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Meerbusch: Letzte Chance für Haus Meer

Meerbusch : Letzte Chance für Haus Meer

Am Freitag stellte die Stadt die Baupläne für ein geplantes Luxushotel auf dem Gelände von Haus Meer öffentlich vor. Sie sieht sie als gute Grundlage für weitere Planungen. Allerdings ist der Entwurf in der Politik höchst umstritten.

Roland Agne, Eigentümer des Geländes von Haus Meer, hat der Stadt Meerbusch ein Ultimatum gestellt. Entweder fällt nun bald eine politische Entscheidung zu den vorgelegten Bauplänen — oder er wird künftig keine weiteren öffentlichen Führungen mehr auf dem historischen Gelände zulassen und auch den Denkmalschützern keinen Zutritt mehr gewähren. Das Schreiben erhielt Planungsdezernent Just Gérard via E-Mail. "Er ist sehr sehr ungeduldig", sagt Gérard. Seit rund 30 Jahren träumt das Gelände einen Dornröschenschlaf, immer wieder gab es Überlegungen — passiert ist nichts.

Die Ruine der Remise. Foto: UD

Die jüngste Planung sieht den Bau eines Luxushotels mit knapp 80 Zimmern, Wellness-Bereich und Tiefgarage vor. Investor wäre die Regent-Hotelgruppe. Der Park von Haus Meer soll öffentlich zugänglich sein, eine Gastronomie für Ausflügler zur Verfügung stehen.

Gestern zeigte Gérard erstmals öffentlich ein Modell der Planung, die insgesamt knapp 20 000 Quadratmeter Nutzfläche vorsieht. Das Modell wurde vor wenigen Tagen bereits den Mitgliedern eines nicht-öffentlich tagenden Arbeitskreises präsentiert. Dem Vernehmen nach die einhellige Meinung der Politiker: "viel zu groß".

"Eine echte Zukunftschance"

Gérard räumt ein, dass der Architektenentwurf scharfe Kritik der Denkmalschutzbehörde ausgelöst hat. "Dennoch sieht die Verwaltungsspitze den Entwurf als gute Grundlage für weitere Überlegungen an", sagt der Planungsdezernent. "Ich bin mir sicher, dass die Mehrheit der Meerbuscher Bevölkerung das genau so sieht. Der Vorschlag ist eine echte Zukunftschance — auch wenn es eine gewisse Aufregung geben wird."

Eine Zukunftschance, der vor allem der Denkmalschutz im Weg steht. Haus Meer ist ein Gesamtdenkmal, der von Joseph-Clemens Weyhe ersonnene Landschaftspark nach englischem Vorbild ist Gartendenkmal. Nach Ansicht der Denkmalschützer verstößt der Entwurf gegen zahlreiche Denkmalauflagen. So sei der Hotelkomplex zu groß angelegt. Der bogenförmig angelegte Flügel überschreitet bei weitem den Grundriss des ehemaligen Schlosses. "Die Denkmalschützer wären bereit, einer 50-prozentigen Verbreiterung des geraden Flügels zuzustimmen", so Gérard. "Allerdings legt der Investor Wert auf die knapp 80 Zimmer; sonst sei der Betrieb nicht rentabel."

Zudem verdeckt der Neubau aus Sicht der Denkmalschützer eine wesentliche Sichtachse des Parks, der durch den Neubau ohnehin rund 15 Prozent Fläche verlieren würde. Ein weiteres Problem betrifft die geplante Tiefgarage — sie ist im Herzen der Bodendenkmalverdachtsfläche geplant.

Ebenfalls in der Diskussion: Für die Zufahrt müsste eine 5,50 Meter breite Schneise in die 400 Meter lange, unter Denkmalschutz stehende Immunitätsmauer des ehemaligen Klosters gebrochen werden.

Kommentar Seite C 2

Die Vorgeschichte ist nachzulesen auf www.rp-online.de/meerbusch

(RP/rl)