Brauchtum in Meerbusch : Hier reitet Sankt Martin durchs Dorf

In diesem Jahr sind Laternenumzüge wieder erlaubt. Wir haben gefragt, wie sich die Martinsvereine in den Stadtteilen auf das Fest vorbereiten.

Bereits im September hat es von der Stadt Meerbusch grünes Licht gegeben: Die Martinszüge in den Stadtteilen dürfen nach einjähriger Pause wieder ziehen. Kinder, Eltern, Kita- und Schulpersonal freuten sich natürlich, dass die Kleinen endlich wieder singend durch die Stadt gehen können. Und in den Kitas und Schulen wurden schon vor den Herbstferien eifrig Laternen gebastelt.

Doch bei den verschiedenen Martins-Komitees stößt die offizielle Freigabe auf unterschiedliche Resonanz: „Wir in Strümp haben uns frühzeitig gegen einen Zug in dieser Pandemiezeit ausgesprochen“, sagt etwa Michael Grimm vom Komitee. Gerade jetzt, wo die Inzidenzzahlen wieder steigen, könnten und wollten die Organisatoren die Verantwortung für die Kinder nicht übernehmen. „Die Jungen und Mädchen in Kitas und Grundschulen sind ungeschützt und nicht geimpft“, erklärt Grimm. Außerdem nähmen am Zug und anschließend am Feuer auch sehr gerne Großeltern teil, die auch geschützt werden müssten. „Die Sicherheit der Kleinen steht für uns an erster Stelle“, sagt der Geschäftsführer. Außerdem könne bei rund 1000 Kindern und zahlreichen Besuchern eine 3G-Regel nicht eingehalten werden. In den Schulen werde es kleinere Feiern geben „und wir vom Komitee sorgen natürlich für Weckmänner und die Prämierung der Laternen“.

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In Langst-Kierst wird es einen Zug geben. Nur teilt Claudia Hilgers vom St. Martins-Komitee den Tag und die Uhrzeit nicht mit. „Wir wollen keinen Martinstourismus heraufbeschwören und Zuschauer in unsere kleine Gemeinde locken“, sagt Hilgers. Die Leute im Dorf wüssten Bescheid, hätten während der Sammelaktion Flyer mit Datum und Uhrzeit erhalten. Auch werde es Tüten geben, Blaskapellen ziehen mit, und am Feuer wird natürlich Sankt Martin auf die Kinder warten. Kinder und alle Senioren ab 75 werden mit einem Weckmann beglückt.

„Wir ziehen am Dienstag, 16. November, und freuen uns darauf“, kündigt Ernst Horn aus Nierst an. Zwar hätten Lehrer und Erzieher die geschlossene Teilnahme abgesagt, aber Horn ist sich sicher, dass die Nierster Kinder sich in geregeltem Abstand einfinden werden und den Blaskapellen und Sankt Martin durch das Dorf folgen werden. In der Rheingemeinde werde alles draußen stattfinden: der Zug, das Feuer und sogar die Tütenausgabe auf dem Dorfplatz an rund 220 Kinder. In Nierst entscheidet man sich alle drei Jahre für einen anderen Zugweg. Aufstellung ist aber auch in diesem Jahr auf dem Dorfplatz um 17.30 Uhr. Und Dank der fleißigen Sammler ist auch die Ausgabe von Weckmännern an die Senioren gesichert.

Lange blieb es in der Schwebe, wie das Büdericher Martinsfest in diesem Jahr verlaufen würde. Könnte es wieder den traditionellen Zug durchs Dorf geben, das Feuer, die Mantelteilung? „Mit bangem Herzen musste ich die Entscheidung der Stadt abwarten“, sagt Inge von Lettow, die Vorsitzende des Martins-Komitees. Ein Aufatmen gab es erst, als im Oktober die neuen Corona-Schutzmaßnahmen Veranstaltungen unter freiem Himmel erlaubten. „Nach reiflicher Überlegung und vielen Gesprächen haben wir uns entschlossen, Sankt Martin 2021 wieder nach altem Brauch zu feiern“, berichtet Inge von Lettow. „Dafür wurde ein Konzept mit Vorsicht und Augenmaß entwickelt.“ Das musste sehr schnell greifen, die Zeit drängte. Im Vorfeld waren zahlreiche Formalitäten nötig, um alle Auflagen zu erfüllen und das Fest in Windeseile zu organisieren. Gut, dass die rührige Vorsitzende über eine lange Erfahrung verfügt und darin geübt ist, die richtigen Strippen zu ziehen. Sonst wäre das nicht mehr zu stemmen gewesen.

Allerdings ging es der Sicherheit zuliebe nicht ohne einige Änderungen der üblichen Regularien ab. Und so sieht der diesjährige Plan aus: Am Donnerstag, 11. November, reitet Sankt Martin am Vormittag in die Höfe aller vier Büdericher Grundschulen ein. Nach der Mantelteilung erhält jedes Kind seinen Weckmann, die Schulen denken sich wohl auch ein kleines Rahmenprogramm dazu aus. Um 17.30 Uhr startet an der Büdericher Allee der Martinszug. Er nimmt, damit es in engen Straßen kein Gedränge gibt, einen verkürzten Weg, der auf der Schwimmbadwiese endet. Dort brennt das Martinsfeuer, und die Mantelteilung wird wie immer vollzogen. Sonst reihten sich die Grundschulklassen gemeinsam in den Zug ein. In diesem Jahr steht es den Eltern frei, wie sie das mit ihren Kindern halten wollen. Am Ende der Zeremonie werden die Martinstüten für die Kleinen ab zwei Jahre bis zum Schuleintritt verteilt. Die Berechtigungsmarken können mit entsprechendem Altersnachweis an den beiden Donnerstagen, 28. Oktober und 4. November, jeweils von 14 bis 18 Uhr im Verwaltungsgebäude am Dr.-Franz-Schütz-Platz abgeholt werden.

Und natürlich werden auch die Büdericher Senioren wieder bedacht. Bei ihnen klingeln am Freitag, 12. November, ehrenamtliche Helfer und Helferinnen und überreichen an der Tür ihr kleines Präsent. Beim Haus Miteinander wird ebenfalls ein Korb mit Weckmännern abgegeben. Bereits am 8. November zieht Sankt Martin hoch zu Ross zum Johanniterstift, begleitet vom Tambourcorps.

 In Lank wird der Martinszug ebenfalls am 11. November, und zwar ab Kemperallee ziehen und mit dem Martinsfeuer und der Bettlerszene beendet werden. Einen Tag früher, am 10. November, geht der Zug durch Ossum-Bösinghoven. Hier stellen sich die rund 200 Kinder mit ihren Laternen um 17.15 Uhr am Kindergarten Josef-Werres-Straße auf. Auch die Tütenausgabe wird im Freien sein. Bei der Tütenbestückung zeigen sich die Organisatoren um Andreas Rüdiger zeitgemäß und packen neben Süßigkeiten auch eine Maske für Kinder bis 14 Jahren und Senioren ein.

Durch Osterath wird der Martinszug in diesem Jahr am Dienstag, 16. November, ziehen.