Meerbusch: 120 Jahre elektrische Kleinbahn

Heutige U76: 120 Jahre elektrische Kleinbahn

Am 15. Dezember 1898 wurde die elektrische Kleinbahn – die heutige U76 – für den Verkehr freigegeben.

Am 15. Dezember 1898 – vor genau 120 Jahren – wurde die Kleinbahn von Düsseldorf über Büderich und Osterath nach Krefeld, die heutige Linie U76, für den allgemeinen Verkehr freigegeben. Sie war die erste vollelektrifizierte Kleinbahn ihrer Art in Europa. Vorausgegangen waren mehrere Jahrzehnte komplizierter Planungen und Verhandlungen.

Die Verbindung der links- und rechtsrheinischen Wirtschaftsräume, insbesondere der Städte Krefeld und Düsseldorf, war schon in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts ein großes Thema der Handelskammern. Eine Schlüsselrolle nahm dabei eine feste Brückenverbindung im Bereich der Stadt Düsseldorf ein, denn der Rhein stellte ein großes Verkehrshindernis dar.

Fahrt im Speisewagen im Juni 1933. Der Speisewagen wurde im Jahr 1924 gebaut. . Foto: Rheinbahn

Am 30. Oktober 1839 konnte zumindest eine Schiffsbrücke eröffnet werden, deren Benutzung jedoch nicht bei allen Wasserständen möglich war.

Im Speisewagen der Linie K, Aufnahmedatum ca. 1938. Foto: Rheinbahn

Die Erfindung der Eisenbahn eröffnete bisher ungeahnte Möglichkeiten, Personen und Waren zu transportieren. So wurden in den 1850-er Jahren die Eisenbahnplanungen auch im Großraum Düsseldorf-Neuss-Krefeld stark vorangetrieben. Zur Diskussion standen eine linksrheinische Bahnverbindung von Köln über Neuss und Osterath nach Krefeld sowie eine direkte Verbindung von Krefeld über Osterath nach Düsseldorf und weiter in den Raum Barmen.

Das Forsthaus Meer. Foto: RP/Stadtarchiv Meerbusch

Die Köln-Krefelder Strecke wurde zügig gebaut und konnte 1855 eröffnet werden. Osterath wurde zu einem wichtigen Bahnhof mit einem Einzugsbereich von Lank bis Schiefbahn. Von Beginn an war auch eine Abzweigung in Osterath Richtung Düsseldorf vorgesehen. Der Bau dieser Verbindung wurde aber immer wieder herausgeschoben, da deren Bau ohne feste Eisenbahnbrücke bei Oberkassel nicht wirklich Gewinn erwarten ließ.

Andererseits machte aber auch die Errichtung der für Düsseldorf so wichtigen Brücke bei Oberkassel nur Sinn, wenn gleichzeitig auch die Bahnstrecke gebaut würde. Die Planungen verzögerten sich immer wieder.

Im Herbst 1893 wurden sie konkreter. Nun planten die Kreise Krefeld und Neuss ein von der Reichsbahn unabhängiges Kleinbahnnetz in Anschluss an die Uerdinger Lokalbahn. Geplant war die Strecke Oberkassel – Büderich - Kloster Meer – Strümp –  Lank –  Latum –  Uerdingen. Bei Kloster Meer sollte eine Strecke von Osterath nach Willich führen. In Osterath war darüber hinaus eine Abzweigung über Fischeln nach Krefeld geplant. Realisiert wurde schließlich in einem ersten Schritt die Strecke der heutigen U76 von Düsseldorf über Osterath nach Krefeld. Am 12. November 1898 wurde die elektrische Kleinbahn mit einem großen Fest eröffnet und gleichzeitig die neue Rheinbrücke in Düsseldorf eingeweiht.

Am 15. Dezember 1898 wurde die Bahn dann für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Die Kleinbahn verstand sich als Eisenbahnlinie und besaß drei Bahnhöfe auf Meerbuscher Gebiet (Landsknecht, Haus Meer und Hoterheide). Transportiert wurden nicht nur Personen, sondern lange Zeit auch Fracht. Erst später diente die Kleinbahn nur noch dem Personenverkehr und ist heute Bestandteil des Düsseldorfer beziehungsweise des Krefelder Stadtbahnnetzes.

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