1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Meerbusch: Lebensgefühl Breakdance

Meerbusch : Lebensgefühl Breakdance

Maximilian Jammer (15) aus Lank-Latum holte bei den Deutschen Meisterschaften im Breakdance einen ersten Platz. Bei der EU-Meisterschaft in Dänemark wurde er dritter.

Der Junge sieht aus wie Teenager heute aussehen. Er ist schick angezogen, schwarzer Pullunder zu Jeans, den Pony lässig zur Seite gekämmt, am Hals baumelt ein silbernes Kreuz. Nach der Schule könnte man sich den schlaksigen Jungen als Azubi in einem Büro vorstellen oder als angehenden Computerfachmann.

Maximilian Jammer ist Breakdancer – beim Anblick des schmächtigen Jugendlichen erscheint das seltsam. Breakdance, da rattern Bilder von coolen Großstadtkids mit Baseballkappen am inneren Auge vorbei. Breakdance beschwört die Vorstellung von US- Häuserschluchten, Kids mit geschulterten Ghettoblastern und Straßenkampf herauf.

Breakdance hat sich für Max jahrelang in seinem Wohnort Lank-Latum abgespielt, in der Turnhalle an der Hauptstraße, weit weg vom Ghetto-Image. Und trotzdem hat er dieses spezielle Lebensgefühl in sich aufgesogen. Er hat hart trainiert, manchmal drei Stunden täglich, hat an seiner Körperbeherrschung gearbeitet, an Powermoves und Styles gefeilt. 2011 dann sollte sein Jahr werden, im Mai ist der 15-Jährige bei der Deutschen Meisterschaft im Breakdance auf dem ersten Platz gelandet. Im Juni folgte die EU-Meisterschaft in Dänemark, Max schaffte prompt den dritten Platz.

"Für mich ist Breakdance eine Lebenseinstellung, ich kann nicht mehr ohne", sagt er. Mit neun Jahren hat er in Lank angefangen, einfach mittrainiert. Als Max nach zwei Jahren merkte, dass er nicht weiter kam, er besser werden wollte, ist er nach Krefeld gewechselt. "Tanzen macht mir riesigen Spaß", meint Jammer. Die Musik einsaugen, die Beats fühlen, das könne man alles lernen.

Auch athletische Einlagen, Drehungen auf der Hand, Kopfstand mit Überschlag lassen sich trainieren. Damit das alles nicht zu einem Tanzbrei wird, sondern sauber kombiniert, mit offenem Blick der Jury präsentiert werden kann, dazu gehört eine große Portion Talent. "Tanzen hat mich selbstbewusst gemacht", sagt der Zehntklässler. "Mit Breakdance kann ich meine Gefühlte ausdrücken."

Wut, Empörung, Zorn – das Finale einer Breakdance-Meisterschaft gleicht einem Bandenkrieg. "Natürlich alles friedlich", meint Max, "wir kämpfen nicht, wir tanzen." Nur wer die Jury begeistern und die Zuschauer mitreißen kann, hat die Chance auf einen der vorderen Plätze. "Jetzt kommt erst mal die Schule dran. Ich will die Quali schaffen und vielleicht aufs Gymnasium." Und wenn der Kopf wieder frei ist, möchte Max beim "Battle of the year" dabei sein, bei der größten Breakdance-Veranstaltung Europas.

Dort treten verschiedene Länder gegeneinander an – aber auch für den "Kampf des Jahres" muss Max sich erst qualifizieren.

(RP)