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Marien-Apotheke in Meerbusch Osterath besteht seit 100 Jahren

In dritter Generation : Marien-Apotheke feiert 100. Geburtstag

Andrea Fink betreibt die Apotheke in Osterath in dritter Generation, gegründet wurde sie nach dem zweiten Weltkrieg von ihrem Großvater Paul Karl Fink. Gestern wurde das Jubiläum groß gefeiert.

„Als der Hustensaft eine Million Mark kostete“; mit dieser Überschrift begleitete die Rheinische Post vor 25 Jahren das Jubiläum zum 75. Bestehen der Marien-Apotheke in Osterath. Nun feiert Apothekerin Andrea Fink mit ihrem Team das 100-Jährige.

Vor mehr als 100 Jahren gab es in Osterath zwar Hebammen und Tierärzte sowie einen Arzt, der die Patienten vor Ort behandeln konnte. Für verschriebene Medikamente mussten die Kranken jedoch weite Tagesreisen mit dem Pferdefuhrwerk nach Krefeld oder Willich auf sich nehmen. Ein für den damaligen Bürgermeister Rudolf Bartels unerträglicher Zustand. Er machte sich beim Regierungspräsidenten in Düsseldorf dafür stark, die Erlaubnis zur Errichtung einer Apotheke in Osterath zu erhalten. Dieser zeigte sich einsichtig. Um die Konzession bewarb sich auch Paul Karl Fink, der Großvater der heutigen Besitzerin Andrea Fink, im Jahr 1921.

Paul Karl Fink diente als Oberapotheker der Reserve im 1. Weltkrieg. Er erlebte hautnah, wie wichtig die medizinische Versorgung, vor allem auch die mit Medikamenten, ist. Am 5. Juli 1922 begrüßte Paul Karl Fink in der neu gebauten Apotheke an der heutigen Hochstraße die ersten Kunden. Dabei gab es 1922 nur rund 30 Fertigarzneimittel. Der Rest an Hustensäften, Zäpfchen, gedrehten Pillen und Opiumtinkturen musste vom Apotheker selbst hergestellt werden. Die Inflation beflügelte die Preise in den Anfängen des 19. Jahrhunderts, sodass Hustensaft eine Million Mark kostete.

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Paul Karl Fink starb am 23. November 1939. Seine Frau Maria Fink, eine für die damalige Zeit außergewöhnlich selbstständige und selbstbewusste Frau, nahm ihr Witwenrecht in Anspruch, und verpachtete die Marien-Apotheke. Die Apotheke war von 1939 bis 1954 fremd verpachtet. 1954 übernahm Sohn Paul Richard Fink in der zweiten Generation die Apotheke im Ortskern an der St. Nikolaus-Kirche.
Paul Richard wurde 1926 im Apothekerhaus geboren und hatte schon früh Kontakt und Interesse an der Welt der Medikamente und Heilmittel. 1956 heiratete er die Apothekerin Ursula Kuhse. Sie eröffnete 1961 eine zweite Apotheke, die Hirsch-Apotheke. Das Apothekengesetz untersagte damals den Besitz mehrerer Apotheken unter einem Apotheker.

 Nach dem Tod ihres Mannes nahm Maria Fink das Recht in Anspruch, die Apotheke zu verpachten, bis ihr Sohn diese übernehmen konnte.
Nach dem Tod ihres Mannes nahm Maria Fink das Recht in Anspruch, die Apotheke zu verpachten, bis ihr Sohn diese übernehmen konnte. Foto: RP/Andrea Fink

Paul und Ursulas Tochter Andrea folgte den Eltern und Großeltern als Pharmazeutin und übernahm am 1. Januar 1997 die traditionsreiche Marien-Apotheke. Nach der Reform des Apothekengesetzes, als das Mehrbesitzverbot gelockert wurde, konnte 2009 die Hirsch-Apotheke zur Filiale der Marien-Apotheke werden.

Andrea Fink leitet heute beide Apotheke und kann auf die Unterstützung von langjährigen Mitarbeitern setzen. „Auch nach so vielen Jahren finde ich es toll, Apothekerin zu sein. Weil wir nicht einfach Verkäufer von Produkten sind, sondern den Menschen zuhören müssen, um beraten und wirklich helfen zu können. Und oft geht es nicht nur um Medikamente, sondern auch um Hinweise zu Ernährung, Bewegung und aktiver Lebenshilfe“, sagt Fink, die das Jubiläum gestern gemeinsam mit Gästen aus dem Ort feierte.

Die Apothekerin blickt zuversichtlich in die Zukunft mit E-Rezepten und fortschreitender Digitalisierung. Für Andrea Fink und ihr Team ist es genau wie ihren Vorfahren in den vergangenen 100 Jahre wichtig, nah am Menschen, nah an den Osterather Patienten zu sein. Mit Aktionsangeboten im ganzen Monat Juli will Andrea Fink mit den Kunden feiern.