Meerbusch: Anwohner klagen gegen Neubau-Projekt am Eisenbrand in Büderich

Stadtplanung : Anwohner klagen gegen Neubau-Projekt

Beim Düsseldorfer Verwaltungsgericht wurden drei Klagen eingereicht gegen geplante Neubauten am Eisenbrand. Eine Nachbarin bemängelt, zahlreiche Schwalben und Fledermäuse seien nicht ausreichend geschützt worden.

„Hier entsteht Ihr Wohn(t)raum“, heißt es auf dem Werbebanner an der Baustelle Am Eisenbrand 36 in Büderich. Doch die Arbeiten für die fünf Mehrfamilienhäuser mit 36 Wohnungen wurden erst einmal eingestellt. Der Grund: Gegen das Bauprojekt haben Nachbarn Klage beim Düsseldorfer Verwaltungsgericht eingereicht. „Es wird von Klägerseite geltend gemacht, das Vorhaben befinde sich im Außenbereich (§ 35 BauGB) und sei dort unzulässig. Ferner sei es als rücksichtlos zu qualifizieren“, teilte eine Sprecherin des Gerichts auf Anfrage mit. Von den drei Klagen seien zwei Eilverfahren. Für diese beiden sei in den nächsten Wochen mit den Beschlüssen zu rechnen.

Beim Investor Areal GmbH ist Geschäftsführer Andreas Pougin zuversichtlich, dass die Arbeiten nach dem Gerichtsbeschluss wieder aufgenommen werden können: „Ich gehe davon aus, dass die Baugenehmigung rechtmäßig erteilt wurde. Jetzt warten wir ab, wie das Gericht entscheidet.“

Aysin Feza ist eine der Nachbarn, die geklagt hat. Sie hatte sich im vorigen Jahr mit einem Schreiben an die Bürgermeisterin und die Untere Naturschutzbehörde im Rhein-Kreis-Neuss gewandt. Auf dem Baugrundstück war der ehemalige landwirtschaftliche Betrieb der Vorbesitzer abgerissen worden. Feza schildert in ihren Schreiben, dass mehr als 50 Schwalbennester im Reitstall gewesen wären, in den Scheunen und alten Bäumen hätten das ganze Jahr über Fledermäuse ihr Quartier gehabt. „Beim Abriss entstand totales Chaos, die Schwalben flogen panisch umher durch den Garten und haben sogar versucht, unter die Kellertreppen zu fliehen. Ich bin der Meinung, dass viel zu wenig getan wurde, um die Tiere, insbesondere die Schwalben, zu schützen.“

Schwalbennester stehen unter Naturschutz und dürfen nicht entfernt werden. Bei einem Abbruch muss der Bauherr deshalb eine Artenschutzprüfung erarbeiten und Ausgleichsmaßnahmen schaffen. Dies sei geschehen und wurde mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt, erklärte der zuständige Mitarbeiter in seiner Antwort. Von der Bürgermeisterin erhielt Feza ein kurzes Schreiben, das mit den Worten schließt: „Ihre Bedenken werden im Verfahren berücksichtigt.“ Weil sie dies nicht erkennen konnte, reichte Feza im Dezember die Klage ein.

Auf Nachfrage unserer Redaktion beim Rhein-Kreis-Neuss erklärte ein Sprecher, der vom Investor beauftragte Gutachter habe lediglich acht Schwalbennester festgestellt, die durch den Abbruch zerstört wurden, nicht 50, wie von der Anwohnerin angegeben. Eine eigene Überprüfung des Arteninventars durch die Untere Naturschutzbehörde habe nicht stattgefunden. „Die Verwirklichung der Ausgleichsmaßnahmen ließ sich anhand von eingereichten Fotos mit Verortung auf einem Lageplan vornehmen. Eine Überprüfung vor Ort war daher nicht erforderlich“, so der Sprecher.

Zwei andere Kläger fechten den Bau an, weil er nach ihrer Auffassung im Außenbereich des Orts liegt, der nicht bebaut werden darf. Der ehemalige Besitzer hatte in der Vergangenheit selbst einige Bauanträge gestellt, die damals abgelehnt worden waren, so Feza.

Michael Assenmacher, Technischer Dezernent der Stadt, beruft sich darauf, dass 2015 die Gesetzesgrundlage in dieser Hinsicht geändert worden sei. Für die Auffassung der Stadt, dass das Baugebiet der Innenlage zuzurechnen ist und somit der Bau genehmigt werden kann, gab es auch die Bestätigung der Bauaufsicht im Rhein-Kreis-Neuss. „Wir hätten keine Baugenehmigung erteilt, wenn wir nicht sicher wären, dass dies rechtens ist“, erklärt Assenmacher.

Die Anwohner befürchten, dass die neuen Mehrfamilienhäuser, die sie als große Klötze empfinden, erst der Anfang sein könnten. Auf der anderen Straßenseite befindet sich Weideland, das noch immer im Besitz der Eigentümer des ehemaligen Reiterhofs ist. Die Vorstellung, dass auch dieses Land verkauft wird und dann dort gebaut wird, würde für sie das Ende ihrer grünen Idylle bedeuten. „Viele Meerbuscher kommen extra hierher zum Spazieren“, sagt Feza.  

Derzeit ruhen die Arbeiten auf der Baustelle am Eisenbrand. Foto: Sonja Schmitz
lageplan Am Eisenbrand. Foto: Areal

Auf Anfrage versicherte Assenmacher, dass derzeit Wohnraum entlang der Schiene entwickelt werde. „Ackerland in Bauland umzuwandeln, ist nicht geplant.“ Was in 20 bis 30 Jahren geschehe unter den jeweiligen politischen Konstellationen, könne er natürlich nicht sagen. „Die Stadt ändert sich. Auf einer Karte von 1950 hat es die Siedlung auch noch nicht gegeben.“