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Meerbusch: Die Stadt möchte das Haus von Ewald Mataré in Büderich kaufen

Kultur in Meerbusch : Stadt plant Kauf des Hauses von Mataré

Aus dem Atelierhaus von Meerbuschs bedeutendstem Künstler Ewald Mataré soll eine Kulturstätte werden, die an sein Leben und Werk erinnert. Die Stadt könnte nach dem Erwerb das Haus in eine Stiftung überführen.

Nachdem im Oktober vorigen Jahres die Tochter von Ewald Mataré verstorben war, stellten sich viele kunstinteressierte Meerbuscher die Frage, was aus dem Haus der Familie wird. An der Dückersstraße 10 in Büderich hatte Mataré gelebt und gearbeitet. Als Bildhauer, Grafiker und Maler hat er ein umfangreiches Werk hinterlassen und weltweit Ruhm erlangt. Schnell waren sich Meerbuschs Politiker quer über alle Fraktionen hinweg einig, dass die Stadt das Haus kaufen soll. So wurde es kürzlich auch einhellig im Haupt- und Finanzausschuss entschieden.

Bürgermeister Christian Bommers berichtete, die Stadt führe bereits Gespräche mit den Erben über einen Ankauf. Er sei zuversichtlich, dass man zu einer Einigung kommen werde. Geplant sei, ein gemeinsames Nutzungskonzept für das Haus zu erstellen. Nach Auskunft des LVR, so Bommers weiter, sei das Gebäude denkmalwürdig. Die Ratskoalition von CDU und FDP stellte für die Ratssitzung einen Dringlichkeitsantrag: Die Untere Denkmalbehörde solle mit der Prüfung der Denkmalwürdigkeit des Wohn- und Atelierhauses von Ewald Mataré beauftragt werden. Dann könnte das Haus gegebenenfalls in die Denkmalliste eintragen werden.

Zum weiteren Vorgehen erklärte Werner Damblon (CDU), es sei nicht beabsichtigt, das Haus dauerhaft in städtischer Regie zu belassen. Denkbar sei, dass etwa eine Stiftung diese Aufgabe übernimmt. Jürgen Peters (Grüne) wies daraufhin, dass das Konzept zur Nutzung zeitnah entwickelt werden sollte.

Ewald Mataré war mit seiner Familie 1932 nach Büderich gezogen, als ihm die Staatliche Kunstakademie Düsseldorf eine Professur anbot. Nur wenige Monate später wurde er von den Nationalsozialisten entlassen. Seinen Lebensunterhalt bestritt er in der Zeit der NS-Diktatur mit kirchlichen Aufträgen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er mit Aufträgen wie für das Südportal des Kölner Doms zu einem der angesehendsten deutschen Bildhauer. In Düsseldorf stammt beispielsweise das Bronzeportal der Kirche St. Lambertus von Mataré ebenso wie die Fassadengestaltung und die Christus-Figur von St. Rochus. In Meerbusch schuf er den Brunnen Am Landsknecht in Büderich. So charakteristisch wie herausragend sind außerdem die Tierskulpturen, die der Bildhauer schuf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er an die Kunstakademie als Professor zurück und übernahm die Bildhauerklasse. In seiner Werkstatt gingen damals viele bekannte Künstler und seine Studenten ein und aus. Ein häufiger Besucher war Matarés Schüler Joseph Beuys, der für den Garten mitbrachte. 

Nachdem Ewald Mataré 1965 gestorben war, hatte sich seine Tochter Sonja um den Erhalt seines Werks gekümmert. Dass der künstlerische Nachlass ihres Vaters, der als „einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer des 20. Jahrhunderts“ in die Geschichte eingeht, in Meerbusch keinen Platz gefunden hatte, konnte Sonja Mataré nicht verstehen. „In dieser reichen Stadt gibt es keinen Ort für die Kunst, kein Museum“, wunderte sie sich. 1988 übergab sie den Nachlass ihres Vaters an das Museum Kurhaus Kleve. Dort wird sein Werk ausgestellt und dokumentiert. Auf dem Büdericher Friedhof befindet sich das Grab von Mataré, seiner Frau und seiner Tochter. Seit 2009 ist es Ehrengrab der Stadt.