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Meerbusch: Drohnen-Boom auf dem Modellflugplatz der Luftsportfreunde

Meerbusch : Digitalisierung auf dem Modellflugplatz

Seit fast 60 Jahren gibt es die Luftsportfreunde in Büderich schon. Im Laufe der Zeit hat sich wegen des technischen Fortschritts viel verändert.

Nur wenige Sekunden und man sieht den Modellflugplatz am Apelter Weg aus der Vogelperspektive. Zwischendurch geht‘s über Kopf und dann wieder gleichmäßig über die Felder und Wälder am Rhein entlang. „Davon kann einem ganz schön schwindelig werden“, sagt Florian Steiger, der gemütlich auf einer Bank sitzt. In der Hand hält er ein Steuergerät, auf der Nase sitzt eine Videobrille, durch die Luft fliegt seine Drohne. Das kleine Fluggerät gehört genau so zu dem Hobby der Luftsportfreunde aus Büderich wie die klassischen Segel- und Motorflugzeuge, die man wohl am ehesten auf einem Modellflugplatz erwarten würde.

Vor drei Jahren, als Steiger mit seiner Drohne auf den Flugplatz kam, stieß er nicht überall auf Zustimmung. Ein paar dumme Sprüche habe er sich schon anhören müssen. „Meine Drohne ist gelötet und zusammengeschraubt, das ist natürlich etwas anderes als ein Segelflugzeug aus Seidenpapier und Balsaholz“, sagt er.  Mehrmals sei ihm gesagt worden, dass seine Drohne mit Modellfliegen nichts zu tun habe. Mittlerweile ist das anders: Von den rund 100 Mitgliedern sind um die 15 täglich mit ihren Drohnen unterwegs, Tendenz steigend. Auch viele der anfänglich skeptischen Mitglieder sind „auf die Drohne gekommen“. Vor allem für Ältere sei das praktisch:  „Wegen der Videoübertragung können sie sehen, wo sie hinfliegen. Außerdem haben viele Drohnen GPS und kommen dann automatisch zum Startpunkt zurück“, sagt er.

Thomas Kühn, erster Vorsitzender der Luftsportfreunde Tura Büderich, hält eine Drohne in seiner Hand. Auf dem Kopf trägt er eine Videobrille. Foto: Danina Esau

Der Drohnen-Boom hat dem Verein zu einigen neuen Mitgliedern verholfen. Vor allem junge Menschen würden sich dafür interessieren, berichtet Vereinsmitglied Peter Blumentrath. Meistens möchten sie zu Beginn nur Drohnen fliegen, probieren dann auch andere Fluggeräte aus. „Sie sehen, was man noch alles machen kann und kommen so zum klassischen Modellfliegen.“ Generell gelte auf dem Platz: Jeder darf das fliegen, was er möchte. „Wir sind kein Leistungsverein, wir machen das, weil wir Freude daran haben. Deswegen sind wir für alles offen“, sagt er.

Zum Hobby gehört nicht nur das Fliegen: Viele Modellflugzeuge werden von den Inhabern zusammengebaut. Foto: Luftsportfreunde Büderich

Seit 18 Jahren ist Blumentrath Mitglied der Luftsportfreunde Büderich. Er hat miterlebt, wie sich die Mitgliederzahl des Vereins über die Jahre verändert hat. Vor ein paar Jahren sah es nicht ganz so rosig aus. Damals waren viele der älteren Gründungsmitglieder verstorben und nur wenig neue dazu gekommen. Das Problem vieler anderer Vereine, jungen Nachwuchs zu bekommen, teilen die Luftsportfreunde aber zurzeit nicht mehr. Das liege allerdings nicht nur an der steigenden Beliebtheit von Drohnen, sondern auch an Corona. „Die Menschen wollen raus und nicht nur vor dem Bildschirm hocken“, sagt Kühn, der erste Vorsitzende des Vereins. 

Peter Blumentrath ist seit 18 Jahren dabei und engagiert sich im Verein als Motorflugreferent. Foto: Danina Esau

Bis vor wenigen Jahren war im Sommer Hochsaison auf dem Modellflugplatz, vor allem am Wochenende war viel los. Deswegen gibt es im Frühling das Anfliegen und im Herbst das Abfliegen. „Das sind traditionelle Veranstaltungen, die wir immer noch gerne durchführen. Aber eigentlich brauchen wir sie nicht mehr“, sagt Blumenraht. Denn geflogen wird jetzt auch im Winter, mit Drohnen und anderen kleinen Fluggeräten. Die großen, teuren Segelflugzeuge sollte man lieber nicht in die Höhe steigen lassen, wenn der Boden matschig ist. „Die werden dann schmutzig und sind nur schwer zu reinigen“, erklärt Kühn.

Aber nicht nur in der Luft wird technisch aufgerüstet. In der Vereinshütte gibt es seit neuestem auch einen Flugsimulator, mit dem sich Interessierte, die sich noch unsicher sind, ob das Modellfliegen etwas für sie ist, ausprobieren können. Auch Wiedereinsteiger nutzen den Simulator oft, um wieder ein Gefühl für das Fliegen zu bekommen. Blumentrath hatte die Idee dafür, mit dem Ziel, junge Menschen zu erreichen. Wenn sie sich vor den Simulator setzen, fühlt sich das vertraut an. „Viele erinnert es an Videospiele“, sagt Blumentrath. Aber es sei viel komplizierter: „Das Steuergerät ist sensibler als ein Controller.“

Auch in der Hochphase der Corona-Pandemie, als der Verein den Platz für drei Monate schließen musste, haben viele online weiter üben können. Nicht schlecht staunten sie, als ein 12-Jähriger auf den Flugplatz kam und behauptete, er könne Modellfliegen, weil er es mit einer App geübt habe. Als er dann das erste Mal ein Modellflugzeug steuerte, klappte es tatsächlich ganz gut. „Wir mussten  ein bisschen nachhelfen, aber trotzdem waren wir perplex“, sagt Blumentrath.