Bildung in Meerbusch Deutsch lernen in der Kita Rheinräuber

Büderich · In die Büdericher Einrichtung gehen viele Kinder, die gerade erst nach Deutschland gekommen sind. Für Kitaleiterin Barbara Kerp ist Sprachförderung Teil des gemeinsamen Miteinanders. Dazu bindet sie die Eltern mit ein.

 Jolina (v.l.), Bade und Suzoun sprechen mit Kitaleiterin Barbara Kerp über ein Bild in einem Standtheater, in dem es um die Regeln in der Einrichtung geht.

Jolina (v.l.), Bade und Suzoun sprechen mit Kitaleiterin Barbara Kerp über ein Bild in einem Standtheater, in dem es um die Regeln in der Einrichtung geht.

Foto: Anne Orthen/Anne Orthen (ort)

Die Kinder in der Kita Rheinräuber kommen aus der ganzen Welt: aus Japan, China, Russland, Ukraine, Irland, Indien, Irak, Türkei und Deutschland. Ohne ein einziges Wort Deutsch zu sprechen, starten viele von ihnen ihre Zeit in der Einrichtung am Laacher Weg. „Am Anfang verständigen wir uns auf Englisch“, berichtet Kitaleiterin Barbara Kerp, „die deutsche Sprache lernen sie dann im Kitaalltag“.  

Im vorigen Jahr startete die Förderung für Sprachkitas. „Wir haben damals viele gute Materialien bekommen, darunter Bücher und ein kleines Standtheater“, berichtet Barbara Kerp. Dass diese Unterstützung nun nicht weiter fortgeführt wird, hindert das Team aber nicht daran, den intensiven Umgang der Kinder mit der deutschen Sprache zu fördern. „Das fängt schon beim Reinkommen an“, erklärt die Kitaleiterin, die das Sprachlernen nicht als separate Aufgabe, sondern als ganzheitlichen Aspekt ihrer Arbeit sieht.

Morgens können Eltern und Kinder beim Hereinkommen direkt sehen, was es mittags zu essen gibt. Dort hängt der Essensplan für die Woche mit Bildern aus. So sind auch die Eltern, die ebenfalls noch Deutsch lernen müssen, gut informiert und können sich mit ihrem Kind darüber austauschen. Mit Bildern wird den  Eltern auch vermittelt, wie die Kinder den Tag verbracht haben. Die Erzieherinnen machen mit iPads Fotos von den Aktionen, die dann an der Wand hängen. Das erleichtert den Austausch.

Mit der Kombination von den Namen der Gegenstände und den Bildern lernen die Kinder, die Worte zu verstehen. „Manche trauen sich dann noch nicht zu sprechen, weil sie unsicher mit der Aussprache sind. Das ist eine Hemmschwelle, die sie erst überwinden müssen“, sagt Barbara Kerp.

So ist es auch beim Morgenkreis. Beim Fingerspiel geht es um die Familie Maus. Nacheinander zeigen die Kinder mit ihren Händen Ohren, Nasen und andere Körperteile der verschiedenen Familienmitglieder an. Nach den Mäusen geht es auch um die Kinder. „Hast du auch eine Schwester“, fragt die Erzieherin Matha. „Ich habe keine Schwester, ich bin selbst eine Schwester“, antwortet das Mädchen.

Ein anderes Mädchen hatte erst im vorigen Jahr Deutsch gelernt und traute sich lange nicht zu sprechen. Zwar ist sie ein Vorschulkind, doch die Kitaleiterin beantragte, dass das Mädchen ein Jahr später in die Schule kommt und Zeit hat, mehr Sicherheit zu gewinnen. Mit Erfolg. „Im Oktober hat sie einen Schuss nach vorne gemacht“, freut sich Barbara Kerp.

Möglich ist die intensive Sprachförderung für Kinder mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen, weil jeweils bis zu drei pädagogische Kräfte für eine Gruppe zuständig sind. So kann eine Erzieherin sich auch einmal mit nur zwei oder vier Kindern intensiver beschäftigen.  

Ob beim Spielen oder beim Essen – sich mitzuteilen und die eigenen Wünsche und Bedürfnisse auszudrücken, ist wichtig: „Ich habe wenig Hunger, ich habe viel Hunger, ich möchte etwas probieren.“ Alle Alltagssituationen werden mit dem dazugehörigen Vokabular gut eingeübt. Das erklären Barbara Kerp und ihr Team auch bei den Elternabenden. „Die sind gut besucht, die ausländischen Eltern sind sehr darauf bedacht, viel zu erfahren.“ Alle paar Monate gibt es einen Infobrief, auch die Jahresplanung wird vorgestellt. Einbezogen werden die Eltern außerdem bei besonderen Aktionen wie dem „Mutter-Kind-Backen“ oder „Vater-Kind-Basteln“. Auf diese Weise erleben die Familien auch, dass in Deutschland die Väter sich ebenfalls um die Kinder kümmern.

In Entwicklungsgesprächen zwischen Eltern und Erzieherinnen übersetzen Dolmetscher. Das ist der Kitaleiterin wichtig, weil es oft um Feinheiten und eine vertrauensvolle und persönliche Gesprächsatmosphäre geht. Dabei erfährt sie oft, vor welchen Hürden die Familie steht. Geht es um eine spezielle Förderung für das Kind, ruft sie in der Uniklinik oder im sozialpädiatrischem Zentrum an, um einen Termin zu machen. Oder nach der Flucht: Leidet die Mutter darunter, dass ihr Mann zurückgelassen wurde, belastet das auch das Kind. Es lebt sich besser ein, wenn die Mutter anfangs mit in die Gruppe kommt. Und die Mutter kann sich darüber freuen, dass es ihrem Kind dort gut geht.

Jedes Kind, jede Familie bringt unterschiedliche Voraussetzungen mit. Und die werden in der Kita Kiku Rheinräuber berücksichtigt. „Es ist wichtig über den Tellerrand zu gucken. Nur so geht es“, sagt Barbara Kerp.