aus Lank, dann für Hilgers aus Osterath – auf dem Nierster Markt. „Ich hatte an einem Nachmittag rund 30 Kunden. Da ist der Umsatz einfach zu gering“, erzählt sie. Außerdem müssen das Brot und die Brötchen, die nicht verkauft werden, weggeworfen werden. Sie dürfen laut Vorschrift nicht wieder zurück in den Laden. Zudem gibt es mit dem Bauernladen Paas gleich gegenüber echte Konkurrenz mit täglichen Öffnungszeiten. Allerdings hat dieser nicht alle Lebensmittel, so dass die Kunden Eier, Wurst, Geflügel, Wild oder Lammfleisch auf dem Markt einkaufen. „Für einen Fischwagen ist Freitag nachmittag nicht der richtige Termin“, ergänzt Rose. Denn wer esse schon am Samstag Fisch? Traditionell werde dieser am Freitagmittag auf den Tisch gebracht.

Besonders bedauern die Kunden das Wegbleiben des Käsewagens, der eine gute Auswahl angeboten hatte. Doch gesundheitliche Gründe zwangen Jan, den Kaasmann, zur Aufgabe. „Wir hoffen sehr, dass sich wieder Markthändler einfinden. Die können einfach kommen und es ausprobieren“, sagen Rose und die Frauen vom Marktcafé. Sie weisen darauf hin, dass es bei ihnen nicht nur Kaffee, sondern später noch Erfrischungen gebe: Bowle und Sangria, Federweißer im Herbst und wenn es kalt wird, Glühwein. Und der Erlös wird einem guten Zweck gespendet. Etwa für Kostüme der Tanzmariechen, Roller für den Kindergarten oder Stuhlkissen für die Bürgerräume.

Auch der Bürgerverein Nierst denkt über eine Aufpeppung des Marktes nach. „Nach den Sommerferien wollen wir uns treffen, um zu beraten“, teilt Pressesprecherin Ilona Appel mit. Der Verein könne sich vorstellen, dass sich an den Markttagen (zweiter und vierter Freitag im Monat, jeweils von 14 bis 17 Uhr) jeweils ein Verein des Dorfes mit einem Infostand vorstellt. Dazu könne es etwa einen Kinderflohmarkt oder eine andere Aktivität geben. Das würde sicherlich die Menschen dazu animieren, auf den Dorfplatz zu kommen und gleichzeitig auf dem Markt einzukaufen, hofft Ilona Appel.