1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Meerbusch: Freilaufende Hunde wildern im Wald

Umweltschutz in Meerbusch : Diese Regeln gelten für Hund und Halter

Immer wieder lassen Hundebesitzer ihre Tiere in Meerbuschs Wäldern frei laufen. Das ist verboten und kann schlimme Folgen haben.

Bosko gehorcht aufs Wort. Kein Wunder – der Labrador wurde von Friedl Kreidl zum Jagdhund ausgebildet. Der erfahrene Hundeführer vom Hegering Meerbusch bietet außerdem seit mehr als 15 Jahren „Benimmkurse“ für Hunde und deren Besitzer an, damit die sich beim Ausflug in den Wald richtig verhalten. Denn immer wieder kommt es vor, dass Tiere unangeleint durch die Meerbuscher Wälder streunen. Das ist nicht nur verboten, sondern kann schlimme Folgen haben.

Boskos Besitzer, der Jäger Hans-Peter Hannemann aus Nierst, schildert einen Vorfall, der sich so erst vor wenigen Tagen ereignet haben soll: Spaziergänger waren mit ihren Hunden in der Küppersjagd in Nierst unterwegs. Einer der nicht angeleinten Hunde riss dabei einen Hasen. Die Hundebesitzerin zeigte daraufhin nicht etwa Einsicht, sondern sie beschimpfte den Mann lautstark, der sie auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machte. Von dem Vorfall in Nierst existieren Videoaufnahmen, das Ordnungsamt Meerbusch ist bereits informiert und geht den Hinweisen nach. Das entsprechende Bußgeld für Halter, deren Hund unangeleint Wild gerissen hat, liegt bei 300 Euro aufwärts, teilt ein Stadtsprecher auf Nachfrage mit.

„Ich war bei diesem Vorfall nicht dabei, aber ich habe so etwas selbst auch schon erlebt“, erzählt Hannemann, der seit 20 Jahren Mitpächter des 354 Hektar großen Nachbarreviers der Küppersjagd ist. Besonders tragisch sei: Die Rehe sind jetzt tragend und können deshalb nicht so schnell fliehen. „Im vergangenen Jahr haben wir fünf Rehe durch wildernde Hunde verloren.“ Auch für die kleinen Kitze sind wildernde Hunde eine Gefahr. Der 70-Jährige erzählt: „Mindestens einmal pro Woche habe ich in unserer Jagd Probleme mit frei laufenden Hunden.“ Allerdings seien die meisten Hundebesitzer einsichtig, sobald er sie darauf aufmerksam macht. „Viele sind einfach unwissend oder denken nicht nach.“

Das Problem: Hunde, die das „Jagd-Gen“ und noch dazu einen gewissen Ungehorsam in sich haben, sind beim Spaziergang durch den Wald in ständiger Lauerposition. Es liegt ihnen im Instinkt, sofort hinterher zu rennen und die Beute zu jagen und möglicherweise sogar zu reißen. Dabei werden die Wildtiere verletzt oder getötet. Den Tieren dieses Verhalten abzugewöhnen, sei nicht leicht, sagt auch Hundetrainer Kreidl. Vor allem, weil es dabei auf die Konsequenz der Besitzer ankomme. Es gebe aber auch gute Beispiele, sagt Jäger Hannemann: „Wir haben hier in Nierst viele Reiterhöfe, die meisten Reiter haben beim Ausritt ihre Hunde dabei. Aber die gehen alle extrem verantwortungsvoll mit ihren Tieren um, da gibt es nie Probleme, weil die Hunde gut gehorchen.“

Oft sind es Hundebesitzer aus benachbarten Städten, die ihren Hunden auf den ländlichen Flächen in Nierst mal so richtig Auslauf gönnen wollen. Aber obwohl der Wald und die Wiesen wie eine große Tobefläche wirken, gelten auch dort Regeln. Laut Landesforstgesetz etwa müssen Hunde außerhalb der Waldwege angeleint sein, auf dem Weg müssen sie stets unter der Kontrolle des Besitzers sein, sprich: Sie müssen in dessen Nähe bleiben und sofort auf Kommando hören. In ausgewiesenen Naturschutzgebieten wie etwa in der Ilvericher Altrheinschlinge müssen die Hunde ständig an der Leine geführt werden. Ein Verstoß gegen diese Regelung gilt als Ordnungswidrigkeit.

Hans-Peter Hannemann ist das Thema auch deshalb so wichtig, weil der Niederwildbestand generell seit Jahren stetig abnehme. Die Fasanenpopulation etwa sei in den vergangenen fünf Jahren um 90 Prozent zurückgegangen, der Hasenbestand gehe sogar gegen null, auch Rebhühner sind selten. „Die Tiere finden keine Nahrung mehr.“ Auf den Feldern gebe es fast nur Monokultur, die Gemüsebauern deckten ihre Felder zu, damit die Krähen nicht das ganze Saatgut wegpicken. „Hinzu kommt: In diesem Jahr gibt es wegen des warmen Winters viele Mäuse“, sagt Hannemann. „Das bedeutet, dass auch die Füchse viele Junge haben werden: bis zu acht pro Fuchsbau.“ Dadurch gerate das Verhältnis zwischen Füchsen sowie Hasen und Fasanen aus dem Gleichgewicht.

Jäger und Landwirte unterstützen sich gegenseitig. So hat Landwirt Rainer Roos den Jägern eine 2500 Quadratmeter große Fläche zur Pacht überlassen. „Dort soll eine Mischblumenwiese entstehen, um die Population von Fasanen und Rebhühnern zu erhöhen“, sagt Hannemann. „Mitte Mai säen wir aus.“