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Lotsenteam des Vereins "Meerbusch hilft" unterstützt Bedürftige

Ehrenamt in Meerbusch : Begleiter im Behördenalltag

Das Lotsenteam des Vereins „Meerbusch hilft“ unterstützt Bedürftige bei verschiedenen Ämterangelegenheiten und anderen Problemen ehrenamtlich. Meist nutzen Geflüchtete das Angebot, das auch deren Integration fördern soll.

Menschen, die neu in Deutschland ankommen, haben die größten Probleme nicht nur mit der fremden Sprache, sondern oft auch mit Ämterangelegenheiten. „Behörden und Antragsformulare sind für sie nur schwer zu durchschauen“, so Heike Dohms Erfahrung. Die Osteratherin engagiert sich seit 2015 ehrenamtlich mit dem Schwerpunkt Integrationsarbeit im Verein „Meerbusch hilft“. Sie ist davon überzeugt: „Wenn Geflüchtete sich gut integrieren, profitieren wir alle davon.“

Viel Integrationsarbeit wurde in den vergangenen Jahren beispielsweise in der Nähgruppe, im Frauencafé oder beim Begegnungsabend von „Meerbusch hilft“ geleistet. Heike Dohm: „Da saß man locker beisammen, und im Gespräch ergaben sich Fragen, die dann ganz nebenbei beantwortet wurden. Etwa: Wie funktioniert in Deutschland die Mülltrennung? Wo bekomme ich bestimmte Formulare?“ Als Folge der Pandemie seien solche ungezwungenen Begegnungen in größerer Runde jedoch weggefallen. Auch Treffen in den Geflüchtetenunterkünften seien derzeit kaum zu realisieren. „Wir haben daher nach einer alternativen Möglichkeit gesucht, um wieder in Kontakt mit den Menschen zu kommen“, sagt Heike Dohm. So entstand im Team die Idee der Lotsensprechstunde.

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Dort können sich Bedürftige immer mittwochs zwischen 16 und 18 Uhr ohne Termin beraten lassen. „Wir wollen den Menschen damit ein sehr niederschwelliges Angebot machen, das sie ohne großen Aufwand und spontan wahrnehmen können“, sagt Heike Dohm. Nichtsdestotrotz: Wer vorher einen Termin vereinbaren möchte, könne das gerne tun. Dohm: „Das erleichtert uns natürlich die Planung.“

Das Lotsenteam wird von Heike Dohm geleitet, besteht derzeit aus zwölf Personen mit verschiedensten beruflichen Hintergründen und bietet etwa Hilfestellung bei Problemen mit Post vom Sozial-, Jugend- oder Ausländeramt, dem Job-Center, der Krankenkasse, bei schulischen Problemen oder Fragen und unterstützt bei der Nutzung des Computers oder beim Erstellen von Bewerbungen. „Unsere Arbeit erfordert Wissen, das wir uns nach und nach angeeignet haben“, beschreibt die Ehrenamtlerin die Arbeit. Auch Fremdsprachenkenntnisse seien von Vorteil. „Aber fast noch wichtiger sind Eigenverantwortung, Organisationstalent und eine gewisse Kreativität in Sachen Problemlösung – und natürlich Freude am Umgang mit Menschen.“ Einen Leitfaden für Lotsen gebe es nicht, dafür seien die Themen einfach zu vielschichtig. Dohm: „Wir haben beispielsweise Kontakt zu verschiedenen Behörden und Verbänden, müssen uns aber auch auf unsere Kunden jedes Mal wieder neu einstellen: Was sind deren Bedürfnisse? Wie können wir bestimmte Themen vermitteln? Wer ist der richtige Ansprechpartner für das vorgetragene Problem?“ Über die konkreten Fragestellungen in der Sprechstunde soll sich dann im Idealfall eine langfristige Beziehung ergeben. Heike Dohm: „Wir möchten den Kontakt zu unseren Kunden dauerhaft halten und so deren Integration fördern.“

Am 19. Januar war die erste Sprechstunde des Lotsenteams in der Geschäftsstelle von „Meerbusch hilft“ (Am Plöneshof 2 in Osterath). „Bei der Premiere waren wir zu dritt, normalerweise sind es zwei Lotsen, die die Sprechstunde betreuen“, berichtet Heike Dohms. Beim ersten Treffen gehe es meist nur darum, die Gesamtsituation und das Problem zu erfassen. „Kleinere Sachen, wie eine Rechnung, die die Kunden nicht verstehen, können wir auch sofort erledigen.“ Aber im Normalfall werde das Problem aufgenommen und danach im Lotsenteam vorgetragen, wo überlegt wird, wer sich darum kümmert.

Dohms Fazit nach einem Monat: „Wir waren gut ausgelastet.“ Auch ältere Menschen hätten die Sprechstunde besucht und um Hilfestellung gebeten, berichtet die Ehrenamtlerin, die betont, dass sich das Lotsenteam für alle Bedürftigen zuständig fühlt. Aber hauptsächlich hätten Geflüchtete das neue Angebot wahrgenommen. Darunter eine Familie und eine Einzelperson, die ganz neu in Meerbusch angekommen sind. Entsprechend komplex seien die Fragestellungen bislang gewesen. Besondere „Kopfschmerzen“ bereitet dem Team immer wieder das Thema Wohnungssuche. „Wo soll in Meerbusch beispielsweise eine größere Familie mit acht Personen hin?“, fragt Heike Dohm. Der Verein suche zwar immer wieder nach privaten Anbietern, die im Stadtgebiet günstig Wohnraum zur Verfügung stellen können. „Aber das Angebot ist knapp.“

Besonders wichtig ist dem Lotsenteam das gute Verhältnis zu den offiziellen Stellen und den anderen ehrenamtlichen Hilfsorganisationen in Meerbusch, sagt dessen Leiterin: „Wir sind sehr dankbar für die stets respektvolle und gute Zusammenarbeit mit der Stadt Meerbusch, der Flüchtlingshilfe Büderich, der Diakonie und der Caritas.“