Handwerk in Meerbusch: Langes Warten auf Handwerker-Termine

Handwerk in Meerbusch: Langes Warten auf Handwerker-Termine

Gute Auftragslage und Nachwuchsmangel – zwei Faktoren führen zu Wartezeiten von mehreren Monaten.

Wer beim Malerbetrieb Willi Becker aus Lank-Latum einen Termin haben will, muss einen Monat darauf warten. Die gute Konjunktur füllt den Handwerkern die Auftragsbücher, jeden Tag sind die Arbeiter des Betriebs auf mehreren Baustellen unterwegs.

Aber es liegt nicht nur an der guten Auftragslage, dass potentielle Kunden sich in Geduld üben müssen. „Es kommen einfach zu wenig Auszubildende zu uns“, sagt Thomas Nauen vom Malerbetrieb Becker. Immer mehr junge Menschen machen das Abitur und entscheiden sich dann für ein Studium, immer seltener fällt die Wahl auf einen Beruf im Handwerk.

In Meerbusch ist die Situation besonders deutlich: Mit 60 Prozent Abiturienten liegt die Quote deutlich über dem Durchschnitt von 50 Prozent. Das liege auch daran, sagt Nauen, dass in Meerbusch besonders viele Akademiker leben. Das mache es wahrscheinlicher, dass deren Kinder das Abitur machen, ebenfalls studieren – und so dem Handwerk als potenzieller Jobanwärter verloren gehen.

Auch Robert Selders wünscht sich für seinen Gartenbaubetrieb mehr junge Mitarbeiter. „Auf der Bank gibt es kaum Zinsen, da stecken mehr Leute ihr Geld ins Haus. Das ist zum einen gut für uns, allerdings kommen wir mit der Arbeit oft nicht nach“, sagt er. Gerade weil Lehrlinge so dringend gesucht werden, würden die finanziell weniger attraktiven Bereiche unterversorgt. Im Gartenbau sei dies vor allem die Baumschule.

Dirk Redowski, der einen Dachdeckerbetrieb hat, fehlen ebenfalls  Auszubildende. „Ich habe einen Azubi im zweiten Lehrjahr, aber seither nichts mehr gefunden“, sagt er. Auf einen Termin bei ihm muss man bis zu zwei Monate warten. Das Handwerk sei einfach ein unattraktiver Beruf geworden, vermutet Dirk Redowski. Er weiß: „Die Arbeit ist hart, man macht sich die Knochen kaputt.“ Wer nicht mit dem Handwerk aufgewachsen sei oder es persönlich erfahren habe, könne sich daher den Reiz nur schwer vorstellen. 

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Das könne man in den Schulen ändern, heißt es von einigen Betrieben. Dort müsse das Handwerk im Unterricht vermittelt werden, um es als Alternative zu den akademischen Fächern zu präsentieren – und zwar in allen Schulformen. Dass junge Leute in der Schule wenig mit dem Handwerk in Verbindung kommen, merkt Thomas Nauen vom Malerbetrieb Becker auch einigen Bewerbern an: „Von den wenigen Azubis die wir bekommen, taugen einige einfach nicht für das Handwerk. Obwohl wir neue Mitarbeiter suchen, müssen wir dann manchmal sagen: Tut mir Leid, aber das wird nichts.“

Das Problem mit dem mangelnden Nachwuchs gebe es bundesweit, aber in Meerbusch verstärkt, bestätigt auch Alexander Konrad von der Handwerkskammer Düsseldorf. Meerbusch liege im Einzugsgebiet großer Städte, sei aber selbst ländlich geprägt. Neben der hohen Abiturienten- und in Folge dessen auch Studentenquote bieten sich für Menschen auf der Suche nach einer Ausbildung zahlreiche Alternativen zum Handwerk, etwa in der Medien- oder Versicherungsbranche, die häufig als attraktiver erachtet würden.

Außerdem falle es einer kleinen Stadt wie Meerbusch schwer, potentielle Auszubildende aus anderen Orten anzulocken, die Konkurrenz aus Düsseldorf sei dann oft zu stark.  „Wer aus Velbert oder Kaarst kommt schon nach Meerbusch, wenn er auch in Düsseldorf arbeiten kann?“, fragt Konrad.

Die Situation in Meerbusch sei für das Handwerk also besonders ungünstig. Aber auch im Rest des Landes habe die Politik es lange versäumt, die Bedeutung des Handwerks für Wirtschaft und Gesellschaft zu erkennen und entsprechend zu handeln. „Aber eine Gesellschaft, die nur aus Akademikern besteht, funktioniert nicht“, sagt Konrad. Hier bestehe Handlungsbedarf.

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