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Meerbusch: Der Latumer See hat eine neue Brücke

Meerbusch : Der Latumer See hat eine neue Brücke

Zu der offiziellen Eröffnung lädt der Heimatkreis Lank auch die Kritiker der Brücke ein. Öffentlich bekannt wird dann auch der Spender. Der Verein wünscht sich, dass die Stadt das Gebiet weiter entwickelt und attraktiver gestaltet. 

Der Latumer See hat eine neue Aussichtsbrücke. Noch befindet sich dort eine Baustelle. Aber für ein erstes Foto haben Franz-Josef Jürgens und Silke Felkl schon einmal darauf Position bezogen und ihren Blick über den See und seine Umgebung schweifen lassen. „Wir sind stolz darauf, dass wir es geschafft haben, die Brücke für die Bürger hier zu errichten“, sagt Franz-Josef Jürgens zufrieden. Der Vorsitzender des Heimatkreis Lank und seine Vertreterin Silke Felkl hoffen, bald zur offiziellen Eröffnung der Brücke einladen zu können. Dann könnte möglicherweise auch der Spender der Brücke dabei sein. Der Name des Lanker Bürgers wird bei dieser Gelegenheit erstmals öffentlich genannt.

Auch über die genauen Kosten der Brücke will der Heimatkreis Lank erst bei der Eröffnung informieren, kündigt Jürgens an. Sie liegen jedenfalls über der Summe von 100.000 Euro. Neben der Planung und dem Bau der Brücke seien kostspielige Gutachten und Untersuchungen nötig gewesen, um die hohen technischen Ansprüche zu erfüllen. „Das hatten wir unterschätzt“, gibt Jürgens zu.

Die 30 Meter lange neue Brücke ist aus Stahl und damit viel länger haltbar als die alte Holzbrücke. Der Boden hat kleine, nach außen gewölbte Löcher, so dass Wasser sich dort nicht sammeln kann und der Untergrund rutschfest ist. Die Geländerstreben sind in einem abgetönten Grün gehalten, so dass sie sich in das Landschaftsbild einfügen. Als Erinnerung an ihren Vorgänger bekommt die neue Stahlbrücke einen Holzlauf und die Seiten des Bodens werden mit auswechselbaren Holzleisten eingerahmt.

Mit der Stadt regelt der Heimatkreis die Schenkung in einem Vertrag, der bald unterzeichnet werden soll. In einem nächsten Schritt ist vorgesehen, dass die zweite kleine Brücke am See, die ebenfalls erneuert werden muss, nach dem Vorbild der Stahlbrücke gebaut werden soll. Die Kosten dafür übernimmt aber die Stadt. Der Heimatkreis wünscht sich, dass das Gelände um den See in den nächsten Jahren weiter gestaltet wird. Dies ist bereits vorgesehen: So plant der Meerbuscher Kulturkreis, am See einen Kulturpfad einzurichten. Unter der Brücke wuchern derzeit wilde Brombeeren und andere Sträucher. „Die Senke könnte in ein Trockenbiotop umgewandelt werden“, sagt Jürgens. Darüber hinaus hält er es für denkbar, vom See aus eine Grünachse bis zum Rhein zu schaffen. Möglicherweise könnte dies mit Fördermitteln des Landes finanziert werden. Im Natur- und Landschaftsplan des Rhein-Kreis-Neuss sei schließlich das Gebiet um den See als eines mit besonderer Bedeutung gekennzeichnet.

Dies hatte auch beim Bau der Brücke eine Rolle gespielt. Als damit begonnen wurde, mahnte eine Bürgerin an, die Arbeiten auf die Zeit nach der Vogelbrutzeit zu verlegen. Die Politik schloss sich dem an. Der Heimatkreis sah sich von der Naturschutzbehörde des Kreises bestätigt, dass trotz der Arbeiten der Naturschutz gewahrt werde. Doch die damalige Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage verfügte, dass erst im Oktober mit dem Bau begonnen werden dürfe. Im Nachhinein habe er dafür Verständnis, sagt Jürgens. Die Gräben seien mittlerweile geschlossen und auch alle Kritiker würden zur Eröffnung eingeladen.

Kontroversen um die neue Brücke gab es schon früh. Nachdem klar war, dass die alte Holzbrücke aus den 1980er Jahren marode war und die Lanker sich für einen Ersatz stark machten, schaltete sich der Bund der Steuerzahler ein. Dieser führte als Kritikpunkt an, ein Ersatz der maroden Brücke sei überhaupt nicht notwendig. Die andere Seite der Senke sei auf kurzem Wege zu erreichen.

Für Jürgens ist das kein stichhaltiges Argument. Wie Landschaftskunst biete die Brücke eine Möglichkeit, den See und seine Umgebung auf andere Art zu erleben und dies sei ein wichtiger Mehrwert. Mit der Bereitschaft des Spenders, den Bau zu finanzieren, erübrigte sich dann die Diskussion um Steuergelder.