1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Meerbusch: Lesung: Eine neue Sicht auf Jean Paul

Meerbusch : Lesung: Eine neue Sicht auf Jean Paul

Jean Paul, der von 1763 bis 1825 lebte, war ein Meister der psychologischen Erzählkunst und ein grandioser Erforscher menschlicher Innenwelten. In ihrer neuen Biographie zeichnet Beatrix Langner ein neues Bild des Wortzauberers, der eines der gewaltigsten Prosawerke der deutschen Sprache geschaffen hat.

Am Montagabend um 19 Uhr, stellt die Autorin, Literaturkritikerin und promovierte Germanistin, die schon Biografien über Friedrich Hölderlin und Adalbert von Chamisso veröffentlichte, ihr Werk in einer gemeinsamen Lesung mit Schauspieler Peter Liebaug im KulturZentrum Mönter, Kirchplatz 1-5, in Osterath vor. Der Eintritt beträgt zehn Euro. Dem Zeitgenossen Schiller war er "fremd wie einer, der aus dem Mond gefallen ist", zugleich genoss Jean Paul zu Lebzeiten höchsten literarischen Ruhm und ist auch für modernere Autoren "einer von den Zwanzig, für die ich mich mit der ganzen Welt prügeln würde" (Arno Schmidt) und "vielleicht als einziger Großdichter vollkommen unvergleichlich und unerreichlich" (Eckard Henscheid). In jedem Fall ist Jean Paul einer der bemerkenswertesten Köpfe, den die deutsche Literatur aufzuweisen hat - ein Kauz und Außenseiter, der fast das gesamte Wissen um 1800 wahrnahm, variierte und wieder in seine schrägen Texte einfließen ließ. Seine eigenwilligen Werke — witzig, skurril, reflektierend, gesellschaftskritisch, geistreich, satirisch und empfindsam — nehmen in ihrer poetischen Freiheit zweifellos eine Sonderstellung in der Literaturgeschichte ein.

In diesem Jahr hätte Jean Paul, der als Johann Paul Friedrich Richter geboren wurde, seinen 250. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass zeichnet Beatrix Langner in ihrer Biografie ein neues Bild des bescheidenen und friedfertigen Mannes, der zunächst Theologie studieren musste, dann aber alles auf ein Leben als freier Schriftsteller setzte und mit seinem Roman Hesperus 1795 schließlich den größten literarischen Erfolg seit Goethes Werther erleben durfte. Mal tragisch, mal mit groteskem Humor zeigt Jean Pauls Werk das große Drama des Menschen zwischen Vernunft und Aberglaube, zwischen der Tag- und Nachtseite seines Bewusstseins. Zugleich macht Langners fundierte Biographie deutlich, wie sensibel und hellsichtig Jean Paul auf das geistige und politische Geschehen in Deutschland reagierte.

Die Publizistin und Literaturkritikerin gab ihrem Band den Untertitel "Meister der zweiten Welt". Damit ist Jean Pauls frühe Beschäftigung mit dem Unbewussten gemeint, das er "zum ersten Mal in poetischen Ziffern vermessen" habe. Langner nennt den Autor deshalb emphatisch einen "Kolumbus der zweiten Welt, dem keine wissenschaftliche Akademie ein Denkmal errichtet hat." Seit Günter de Bruyns großer Jean Paul-Biographie von 1975 hat niemand mehr so anschaulich das Leben des fränkischen Sprachkünstlers beschrieben, der es zum besonders bei der Damenwelt beliebten Bestsellerautor brachte.

(RP)