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Meerbusch: Massiver Protest gegen Hafenausbau

Meerbusch : Massiver Protest gegen Hafenausbau

Krefelder Pläne für ein Gewerbegebiet zwischen Meerbusch und Krefeld sowie eine Straße durchs Naturschutzgebiet stoßen auf Widerstand im Stadt-Norden. Vier Bürgervereine und Initiativen wollen am Dienstag demonstrieren.

Im Meerbuscher Norden brodelt es: "Gegen diese Pläne müssen wir auf die Barrikaden gehen!", sagt Wilhelm Webers, Vorsitzender des Bürgervereins Nierst. Er bekommt einhellige Zustimmung von mehr als hundert Bürgern, die sich im Saal des Lanker Haus Baumeister drängen.

Grund des Ärgers: das von der IHK angeregte interkommunale Gewerbegebiet zwischen Lank-Latum, Niest und Kreld-Stratum und der dafür nötige Bau einer Erschließungsstraße durch das Naturschutzgebiet "Die Bursbach". Kurz bevor am Dienstag Krefelds Planungsdezernent Martin Linne im Meerbuscher Planungsausschuss für das Projekt wirbt (17 Uhr, Bürgerhaus Lank), wollen Bürger aus dem Stadt-Norden vor dem Bürgerhaus dagegen demonstrieren.

Schon das Treffen ist ein Novum: Die Bürgerinitiative Meerbusch-Nord, die neue "Bürgerinitiative für Lank-Latum" und die Bürgervereine Nierst und Bösinghoven haben gemeinsam eingeladen. "Unsere kleinen Oasen im Grünen werden durch Industrieansiedlungen bedroht", warnt Dietmar Becüwe von der neuen Bürgerinitiative für Lank-Latum.

Die Bürger wollen den Erklärungen der Krefelder nicht glauben, dass eine Umgehungsstraße durchs Naturschutzgebiet den Ortsteil Lank von (verbotswidrigem) Lkw-Verkehr entlasten könne. Sie rechnen statt dessen mit einer rapiden Zunahme des Schwerlastverkehrs durch Lkw des geplanten Logistik-Zentrums, die "wegen der ständigen Staus auf der A57" die Strecke quer durch Lank als bequeme Umfahrung nutzen würden.

Die Bürgerinitiativen bezweifeln auch, dass die Umgehungsstraße tatsächlich über die Raststätte Geismühle an die A57 angebunden werden könnte. Bislang habe das Land eine neue Auffahrt zwischen Krefeld-Oppum und Kreuz Meerbusch immer abgelehnt. Das angedachte Gewerbegebiet von 185 Hektar (das entspricht 250 Fußballfeldern) würde zu etwa fünf Sechsteln auf Meerbuscher Stadtgebiet liegen.

Es ließe sich auch durch eine neue Querspange auf Krefelder Seite (mehrere hundert Meter nördlich der Stadtgrenze) direkt an die Auffahrt Oppum anbinden. Doch auch das sehen die Initiativen kritisch, schließlich würde diese Straße quer durch das Krefelder Naturschutzgebiet Latumer Bruch laufen. Statt dessen fordern die Meerbuscher, den Krefelder Hafen nach Norden zur B288 hin anzubinden.

Problem der Krefelder: Schon in wenigen Jahren werden in dem Gebiet rund um den Hafen Flächen fehlen. Hafensprecher Andreas Hamm: "Es gibt mehrere Unternehmen, die sich hafennah in Krefeld ansiedeln möchten.

Falls sich die Ansiedlungsanfragen alle umsetzen lassen, werden im Hafengebiet keine großen Ansiedlungen von Logistikern mehr möglich sein, da in der Regel Flächengrößen von zehn Hektar und mehr angefragt werden. Wir werden in absehbarer Zeit in Krefeld grundsätzlich an die Kapazitätsgrenze kommen." Die zukünftige Entwicklung neuer Gewerbeflächen südlich des Hafens auf Meerbuscher Stadtgebiet sei daher "definitiv eine Option", sagt Hamm.

(RP/rl/jco)