Pferde-Ausflug weiterhin Stadtgespräch Ausreißer-Herde wieder zurück im Stall

Acht Pferde büxten am Montag aus einer Pferdepension aus und galoppierten durch Meerbusch. Gestern war die Erleichterung groß.

 Ausreißer Narrav verbrachte den Tag nach seinem Ausflug in der Box. Seine Besitzerin freut sich, dass sie ihr Pferd gesund wieder hat.

Ausreißer Narrav verbrachte den Tag nach seinem Ausflug in der Box. Seine Besitzerin freut sich, dass sie ihr Pferd gesund wieder hat.

Foto: FR/Privat

Ausruhen im Stall und extra Streicheleinheiten von Besitzerin Anna. Das war für Wallach Narrav an Tag eins nach seinem Ausflug durch Meerbusch angesagt. „Narrav und den anderen sieben Wallachen geht es gut. Keines der Tiere hat sich verletzt“, sagt der Besitzer der Pferdepension, aus der die Tiere am Montagnachmittag ausgebüxt waren. „Aber natürlich müssen sich die Tiere von dem ganzen Stress erholen und werden nun genau von uns beobachtet. Wir hatten wirklich Glück im Unglück – das hätte sehr schlimm enden können.“

 Hier in Nierst begann die Ausreißer-Tour der Pferde

Hier in Nierst begann die Ausreißer-Tour der Pferde

Foto: RP/Anna Steinhaus

Was war passiert? Am Montag um kurz vor 15 Uhr meldeten sich die ersten besorgten Anrufer bei der Polizei, später wurden es immer mehr: „Acht Pferde rennen wild durch Meerbusch“, hieß es da. Über die Moerser Straße Richtung Mauritius-Kirche, auch an der Poststraße, am Deutschen Eck und an der Düsseldorfer Straße wurden sie gesichtet.

 Am Rhein ging’s entlang; wohl auch an der Ilvericher Altrheinschlinge.

Am Rhein ging’s entlang; wohl auch an der Ilvericher Altrheinschlinge.

Foto: RP/Anna Steinhaus

Dort, an der großen Kreuzung, bogen dann einige der Tiere Richtung Areal Böhler ab. „Das sah alles sehr gefährlich aus“, beschreibt eine Augenzeugin die Szenen. „Ich dachte, ich sehe nicht richtig, als mir die Tiere in vollem Galopp entgegen kamen.“ Bäckereifachverkäuferin Monika Motes von der Konditorei Puppe erzählt: „Erst kamen drei Pferde angelaufen, dann noch zwei. Autos hielten teilweise am Rand.“

Auch für die Polizei war der Einsatz ungewöhnlich. „Einzelne Pferde oder Kühe entlaufen immer mal wieder. Aber gleich acht Tiere – das ist eher selten“, sagt Polizeisprecherin Daniela Dässel. Dennoch hätten die Kollegen die Lage schnell im Griff gehabt. „Das erste Pferd wurde bereits um 15.19 Uhr an der Moerser Straße wieder eingefangen, das letzte wurde um 17.41 Uhr an seinen Besitzer übergeben.“ Per Funk waren die Polizisten dabei jeweils von Ort zu Ort geschickt worden. „Die Kollegen waren mit mehreren Streifenwagen im Einsatz und sind immer wieder zu den Orten gefahren, an denen ein Pferd gesichtet wurde“, erzählt Dässel. „Kreuz und quer.“

 Blick aus der Bäckerei Puppe: Hier galoppierten die Pferde vorbei.

Blick aus der Bäckerei Puppe: Hier galoppierten die Pferde vorbei.

Foto: RP/Anna Steinhaus

Auch die Feuerwehr, die normaler­weise für sämtliche Tiereinsätze zuständig ist, wurde benachrichtigt und rückte mit acht Feuerwehrleuten aus. „Unsere Hilfe war da aber schon nicht mehr nötig, so dass wir nach 15 Minuten wieder einrücken konnten“, sagt Frank Mohr von der Feuerwehr Meerbusch.

 Am Areal Böhler wurden die letzten Tiere eingefangen.

Am Areal Böhler wurden die letzten Tiere eingefangen.

Foto: RP/Anna Steinhaus

Die komplette Stallgemeinschaft der Pferdepension hatte sich ebenfalls an der Pferde-Einfang-Aktion beteiligt und war mit Fahrzeugen und Hängern in der Stadt unterwegs. Aber auch Unbeteiligte halfen bei der „Jagd“. Etwa Kerstin Frei, die am Tag danach auf den Hof kam, um ihre Pferdedecke und ihre Longe einzusammeln.

 Userin Evii Freij fotografierte die Pferde an einer Tankstelle in Lörick.

Userin Evii Freij fotografierte die Pferde an einer Tankstelle in Lörick.

Foto: Evi Freij/Evii Freij/Facebook

Die hatte sie einem flüchtigen Pferd „geliehen“, als sie es in der Nähe des Areal Böhler eingefangen hatte. „Das Tier ist bis nach Düsseldorf gelaufen“, erzählt die Kutschenfahrerin. Auch sie ist froh, dass keines der Pferde verletzt wurde. Erleichtert sind die Helfer am Tag nach dem Einsatz, aber auch immer noch geschockt. „Wir haben abends noch lange zusammengesessen und gesprochen“, erzählt der Pferde-Pensionsbesitzer, der den Betrieb seit 1991 führt „und so etwas noch nie erlebt hat“.

14 Wallache waren in dem Paddock untergebracht. „Die Anlage ist sicher gebaut, wir haben sogar Spezialtore“, sagt er. Wie die Reitpferde diesen eingezäunten Bereich verlassen konnten, kann er sich nur so erklären: „Das Gatter muss offen gewesen sein.“ Sechs Tiere konnten die Betreiber noch auf dem Hof einfangen, aber eine Herde mit acht Tieren machte sich alleine auf den Weg. „Wir sahen sie plötzlich rund hundert Meter entfernt auf dem Damm. Aber als wir dort ankamen, liefen sie schon davon.“ Der Pferdefachmann erklärt: „Wenn eine Herde erst einmal läuft, stoppt sie so bald nicht.“ Dass daraus allerdings eine mehr als zehn Kilometer lange Tour über Straßen und ein Tankstellengelände wurde, überrascht selbst ihn.

In Meerbusch war der Pferde-Ausflug auch am Dienstag noch ein Riesenthema; auf der Straße, in den Geschäften und in den sozialen Medien. „Da war mächtig PS auf der Straße unterwegs“, kommentierte eine Userin bei Facebook. Und ein anderer erinnerte an das letzte tierische Großereignis: „Aber diesmal war es nicht die Schlange– eben immer was los bei uns.“

Ein Video sehen Sie auf www.rp-online.de/meerbusch

(RP)
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