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Meerbusch: Mahnmal am Schütz-Platz

Meerbusch : Mahnmal am Schütz-Platz

BÜDERICH Bereits 2008 hat die Politik beschlossen, das ehemalige HJ-Heim (heute Verwaltungsgebäude am Dr.-Franz-Schütz-Platz) zum Mahnmal zu machen. Doch seitdem passierte in der Sache nichts. Der Kulturausschuss wird sich heute erneut mit dem Thema beschäftigen (ab 17 Uhr, Dr.-Franz-Schütz-Platz). Die Verwaltung berichtet über den "Entwicklungsstand einer Mahn- und Gedenkstätte". Die Situation wird dadurch kompliziert, dass unter dem Putz der Eingangshallenwand eines der größten erhaltenen NS-Fresken des Landes liegt: eine zehn Quadratmeter große Karte von Büderich aus Sicht der Nationalsozialisten – voller kraftstrotzender blonder Burschen, mitsamt Hakenkreuzfahne und stramm stehenden Hitlerjungen in Uniform. Auf die Wand gemalt wurde das Fresko im Jahr 1939.

Im Kulturausschuss startete die ehrenamtliche Denkmalbeauftragte Dr. Rosemarie Vogelsang im Oktober einen überraschenden Vorstoß: Die resolute Expertin für Lokalgeschichte hielt ein von eigenen Erlebnissen geprägtes, flammendes Plädoyer für die Erinnerung an die vom Nazi-Regime verheizten und durch Kriegseinwirkung getöteten Kinder und Jugendlichen. Sie schlug die Einrichtung eines Mahnmals für junge Opfer des Krieges vor – mit dem freigelegten Fresko als zentralem Objekt. Es wäre die erste Gedenkstätte dieser Art in Deutschland.

NS-Fresko freilegen?

Wie auch immer das Mahnmal gestaltet werden soll – zuvor muss eine Vielzahl Fragen geklärt werden. Zum einen auf didaktischer Seite: Welches Wissen soll weitergegeben werden – und wie bereitet man dieses für alle Altersgruppen passend auf? Reichen ein paar Schautafeln? Und soll das Fresko ganz oder teilweise freigelegt werden? Auch baulich steht die Stadt vor Problemen. Das Haus, das von der Verwaltung genutzt wird, braucht einen behindertengerechten Zugang, der Umbauten nötig macht. Diese dürfen aber den bestehenden Denkmalschutz nicht beeinträchtigen.

(RP)