Meerbusch: Matre kreuzt in Wismar auf

Meerbusch : Matre kreuzt in Wismar auf

Die Langst-Kiersterin Ulrike Mayer-Trede (Matre) zeigt ihre Fahne mit dem Titel "Aufkreuzen" in der St.- Georgenkirche der traditionsreichen Hansestadt. Sie stellt mit 29 Kolleginnen aus ganz Deutschland bis Sonntag, 2. Oktober, aus.

Ulrike Mayer-Trede steht in Wismar und staunt: "Was für ein Gebäude, das ist unglaublich", sagt sie. Das ist 20 Jahre her. Doch der Eindruck, den dieses Bauwerk der Backsteingotik auf die Meerbuscher Künstlerin mit Namen Matre hinterlassen hat, ist über die Zeit nie verblasst.

Unesco-Weltkulturerbe: die Altstadt in Wismar. Foto: Norbert Stirken

Jetzt ist sie erneut in der traditionsreichen Hansestadt, steht inmitten der renovierten St.-Georgenkirche und wartet darauf, dass Helfer mit der Hebebühne kommen, um ihre fünfmal zwei Meter große, halbtransparente Fahne in 18 Metern Höhe zu befestigen.

Künstler stellen auch in der St.- Nikolaikirche aus. Foto: Norbert Stirken

Die in Langst-Kierst lebende und in Uerdingen arbeitende Autodidaktion ist eine von nur 30 Bildenden Künstlerinnen bundesweit, die von einer hochkarätigen Jury ausgewählt wurden, um gleich zwei Jubiläen im Einklang mit der Kunst zu feiern — 20 Jahre Aufbauarbeit an der Kirche St. Georg und 85 Jahre Gedok (Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstförderer).

Matre stellt in der St.-Georgenkirche in Wismar aus. Foto: Norbert Stirken

Die Zeitnot der Helfer erweist sich für Matre und ihre Fahne zum Glücksfall. "Eigentlich sollte die bedruckte Polyesterbahn mit zwei Schnüren im Gewölbe aufgehängt werden, in der Eile wurde sie aber nur an einem Punkt befestigt", berichtet die Künstlerin. Das hat zur Folge, dass sich ihr Kunstwerk im Kirchenschiff bewegt, dreht und schwingt, auf Luftströme reagiert und damit Lebendigkeit beweist.

Es ist im Gegenlicht kaum zu sehen, lässt Sonnenstrahlen durch seine Stofflichkeit schimmern und gewährt auch motivlich Anknüpfungspunkte an die religiöse Umgebung. "Flamme und Flügel sind die Bilder, die den Betrachter zu seinen Interpretationen verleiten", sagt Matre. "Aufkreuzen" heißt ihre Arbeit. "Auf.Wind" heißt die Bundesausstellung in der Hafenstadt, in der parallel in der St. Nikolaikirche eine Landesausstellung zum selben Anlass zu sehen ist.

Matre ist mit ihrem Bestreben, in Wismar dabei zu sein, ein großes Risiko eingegangen. Was passe in diese Kirche, was gehöre dort hin seien Fragen, die sie beschäftigt hätten.

Doch manchmal fügen sich die Dinge, wie man sie nicht planen kann. Matre wählte als Motiv eine ihrer Monotypien im Format 27 Mal 13 Zentimeter aus. Neben der Ungewissheit, ob das Bild auch in ungefähr 20-facher Vergrößerung wirkt, gab es zahlreiche technische Probleme zu lösen. "Ausgerechnet mein Vermieter ist im Besitz eines Scanners mit immenser Auflösung", berichtet die Künstlerin von dem glücklichen Zufall.

In Süddeutschland fand sie eine Firma, die ein Verfahren nutzen, um synthetische Fasern farbecht und witterungsbeständig zu bedrucken. "Die komplette Mitarbeiterschaft stand daneben, um das Ergebnis zu begutachten", erinnert sich Matre an aufregende und anstrengende Wochen.

Die Fahne habe die gleiche Energie wie die Monotypie als Vorlage, aber eine ganz andere Wucht, erklärt die gebürtige Ulmerin. "Groß ist einfach toll", kommentiert sie ihre Eindrücke von der Hängung und von der Vernissage.

Am Sonntag, 2. Oktober, endet die Ausstellung. "Ich glaube, dass meine Arbeit auch danach einen guten Platz findet.

(RP)