Engagement in Meerbusch Schule in Mulala ist dank Spenden fertig

Osterath · Seit elf Jahren sammelt Ruth Göbel Geld für eine weiterführende Schule im tansanischen Mulala. Zusammen mit einer örtlichen Frauengruppe hat sie das Projekt initiiert, durchgeführt und nun erfolgreich zum Abschluss gebracht.

 Durch den Einsatz von Ruth Göbel können die Kinder im tansanischen Mulala auch die weiterführende Schule besuchen.

Durch den Einsatz von Ruth Göbel können die Kinder im tansanischen Mulala auch die weiterführende Schule besuchen.

Foto: RP/Ruth Göbel

Ruth Göbel aus Osterath strahlt. Ihr Herzenswunsch, den Bau einer weiterführenden Schule im tansanischen Mulala zu ermöglichen, ist nach elf Jahren Engagement in Erfüllung gegangen. „Und die Schule ist noch größer geworden, als ursprünglich geplant“, erzählt sie. Vor ein paar Tagen erhielt die Meerbuscherin aus Tansania die Nachricht, dass zurzeit ein weiterer Schultrakt für den naturwissenschaftlichen Unterricht gebaut wird, den die Frauengruppe aus Mulala mit eigenen Spenden initiiert hat. „Laborary“ prangt an der weiß verputzen Fassade. Hier soll der Chemie- und Physikunterricht stattfinden.

Doch bis dahin war es ein langer, teilweise steiniger Weg. Vor zehn Jahren machte Ruth Göbel Urlaub in Tansania, den sie abseits der großen Touristenströme verbringen wollte. Sie besuchte daher Land und Leute, kam auch mit der Frauenkooperative „Agape Women Group“ in Kontakt. Diese arbeitet in Mulala, ein Städtchen am Hang des Mount Meru im Norden des Landes gelegen.

Göbel war beeindruckt, wie die Afrikanerinnen rund um Mama Anna Pallangyo ihr Leben unter schwierigen Umständen meisterten, Käse aus Ziegenmilch produzierten und auf dem Markt verkauften. „Sie haben mich am normalen Familienalltag teilnehmen lassen – kochen und abwaschen, arbeiten im Feld, Babys hüten, Tiere füttern, Käse machen, ein Dach decken, sitzen und schwatzen und lachen“, erzählt die Psychotherapeutin aus Osterath. „Mama Anna ist klein, aber stark, voller Energie und getrieben von einem unbändigen Willen, die Entwicklung in ihrem Dorf voranzutreiben.“

Das einzige, was den Frauen Sorgen machte: Nach der Grundschule gab es für ihre Kinder von Mulala keine „Secondary School“, um weiter zur Schule gehen zu können. Zurück in Meerbusch reifte bei Göbel der Plan, dieses konkrete Projekt mit Hilfe von Spendengeldern auf die Beine zu stellen. Mit Eigenleistungen und einem vorhandenen Grundstück direkt neben der Grundschule rechnete man damals mit rund 26.000 US-Dollar Baukosten.

Mit großem Engagement machte sich Ruth Göbel ans Werk. Sie sammelte gebrauchte Bücher und verkaufte sie auf dem Büchertrödel des Meerbuscher Umweltmarktes, auf dem Handwerkermarkt in Osterath und bei anderen Gelegenheiten. Sie sammelte Geld bei Freunden und erhielt Spendengelder über ihre Website. Teilweise brachte sie das Geld selbst nach Mulala und überzeugte sich vor Ort vom Fortgang des Projektes, das allerdings nur, wie es in Tansania heißt, „pole pole“, also langsam, vorankam.

Und die Pandemie bremste weiter aus: Es traten Pausen ein und die Kosten erhöhten sich auf 50.000 Euro. Doch nach und nach entstanden zwei Schulgebäude mit je zwei Klassen, ein Lehrerverwaltungsgebäude und ein Toilettentrakt, sogar mit Behinderten-WC, wie es in Tansania Vorschrift ist. Außerdem warb Göbel Sponsoren für die Inneneinrichtung mit Tischen und Bänken ein.

 Ruth Göbel und Mama Anna Pallangya von der Frauen-Kooperative Agape Women Group freuen sich über das erreichte Ziel.

Ruth Göbel und Mama Anna Pallangya von der Frauen-Kooperative Agape Women Group freuen sich über das erreichte Ziel.

Foto: RP/Ruth Göbel

Anfang 2021 lief der Schulbetrieb mit einer ersten Klasse an, obwohl noch nicht alles fertig war. „Es gibt noch immer Bau-Bedarf, etwa der Außenverputz, das Kochhaus von einer Bretterbude in ein gemauertes Gebäude zu verwandeln und die Schultreppen wetterfester zu machen“, schrieb Göbel im September 2021 an ihre Sponsoren. Schon damals hoffte sie auf ein Science-Gebäude, das nun die Schule komplettiert. „Ich danke allen Spendern“, sagt Ruth Göbel, die nun das Spendenkonto schließt. Allerdings will sie die noch vorhandenen Bücher weiter auf Trödelmärkten verkaufen und damit kleinere Reparaturen an „ihrer“ Schule finanzieren.

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