Meerbusch "Liegt Schilda jetzt in Meerbusch?"

Meerbusch · Die CDU ist gegen eine Umbenennung der Hindenburgstraße. Ebenso überflüssig und zu teuer sei eine im kommenden Jahr geplante Info-Veranstaltung, zu der Bürger eingeladen werden.

 Politiker werden von Bürgern gefragt, ob sie nicht Besseres zu tun haben, als über die Hindenburgstraße zu reden.

Politiker werden von Bürgern gefragt, ob sie nicht Besseres zu tun haben, als über die Hindenburgstraße zu reden.

Foto: Boris Schmidt

So kurz vor den Feiertagen möchte die CDU noch ein ganz heißes Eisen aus dem Feuer nehmen. Unter dem Titel "Liegt Schilda jetzt mitten in Meerbusch?" landete gestern Nachmittag eine Pressemitteilung in der Redaktion. Thema: Die vieldiskutierte Umbenennung der Hindenburgstraße im Stadtteil Büderich.

Zwar hatte der Hauptausschuss nach hitziger Diskussion Mitte November beschlossen, dass auf einer Bürgerversammlung im kommenden Jahr noch mal ausgiebig über die Vor- und Nachteile einer Umbenennung diskutiert wird. Dabei sollen Experten gehört werden, die erklären, welche Rolle der letzte Reichspräsident der Weimarer Republik beim Entstehen des NS-Regimes gespielt hat. Doch so richtig anfreunden kann sich die CDU nicht mit der Bürgerversammlung.

"Absolut überflüssig", sagt Petra Schoppe, stellvertretende Vorsitzende der Partei. Zumal dazu 3000 Euro aus der Stadtkasse eingeplant werden müssten. Viele Bürger seien in den vergangenen Wochen auf Politiker der CDU zugekommen und haben gefragt, "ob die Politik eigentlich nichts Wichtigeres" zu tun habe. Zwar sei Hindenburg als Figur umstritten, aber es wäre aus Sicht der CDU ein falscher Umgang mit der Historie, die Straße umzubenennen, so Schoppe: "Wir sollten Geschichte nicht vergessen machen, sondern aufbereiten. Mit einem Zusatzschild, das Hindenburg aus historischer Sicht darstellt, wäre das ,Problem' vom Tisch." Das sei auch deutlich billiger als die 3000 Euro für eine Bürgerversammlung. Ganz abgesehen davon, dass bei einer Umbenennung auf die Anwohner viel Schriftkram und auch Kosten zukämen. Anwohner haben schon ausgerechnet, dass veränderte Einträge ins Grundbuch viel Geld kosten würden.

Die Entscheidung für eine Bürgerversammlung fiel gegen die Stimmen der CDU, den Antrag hatten FDP und SPD gestellt. Ein Anwohner hatte ein Zusatzschild mit folgender Inschrift unterhalb des Straßennamens ins Gespräch gebracht: "Schlacht bei Tannenberg 1914, Reichspräsident 1925, folgenschwere Ernennung Hitlers zum Reichskanzler 1933". Damit wären für die Stadt lediglich Kosten von etwa 100 Euro entstanden. Bürgermeister Dieter Spindler hält das Schild für einen durchaus "tragbaren Kompromiss", weil es zur Auseinandersetzung mit Geschichte anrege.

"Das Schild ist halbherzig", sagte Jürgen Peters (Grüne) vor vier Wochen im Ausschuss. Hindenburg sei Teil eines "Verbrechersystems" gewesen. Auslöser der Debatte war ein Bürgerantrag von Christian Thieme. Er hat sich mit Hindenburg beschäftigt und kommt zu dem Schluss: Hindenburg habe Hitler gefördert, und auch nach der Machtergreifung den Terror der Nazis gegen Juden und Minderheiten gebilligt.

(RP)
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