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Meerbusch: Meerbusch bleibt bei Hindenburg

Meerbusch : Meerbusch bleibt bei Hindenburg

Anders als in Münster gibt es in Meerbusch keine Bestrebungen, Hindenburg wegen dessen umstrittener Rolle in der Weimarer Republik aus dem öffentlichen Straßenbild zu tilgen. Bei Hugo Recken sieht das anders aus.

In Münster ist für Hindenburg kein Platz: Am Sonntag bestätigte ein Bürgerbegehren den Beschluss des Münsteraner Stadtrates, der den Hindenburgplatz im März in Schlossplatz umbenannt hatte. Grund für die Umbenennung war die umstrittene historische Rolle von General Hindenburg im Ersten Weltkrieg, als er tausende Soldaten in den sicheren Tod schickte, und sein Handeln als Reichspräsident der Weimarer Republik.

"In Meerbusch gibt es derzeit keine Bestrebungen oder Anträge, den Namen Hindenburgstraße zu ändern", erklärte Stadtsprecher Michael Gorgs gestern auf Anfrage. Zweimal wurde der Name Hindenburgstraße auf Meerbuscher Stadtgebiet bereits getilgt. Allerdings nicht aus historischen, sondern aus praktischen Gründen: Im Zuge der Neugründung der Stadt Meerbusch sollten doppelte Straßennamen vermieden werden. So trägt die einstige Hindenburgstraße in Osterath heute den Namen eines späteren deutschen Staatsoberhauptes: Theodor Heuss. Nur die älteste Hindenburgstraße, die in Büderich durch den Meererbusch führt, durfte ihren Namen behalten.

Göring-freie Zone

"Direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden noch 1945 zahlreiche Straßennamen geändert", erklärt Robert Rameil vom Meerbuscher Geschichtsverein. Zahlreiche Änderungen, die während des "Dritten Reiches" geschahen, wurden rückgängig gemacht: So bekam beispielsweise die Adolf-Hitler-Straße in Büderich ihren alten Namen Dorfstraße zurück. Und auch die Necklenbroicher Straße, die die Nationalsozialisten zumindest auf einem Teilstück zur Hermann-Göring-Straße gemacht hatten, wurde wieder zur komplett Göring-freien Zone.

Auch Ende der 60er Jahre gab es in Osterath augenscheinlich Probleme mit der Benennung einer Straße nach einem antisemitisch eingestellten Komponisten. Statt der ursprünglich im Musikerviertel vorgesehenen Wagnerstraße ist dort nun die Mendelssohnstraße zu finden.

In naher Zukunft könnte in Meerbusch erneut eine Straße aus historischen Gründen umbenannt werden: Die UWG beantragte, die Rolle des Osterather Bürgermeisters Hugo Recken benannte Straße umzubenennen. Es gebe Hinweise, dass Recken während seiner Zeit als Bürgermeister im "Dritten Reich" um "Abschiebung von Juden" gebeten habe. Der Ältestenrat entschied, Stadtarchivar Michael Regenbrecht den Vorgang prüfen zu lassen. Gorgs: "Der Stadtarchivar hat mittlerweile alle Quellen ausgewertet und wird in wenigen Wochen die Ergebnisse vorstellen."

(RP)