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Maßnahmen gegen Starkregen in Meerbusch Strümp

Stadtplanung : Beete vermeiden Starkregenschäden

Das Konzept Schwammstadt soll auch Meerbusch künftig vor extremen Wetterereignissen schützen. In Strümp sollen spezielle Beete gebaut werden, die Regenwasser aufnehmen und die Kanäle entlasten.

90.000 Euro sollen im Strümper Musikantenviertel investiert werden, um die Entwicklung hin zur Schwammstadt voranzutreiben und damit langfristig den Starkregenschutz zu erhöhen. Die Schwammstadt ist ein Konzept der Stadtplanung, bei der Niederschläge lokal aufgenommen und gespeichert werden, anstatt sie einem zentralen Kanalnetz zuzufüren. Der wichtigste Aspekt hierbei ist, den auch in Meerbusch aktuell sehr hohen Anteil an versiegelten Flächen im Stadtgebiet zu verringern.

Der Starkregen, der im vergangenen Sommer in vielen Städten für massive Schäden gesorgt hat, ist an Meerbusch vergleichsweise harmlos vorbeigegangen. Dennoch bleibt die Befürchtung, dass es solche Ereignisse in Zukunft häufiger geben wird. Und weder in Meerbusch noch in anderen Städten ist das Kanalnetz dazu in der Lage, extreme Regenmengen aufzunehmen. Bei vollen Kanälen kann das Wasser nicht abfließen, gelangt in die Gewässer und überspült die Straßen, was Schäden an Fahrzeugen und Gebäuden mit sich bringt und für Menschen eine Gefahr bedeutet.

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Eine Gegenmaßnahme ist die sogenannte Schwammstadt. Das Konzept basiert auf dezentralen Möglichkeiten, Wasser versickern zu lassen und so das Kanalnetz zu entlasten. Dazu gehören begrünte Dächer, Fassaden und Straßen, örtliche Rückhalteeinrichtungen und entsiegelte Flächen, die Wasser aufnehmen können.

Umgesetzt werden soll es in Meerbusch zunächst im Stadtteil Strümp, im sogenannten Musikerviertel, etwa an der Mendelssohnstraße, der Haydnstraße, Regerstraße, Chopinstraße und Brucknerstraße. In diesem Bereich verfügt die Stadt über die aktuellsten Informationen aus dem Generalentwässerungsplan und somit über das beste Wissen über den Zustand der Kanäle. Aber auch viele andere Standorte in Meerbusch können entsprechend umgestaltet werden, wenn sich das Konzept auch hier als vorteilhaft erweist. Um mehrere Stationen gleichzeitig anzugehen fehlt nach Angaben der Verwaltung aber sowohl Zeit wie auch Geld.

Zudem sind in den besagten Straßenzügen in Strümp die Straßenräume sehr breit und stark versiegelt. Das erhöht die Gefahr, dass Starkregen wegen der schlechten Versickerung Schäden anrichten – hier können aber die nötigen Einrichtungen auch gut installiert werden, ohne die Durchfahrt für Autos zu eng zu machen.

Besonders wichtig und im Stadtbild gut sichtbar sind im Konzept der Schwammstadt die sogenannten Tiefbeet-Muldenrigolen. Diese bestehen aus einem Beet, das mit Erde gefüllt und bepflanzt wird. Dieses Beet kann Wasser aufnehmen; kommt es bei starkem Regen an seine Kapazitätsgrenze, wird ein unter der Mulde liegender sogenannter Rigolenkörper befüllt. Erst wenn auch dieser überläuft, wird das Wasser über einen Notüberlauf der Kanalisation zugeführt. So wird deren Kapazität geschont und die Belastung verringert. Eine vollständige Abkopplung der mit den Rigolen ausgerüsteten Straßen vom öffentlichen Kanalnetz ist daher noch nicht vorgesehen.

Faktoren bei der Errichtung von Tiefbeet-Muldenrigolen sind unter anderem das vorhandene Gefälle, vorhandene Versorgungsträger wie Kabel und Leitungen im Boden sowie die Zufahrten zu den Grundstücken.

Neben dem Schutz vor Starkregen sollen die Tiefbeet-Muldenrigolen auch über ihre Versickerung das Grundwasser anreichern und über die Pflanzen und deren Verdunstung das Mikroklima verbessern. Sie verengen die Straßen und können so den Verkehr beruhigen, zugleich werten sie die Nachbarschaft optisch auf.

Neun solcher Anlagen plant die Stadt nun in Strümp zu bauen. Die Kosten von etwa 90.000 Euro werden vermutlich vollständig durch das Programm „Steigerung der Klimaresilienz auf kommunaler und regionaler Ebene“ des Umweltministeriums NRW übernommen. Die Vorfinanzierung wurde im Haushalt 2022 eingestellt und beschlossen, mit einer Umsetzung rechnet die Stadt im Frühjahr 2023. Danach soll analysiert werden, ob in Folge weitere vergleichbare Anlagen in Meerbusch geplant werden sollen.