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Meerbusch: Grüne legen um neun Prozent zu

Wahlen in Meerbusch : Großer Zuwachs für die Grünen

Die CDU bleibt bei den Meerbuscher Wählern stärkste Kraft, verliert aber Stimmen ebenso wie die FDP. SPD legt zu, Linke und AfD sinken unter fünf Prozent.

Bangen bei den großen Parteien, die gestern Abend dicht an dicht lagen, Freude bei den Kleineren über zweistellige Werte: Beste Stimmung herrschte bei den Meerbuscher Grünen, die sich zur Wahlparty im La Pähd in Lank versammelt hatten. Schon die erste Prognose von bundesweit 15 Prozent nahmen sie dankbar als positive Bestätigung auf. Bei den Meerbuscher Wählern erlebten die Grünen einen Stimmenzuwachs um neun Prozent.  „Wir haben gegenüber der Bundestagswahl 2017 ordentlich zugelegt“, sagte Sarah Winter vom Vorstand der Grünen. Viel Zuspruch habe es bereits im Wahlkampf in Meerbusch gegeben. „Menschen, die jahrzehntelang andere Parteien gewählt haben, haben uns berichtet, aus welchen Gründen sie nun uns wählen“, berichtete Winter. Dabei fühlten sich die Grünen gleich aus mehreren Gründen im Aufwind. In Mecklenburg-Vorpommern zogen sie wieder in den Landtag ein, in Berlin sah es zunächst so aus, dass die Grünen stärkste Kraft werden könnten.

Bei den Meerbuscher Wählern lagen am Abend Grüne und FDP noch gleichauf mit etwa 17 Prozent der Stimmen. Die Liberalen feierten gemeinsam in ihrer Geschäftsstelle und freuten sich über das bundesweite Abschneiden. „Das ist ein gutes Ergebnis, wir sind total happy“, sagte Ralph Jörgens, FDP-Fraktionschef. Was viele vergessen hätten: Vor vier Jahren erst hatte die FDP den Wiedereinzug in den Bundestag geschafft. Jörgens zeigte sich zuversichtlich, dass es mit der Auszählung der Briefwahlstimmen bei dem Stimmenanteil noch ein paar Zehntel mehr würden. Doch die seien nicht ausschlaggebend. „Ich freue mich, dass wir zum ersten Mal als FDP zweimal hintereinander zweistellig sind. Wenn jetzt noch Rot-Rot-Grün keine Mehrheit hat, zaubert dieses Ergebnis zumindest ein Lächeln auf mein Gesicht“, erklärte der FDP-Bundestagsabgeordnete Otto Fricke.

 Auch die FDP Meerbusch freute sich über das Abschneiden bei der Bundestagswahl.
Auch die FDP Meerbusch freute sich über das Abschneiden bei der Bundestagswahl. Foto: Jörgens, Ralph
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Traditionell ist Meerbusch mit seinem hohen Anteil an Unternehmern und Gutverdienern, die dort leben, eine Hochburg der Liberalen. Bei der Bundes- und der Landtagswahl vor vier Jahren erhielt die FDP hier mehr als 23 Prozent der Stimmen. Offenbar konnte die Partei nicht von einem befürchteten Linksruck profitieren. Sie büßte bei den Meerbuscher Wählern deutlich Stimmen ein. Ebenso wie die CDU.

 Die SPD Meerbusch bangte, wie das Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU ausgehen wird.
Die SPD Meerbusch bangte, wie das Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU ausgehen wird. Foto: Oliver Werner

Die Meerbuscher Christdemokraten verfolgten im Gasthaus Krone den Wahlabend. Fraktionschef Werner Damblon versuchte auch gar nicht, das Ergebnis schön zu reden. „Erfreut ist hier keiner, das ist das bislang schlechteste Ergebnis der CDU. Das war eh klar, dass das nicht doll wird.“ Noch am Samstag hatte Damblon mit seinen Parteikollegen elf Stunden lang auf dem Dr.-Franz-Schütz-Platz mit Wahlkampf und Sommerfest verbracht. „An uns hat es nicht gelegen.“

 Im Gasthaus Krone verfolgte die CDU das knappe Wahlergebnis.
Im Gasthaus Krone verfolgte die CDU das knappe Wahlergebnis. Foto: CDU

Neben den Grünen konnte auch die SPD in Meerbusch zulegen. Gegen 20 Uhr waren es um die vier Prozent Zuwachs. Doch die Spannung überwog. Die Meerbuscher Sozialdemokraten bangten am Abend noch, dass sie beim Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU die Nase vorne behalten mögen. „Die Stimmung ist ein bisschen gedämpft“, gab der Parteivorsitzende Oliver Werner zu. Er hoffte, dass die Briefwahl-Ergebnisse den Sozialdemokraten noch Verbesserungen bringen könnten. Ungünstig empfand er die Unsicherheit, ob es die Linke in den Bundestag schafft. „Die FDP ist dann Königsmacher, das ist eine Sache, die uns gar nicht schmeckt.“

Der für die CDU im Wahlkreis 110 erneut als Bundestagskandidat angetretene Ansgar Heveling war in den vergangenen Wochen in Meerbusch sehr präsent. Zuletzt am Samstag auf dem Dr.-Franz-Schütz-Platz beim Wahlkampfendspurt der Meerbuscher CDU mit Sommerfest. Mit mehr als 37 Prozent der Stimmen war der 49-jährige Jurist aus Korschenbroich erwartungsgemäß Sieger im Wahlkreis 110. Philipp Einfalt erhielt für die SPD 20,11 Prozent, Katharina Voller für die Grünen 17,92 Prozent (Stand 21.15 Uhr).

Stimmen verloren haben neben CDU und FDP auch die Linke und die AfD. Die Linke hatte 2017 noch fünf Prozent der Stimmen in Meerbusch erhalten, gestern kam sie auf gut zwei Prozent. Möglicherweise konnte von dem Verlust auch die SPD profitieren. Am Abend lag das Ergebnis der AfD unter fünf Prozent, 2017 hatten die Partei in Meerbusch noch 6,5 Prozent der Stimmen geholt. Für Unmut bei Meerbuscher Bürgern hatte die Wahlwerbung der AfD bei Erstwählern gesorgt. Sie hatte die junge Zielgruppe mit einem Comic für sich gewinnen wollen und vor allem die Grünen darin verächtlich gemacht.

Die Wahlbeteiligung in Meerbusch lag erneut bei 82 Prozent. Wie im gesamten Bundesgebiet hatten auch in Meerbusch besonders viele Bürger die Briefwahl genutzt, um ihre Stimme abzugeben. Davon machten 18.841 Wahlberechtigte in Meerbusch Gebrauch, das ist mit 45,28 Prozent ein Rekordergebnis im Rhein-Kreis Neuss. Dort lag die Quote bei 41,32 Prozent (gegenüber 28,6 Prozent bei der Bundestagswahl 2017).