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Meerbusch: Diskussion um Kunstrasenplätze

Sport in Meerbusch : Kunstrasenplätze sollen grüner werden

Etliche Sportanlagen müssen saniert werden. Bei der Wahl des Belags sei bislang der ökologische Aspekt vernachlässigt worden, meinen die Grünen.

Bei einem Ortstermin haben sich Vertreter von Politik und Verwaltung mit dem Vorsitzenden des Stadtsportverbands Peter Dietz einen Eindruck vom Zustand des Kunstrasenplatzes am Windmühlenweg  in Ossum-Bösinghoven verschafft. In der vorigen Sitzung des Sportausschusses hatte die Verwaltung einen Antrag für die Sanierung des 16 Jahre alten Platzes vorgelegt, die Politiker hatten dem aber nicht zugestimmt und weiteren Informationsbedarf angemeldet.

Der Platz wird vom TSV Meerbusch intensiv genutzt und wurde in der Vergangenheit immer wieder geflickt. Mittlerweile sind deswegen auf dem Belag etliche Stolperfallen für die Sportler entstanden. Dass die Anlage saniert werden müsse, sei unstrittig, erklärt Dietz. Allerdings sei derzeit noch vieles in der Schwebe.

Dafür hat auch ein neuer Antrag der Grünen gesorgt. Fraktionsvorsitzender Jürgen Peters möchte in einer Sondersitzung des Ausschusses für Klima, Umwelt, Bau sich grundsätzlich mit der Beschaffenheit von Sportplätzen auseinandersetzen. Dazu soll ein kompetenter Referent eingeladen werden, der neben Fragen der Nutzungszeiten und der Wirtschaftlichkeit insbesondere die aktuellen und langfristigen ökologischen Aspekte von Sportflächen betrachtet. „Ebenso sollen die körperlichen Belastungen für Sportlerinnen und Sportler und mögliche gesundheitliche Risiken thematisiert werden“, heißt es in dem Antrag.

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Da alle übrigen Aspekte bereits beraten und diskutiert wurden, seien ökologische Fragen unter der Federführung des Klimaausschusses zu klären. Dies sei auch wegen des Klimabeschlusses des Rats der Stadt Meerbusch erforderlich. „Uns erreichen zurecht Anfragen, warum die Politik noch auf Kunstrasen setzt, wo doch die Freisetzung von Mikroplastik gravierende ökologische Probleme auslöst. Die Herstellung von Kunstrasenflächen ist ebenfalls kritisch, gleichermaßen die Entsorgung“, so Peters. Dem dürfe sich die Politik nicht verschließen.

Er verweist auf eine Broschüre des Bundesinstituts für Sportwissenschaften für „Nachhaltige Sportfreianlagen“. Dort werden sieben Bodenbeläge, darunter vier Varianten mit Kunststoff, nach verschiedenen Kriterien bewertet. Kunststoffrasen mit Sandverfüllung und solcher mit Granulat-Sandverfüllung nehmen dabei je nach Gewichtung der Kriterien Rang drei und vier ein, belegen also Mittelplätze. Allerdings bewegen sich die Unterschiede im Bereich von Stellen hinter dem Komma. Sportrasen wird mit 2,02 benotet, Kunststoffrasen mit Sand-Verfüllung mit 2,36.

In ihrem Antrag weisen die Grünen auch darauf hin, dass sie für die Sportvereine angemessene Nutzungszeiten sicherstellen wollen, „selbst um den Preis, dass dies mit höheren finanziellen Aufwendungen verbunden wäre“. Wichtig ist eine Klärung des weiteren Vorgehens auch, weil in den kommenden Jahren weitere Sportanlagen erneuert werden müssen: 2023 der ältere Kunstrasenplatz am Eisenbrand, ein weiterer kleinerer Kunstrasenplatz dort 2025. Für 2027 steht die Anlage am Fouesnantplatz auf der Liste, 2030 die am Krähenacker.

Stadtsportverbands-Chef Dietz wünscht sich, dass der Platz in Ossum-Bösinghoven wie beantragt saniert wird und man sich für die kommenden Sanierungen noch einmal beraten lässt. Die Verwaltung hatte deutlich gemacht, dass ein Rasenplatz keinen gleichwertigen Ersatz biete, zumal dieser nicht ganzjährig bespielt werden kann. Für die gleiche Nutzungsdauer und -intensität wie bei einem Kunstrasenplatz seien zwei Rasenplätze nötig.

Erst Ende 2019 war in Büderich am Eisenbrand ein Tennenplatz in einen Kunstrasenplatz umgewandelt worden. Der Platz war der erste im Stadtgebiet mit Korkgranulat. Dabei wurde eine Mixtur aus Quarzsand und Korkgranulat eingearbeitet. Das Korkgranulat dient dazu, das Abrollverhalten des Balls zu verbessern und die Verletzungsgefahr der Spieler durch Verbrennungen zu senken. Der Einsatz des Korkgranulats war auch eine Reaktion auf eine Diskussion in der EU-Kommisson. Die hatte die Europäische Chemiekalienagentur (ECHA) beauftragt, Maßnahmen zu entwickeln, um den Einsatz von Mikroplastik zu verhindern. Die Agentur hatte ein Verbot von Kunststoffgranulat auf Kunstrasenplätzen empfohlen, das im Jahr 2022 in Kraft treten könnte. Die NRW-Regierung hat darauf mit einem Bestandschutz für die vorhandenen Kunstrasenplätze reagiert.