Europameisterschaft 2024 in Meerbusch So blicken die Trainer auf die EM

Meerbusch · Während Samir Sisic (TSV) heiß auf die Europameisterschaft ist, ist die Vorfreude bei seinen Trainerkollegen Ingmar Putz (OSV) und Sebastian Siebenbach (FCB) etwas gedämpfter.

 Albärt, Maskottchen der UEFA EURO 2024. (Symbolbild)

Albärt, Maskottchen der UEFA EURO 2024. (Symbolbild)

Foto: dpa/Arne Dedert

Am heutigen Freitagabend um 21 Uhr startet mit dem Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Schottland in München die Europameisterschaft in Deutschland. Einer von drei Coaches der ranghöchsten Meerbuscher Fußballvereinen ist bereits in großer Vorfreude auf das Turnier und traut der deutschen Nationalmannschaft viel zu. Seine beiden Trainerkollegen müssen hingegen erst noch etwas überzeugt werden.

Samir Sisic, Trainer des Oberligisten TSV Meerbusch, ist schon seit mehreren Wochen im EM-Fieber. „Ich arbeite direkt in der Arena in Düsseldorf, habe entsprechend den Umbau und das Umbranding des Stadions hautnah miterlebt – das steckt natürlich an“, sagt er. Eine eigene Tipprunde hat er mit seiner Familie und engen Freunden auch initiiert, „um noch mehr Pep hereinzubringen.“

Dass die DFB-Auswahl von vielen derzeit so kritisch gesehen wird, kann er nicht verstehen. „Ich verfolge die deutsche Mannschaft bewusst seit 1986 – und sie hat seitdem fast immer überzeugt. Auch wenn die letzten drei Turniere selbstredend alle nicht gut waren, hätte ich mir auf Grund der erfolgreichen Historie mehr Loyalität gewünscht.“ In seinen Augen sei das schlechte Abschneiden in der jüngsten Vergangenheit auch der Hauptgrund, wieso bei den meisten Menschen im Land bislang noch keine richtige EM-Stimmung aufgekommen sei. „Ich würde mich freuen, wenn ich noch viel mehr Flaggen an den Häusern sowie Fähnchen an den Autos sehen würde – so ein großer Turnier im eigenen Land kommt schließlich nicht oft vor“, sagt der 46-Jährige.

Julian Nagelsmann als Bundestrainer zu holen, befürwortet Sisic. „Ich halte sehr viel von ihm. Er ist ein absoluter Experte und hat eine gute Spielidee. Wenn er es schafft, die Defensive der Mannschaft zu stabilisieren, kann es ganz weit gehen.“ Topfavoriten auf den Titel seien für ihn jedoch Frankreich und England, „weil diese beiden Nationen über die qualitativ besten Kader verfügen.“ Doch er rechne auch Deutschland und Spanien Titelchancen aus. „Wenn es bei diesen Teams läuft, können sie einen Sprit und eine Geschlossenheit entwickeln, was am Ende den Unterschied ausmachen kann.“

Bei Ingmar Putz, Trainer von Bezirksligist OSV Meerbusch, muss das richtige EM-Fieber noch geweckt werden. „Bis vor ein paar Monaten habe ich die Begegnungen der deutschen Nationalelf kaum noch verfolgt, weil einige Spieler meiner Meinung nach nicht die richtige Einstellung an den Tag gelegt haben. Jetzt ist aber ein frischer Wind drin und die Akteure, die dabei sind, sind auch wieder stolz darauf, mit dem Adler auf der Brust in diesem Turnier aufzulaufen.“

Vieles hänge für ihn von einem guten Start ab. „Wenn die Jungs von Beginn an Vollgas geben und positive Ergebnisse abliefern, könnte – wie 2006 bei der WM – eine Euphorie entfacht werden, die die Mannschaft weit tragen kann“, meint der 55-Jährige. Allerdings gebe es momentan zahlreiche gute Mitkonkurrenten, so dass es bereits ab dem Achtelfinale auf die Tagesform ankomme. „Einen Favoriten habe ich nicht, aber ich würde mir nichts sehnlicher wünschen als den Titel für unser Nationalteam“, betont Putz.

Während der OSV-Coach in den zurückliegenden Monaten schon wieder etwas überzeugt wurde, ist Sebastian Siebenbach, Trainer des Oberligisten FC Büderich 02, weiterhin skeptisch. „In Sachen Nationalelf bin ich inzwischen relativ emotionslos. Klar werde ich mir ihre EM-Spiele anschauen, aber groß mitfiebern werde ich nicht. Die Mentalität, die uns früher einmal ausgezeichnet hat, ist uns in den letzten Jahren leider abhanden gekommen.“ Den Heimvorteil dürfte man nicht unterschätzen, dieser könne dem Team von Nagelsmann zugutekommen. Dennoch sehe er beispielsweise Frankreich und England als besser besetzt an.

Einen Großteil der Europameisterschaft wird Siebenbach gar nicht am Fernseher verfolgen können, da er sich während des Turniers gleich für drei Wochen auf eine Indonesien-Reise begeben wird. „Ich werde dort sicher die Spiele am Livetivcker mitverfolgen, aber nicht meinen Zeitplan im Urlaub danach ausrichten“ sagt der 34-Jährige.