Stadtplanung 70 Millionen Euro für Neubaugebiet

Osterath · Für Grunderwerb, Planung und Bebauung des 35 Hektar großen Gebiets entlang der K-Bahn tritt NRW Urban in Vorleistung für die Stadt. Ab 2025 sollen dort sukzessive 700 Wohneinheiten entstehen.

 Das geplante Wohngebiet grenzt an die Trasse der U76, die nach Düsseldorf und Krefeld führt.

Das geplante Wohngebiet grenzt an die Trasse der U76, die nach Düsseldorf und Krefeld führt.

Foto: Sonja Schmitz

Die Pläne für das Neubaugebiet gibt es schon seit vielen Jahren. Nun können sie in Angriff genommen werden. Am Mittwoch war NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach nach Meerbusch gekommen, um die gemeinsame Baulandentwicklung des Areals am Kamper Weg zu besiegeln. Das Projekt für bis zu 700 Wohneinheiten entlang der Linie U76 kann also starten.

Das Neubaugebiet auf einer Fläche von 35 Hektar wird den Stadtteil stark verändern. „Das Projekt hat eine Größendimension, die für die Stadt Meerbusch personell nicht zu bewältigen ist“, erklärte Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage, die zur Unterzeichnung des Vertrags mit der Ministerin alle Fraktionsvorsitzenden eingeladen hatte. Um sich die nötige Verstärkung zu holen, hatte sich die Stadt an NRW.Urban gewandt. Die Gesellschaft des Landes hilft Kommunen bei der Umsetzung großer Bauprojekte vom Grunderwerb über die Planung und Erschließung. Im Gegenzug verpflichtet sich die Stadt, 30 Prozent als öffentlich geförderten Wohnraum anzubieten. Ein Engagement, das Ministerin Scharrenbach ausdrücklich lobte: „Das ist ein besonderes Ausrufezeichen, herzlichen Dank!“

Bei den Projekten von NRW.Urban sei das Meerbuscher derzeit das größte, erklärte Geschäftsführer Ludger Kloidt. Anders als bei manchen anderen Bauprojekten habe die Stadt Meerbusch nun die Möglichkeiten, ihre eigenen Vorstellungen umzusetzen: „Sie können alles, was entsteht, komplett selbst steuern“, betonte Kloidt. Die Gesamtinvestitionen in Höhe von 70 Millionen Euro werden vom Land über die NRW-Bank vorfinanziert. Die Arbeit der Gesellschaft werde über die Verkaufserlöse finanziert.

Ein Teil der Grundstücke ist bereits in städtischem Besitz, ein anderer Teil muss noch erworben werden.

Ein Teil der Grundstücke ist bereits in städtischem Besitz, ein anderer Teil muss noch erworben werden.

Foto: GRAFIK: MAPCREATOR, OSM, PODTSCHASKE

Die Arbeiten für ein Wettbewerbsverfahren hätten bereits begonnen, erklärte Michael Assenmacher, Technischer Beigeordneter der Stadt. Er rechnet damit, dass die Bürger sich im ersten Quartal 2021 bei der Planung beteiligen können. Anders als in der Vergangenheit wird bei der Entwicklung des Wohngebiets die nötige Infrastruktur nun mitgeplant. Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage kündigte an, dass es auf dem Areal eine neue Kita geben werde. Die Grundschule an Wienenweg, die die Räumlichkeiten einer ehemaligen Hauptschule nutzt, habe noch Kapazitäten für Anbauten. Sie würden beispielsweise für den Offenen Ganztag benötigt.

Mit dem Bau der benötigten Wohnungen und Häuser wird eine große Ackerfläche verschwinden. Das nährt die Sorge einiger Bürger und Politiker, dass der Slogan „Meerbusch, die Stadt im Grünen“ mit dem die Stadt für sich wirbt, nach und nach seine Berechtigung verliert. Ministerin Scharrenbach erklärte, eine bedeutende Rolle für das Land bei der Unterstützung des Projekts spiele die Lage des Wohngebiets an der Bahn. „In den kommenden zehn bis 15 Jahren bekommen wir eine Mobilitätswende.“ Mit der U76 am Kamper Weg kommen die Bewohner schnell nach Düsseldorf und Krefeld, am Bahnhof Osterath zu weiteren Zielen. Sollte der Umstieg auf die Bahn nicht gelingen, befürchtet die Bürgermeisterin  ein Verkehrschaos. Bislang seien die Ticketpreise häufig zu teuer, als dass Autofahrer auf die Bahn umsteigen würden. Die Stadt sei jedoch in Gesprächen mit den Verkehrsbetrieben, um beispielsweise ungünstige Wabeneinteilungen zu ändern.

Mit dem Wohngebiet, so Scharrenbach, werde der Raum ausgenutzt. „Wir verdichten jetzt und entwickeln zielgerecht weiter. Lückenschluss ist Zukunftsbau.“ Wie nachhaltig eine Stadt sei, darüber würden die Bürger entscheiden. Jeder könne in seinem Verantwortungsbereich, etwa im naturbelassenen Garten, dazu einen Beitrag leisten.