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Meerbusch: Medaille für mutige Mädchen

Meerbusch : Medaille für mutige Mädchen

Anna Aretz, Celina Kruysen und Helena Driesel bekamen am Freitag die Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen. Vor einem Jahre holten die Schülerinnen eine Seniorin aus einem brennenden Haus.

"Sie haben sich selbst in Gefahr begeben, um anderen in großer Not zu helfen. Mit Ihrem Verhalten sind Sie Vorbilder für uns alle. Und Sie haben eine weit verbreitete Ansicht widerlegt — die Ansicht, dass sich heute jeder nur für sich selbst interessiere und für die Not des Anderen völlig unempfänglich sei. Dafür danken wir Ihnen herzlich", sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger gestern in einer Feierstunde im Casino der Zeche Zollverein in Essen.

Anna Aretz (17), Celina Kruysen (16) und Helena Driesel (17) aus Meerbusch gehören zu den 39 mutigen Menschen, die mit der massiv silbernen Rettungsmedaille des Landes für ihren Einsatz vor fast genau einem Jahr in Lank-Latum geehrt wurden. Mitten in der Nacht waren die drei Schülerinnen damals sehr zum Unwillen der Eltern im Ort unterwegs, als sie auf dem Heimweg an der Straße In der Wasserstadt einen Brandmelder hörten.

Am 20. November 2010 eilen sie zu dem Haus und bemerken jetzt auch Brandgeruch. Eines der Mädchen benachrichtigt sofort über Handy die Feuerwehr. Die Mädchen klingeln Sturm an der Haustür. Als niemand öffnet, laufen sie in den Garten, klopfen heftig gegen die Scheiben des Hauses und rufen laut.

Schließlich öffnet eine alte Frau die Tür. Sie ist verschlafen und völlig verwirrt. Die Mädchen sagen ihr, dass es brennt und sie das Haus sofort verlassen muss. Immer wieder will die Seniorin zurück ins verqualmte Haus, weil ihr Ehemann noch drinnen schläft.

Helena Driesel hält die alte Dame zurück, während Anna Aretz und Celina Kruysen nun selbst versuchen, ins Innere vorzudringen. Gegen den dichten Rauch im Flur und das Feuer im Wohnzimmer haben sie jedoch keine Chance. Auch ein zweiter Versuch ins Haus zu gelangen scheitert.

Die Mädchen holen einen Nachbarn zur Hilfe, der vergeblich versucht, den Brand mit einem Feuerlöscher einzudämmen. Ein paar Minuten später trifft die Feuerwehr ein und löscht die Flammen. Der 78 Jahre alte Ehemann, der im Wohnzimmer schlief, kann nur noch tot geborgen werden. Durch ihr mutiges Eingreifen retteten die drei Mädchen das Leben der 74-jährigen Frau. Sie selbst standen unter Schock, blieben aber ansonsten unverletzt.

Annas Mutter Hildegard Aretz hatte die Zivilcourage der Mädchen und die Umsicht der Helfer von Feuerwehr und Rettungskräften sofort gelobt. Am Freitag gab's die offizielle Anerkennung, die Jäger stellvertretend für Ministerpräsidentin Hannelore Kraft aussprach — spätestens jetzt dürfen sich die Drei als junge Heldinnen fühlen.

(RP)