Bürger-Info Anwohner streiten um Ausbau Lettweg

Die provisorische Fahrbahn in Büderich soll zum ersten Mal richtig hergestellt werden. Die Anwohner müssen sich zu 90 Prozent an den Kosten von 470.000 Euro beteiligen. Einige finden die Pläne der Verwaltung zu aufwendig.

 Der Lettweg in Meerbusch Archivfoto: HANS-JÜRGEN BAUER

Der Lettweg in Meerbusch Archivfoto: HANS-JÜRGEN BAUER

Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Als „Info-Abend“ war die Veranstaltung betitelt, in der es um „Ausbaupläne für den Lettweg“ ging. „Das ist keine politische Veranstaltung, es geht heute ausschließlich um die Bürgerschaft“, so Technischer Beigeordneter Michael Assenmacher. Das Podium war mit Vize-Bürgermeister Leo Jürgens und den Mitarbeitern des Fachbereichs Straßen und Kanäle, Christof Baldus, Angelika Baumbach, Daniel Hartenstein, Jürgen Müller und Matthias Unzeitig, besetzt.

Rund 45 Anwohner des Lettwegs in Büderich bildeten das Publikum. Sie waren gekommen, um sich über das Für und Wider der Pläne und das Vorgehen der Stadt mit Blick auf eine Verbesserung der mit Schlaglöchern übersäten „Straße“ Luft zu machen. Einigkeit bestand darin, dass der rund 300 Meter lange Straßenabschnitt in einem miserablen Zustand ist. Denn seit dem Bau von mehreren Einfamilienhäusern und einem Mehrfamilienhaus vor rund 40 Jahren existiert nur eine Art Provisorium.

Eine „Herstellung“ der Straße ist bisher nicht erfolgt, die Löcher in der Oberfläche des ausgebauten Feldwegs wurden immer wieder ausgebessert. Beschwerden von den Bewohnern gab es reichlich, und so entschloss sich die Stadt zu einer „erstmaligen Herstellung“. Die soll professionell geschehen, erfordert nach dem geplanten Baubeginn im Oktober/November eine rund dreimonatige Bauzeit und verursacht Kosten von etwa 470.000 Euro. Daran müssen sich nach dem BauGB (Baugesetzbuch) die Bürger mit 90 Prozent der Kosten an der erstmaligen Herstellung einer Straße beteiligen.

Genau das ist der Streitpunkt. Im Fall Lettweg wird bei der Berechnung – zusammengesetzt aus Grundstücksfläche und Zuschlag für die bauliche Ausnutzung – zwischen ein-, zwei- und mehrgeschossig differenziert. „Die Kosten für den Quadratmeter belaufen sich hier zwischen 29 und 40 Euro“, sagte Christof Baldus. Daniel Hartenstein stellte die Planung detailliert vor: „Wir schaffen einen verkehrsberuhigten Bereich mit kleinsten Grünflächen und 15 Stellplätzen. Sie sind öffentlich, widerrechtliches Parken in dieser Anliegerstraße wird geahndet.“

Allerdings gehen die Meinungen der Anwohner über einen Nutzen der künftigen – und wie sie finden teuren sowie aufwendig gestalteten – Lösung weit auseinander: „Die Kosten schmerzen viele von uns sehr.“ Höchst emotional wurden zwei Stunden lang Vor- und Nachteile diskutiert. Einigkeit herrscht lediglich darüber, dass die Straße in einen besseren Zustand versetzt und die Nutzung der bisherigen Parkflächen von Anwohnern der Kantstraße verhindert werden muss. Obwohl Matthias Unzeitig – „um Druck aus dem Kessel zu nehmen“ – beteuerte, dass der selbst angelegte Durchgang zur Kantstraße mit einem Stahlgitterzaun geschlossen wird, blieben die Lettweg-Anwohner skeptisch. „Das nützt gar nichts“, sagten Barbara und Karl-Heinz Stracke.

Wie sie hatten offenbar auch die meisten anderen Anwohner nichts von einer geplanten Herstellung der Straße gewusst. „Irgendjemand hat ohne unser Wissen den Anstoß gegeben“, vermuten Klaus Hoffmann und andere. Wie jeder einzelne Anwohner zum Thema Lettweg-Ausbau steht, wurde bisher nicht festgehalten. Susan Rassau-Abi will daher nun für eine Liste sorgen, aus der klar hervorgehe, dass die Mehrheit gegen die Herstellung der Straße ist. Für die Podiums-Mitglieder schien diese Mehrheit nicht sicher. „Wir werden die Meinung der Anlieger im Bauausschuss am 4. Juni vertreten. Vorab kann seitens der Bürger ein Antrag gestellt werden, um auf die Tagesordnung und damit zu Wort zu kommen“, informierten Michael Assenmacher und Leo Jürgens.

 Auf dem Lettweg in Meerbusch reiht sich Schlagloch an Schlagloch. Nun soll die Straße ausgebaut werden.

Auf dem Lettweg in Meerbusch reiht sich Schlagloch an Schlagloch. Nun soll die Straße ausgebaut werden.

Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Die Bürger bezweifeln, dass ihre Wünsche erhört werden: „Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Die Vorwürfe gegen die Stadt enthalten Mutmaßungen, die vom Sparen bei der Straßendecken-Reparatur bis zum Ausbau zu einem „Rolls Royce des Straßenbaus“ als Aushängeschild reichen.

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