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Meerbusch: Kulinarischer Knigge-Kursus für Kinder

Meerbusch : Kulinarischer Knigge-Kursus für Kinder

Der Härtetest hat einen verführerischen Namen: Spaghetti mit Tomatensauce. Genüsslich zieht die kleine Lea eine einzelne lange Nudel in den Mund. Für andere wird das Zusammentreffen mit der feuerroten Sauce gerne mal zur schicksalshaften Begegnung. Wie man da abhelfen kann, weiß Antje Zeif.

Die Benimmtrainerin gibt seit fünf Jahren bei der VHS einen Kursus, der strenger klingt, als er ist: "Kulinarischer Kinder-Knigge". Die zwölf Kinder im Kursus bekommen ein mehrgängiges Menü serviert und lernen, welches Besteck man zu welchem Gericht benutzt, an welcher Stelle ein Glas gehalten wird und eben, wie man Spaghetti ist: immer schön im Uhrzeigersinn um die Gabel aufgerollt.

Alle teilnehmenden Kinder sind zwischen sechs und zwölf Jahre alt. "Für Eltern sind das die Kaiserjahre", sagt Zeif. Den Besenstiel im Rücken oder die Küchenrollen unter den Armen, um eine gute Haltung zu erzwingen, gibt es bei ihr allerdings nicht mehr. Sie setzt mehr aufs Erklären. Zum Beispiel, warum man Kartoffeln früher nicht schneiden durfte: weil sonst die Silberklinge am Messer dunkel angelaufen wäre. Viele Dinge sind nicht neu, zum Beispiel die drei Zauberworte "Bitte", "Danke" und "Entschuldigung". Oder eine andere Regel: Den anderen ausreden lassen. Das klappt bei zwölf Kindern am Tisch nicht immer, wenn jeder gleichzeitig von seinem Lieblingsessen erzählen will. "Gutes Benehmen ist ja auch ein Ausdruck von Wertschätzung anderen Menschen gegenüber. Wer die Regeln beherrscht, hat Erfolg im Leben", ist die Überzeugung von Zeif.

Zwei Sunden ruhig am Tisch sitzen, einwandfreie Tischmanieren präsentieren und dabei auch noch gepflegte Konversation machen — was vielen Erwachsenen schon schwerfällt, ist für Kinder eine Geduldsprobe. "Das ist schon schwierig, sich das alles zu merken. Aber es macht auch Spaß, und der Tisch ist so schön gedeckt", findet Luis.

"Meine Serviette ist runtergefallen", ruft Lorenz. Antje Zeif erklärt, was jetzt zu tun ist: "Wir klettern jetzt nicht unter den Tisch, sondern fragen die Bedienung nach einer neuen Serviette." Dann ermahnt sie Lorenz: "Denk dran, dass du den linken Arm auch auf den Tisch legst." Die Kinder sollen nun erzählen, wie sie zu Hause am Tisch sitzen. Louis stützt beide Ellenbogen auf den Tisch und legt das Kinn in die Hände: "Manchmal sitzen wir auch so." Die Arme sollten aber nicht zu weit auf die Tischplatte reichen, erläutert Zeif. "Bis zu den Handgelenken", lautet die Faustregel. Dass ihre Kurse so gut besucht sind, erklärt sich Zeif so: "Viele Kinder essen nur noch ganz selten gemeinsam mit ihren Eltern, viele nur einmal in der Woche." Dadurch bekämen die Kinder vieles nicht mit.

Auch die Floskeln "Guten Appetit" oder "Lass es dir schmecken", benutzen viele Kinder nicht mehr täglich. Kursusteilnehmerin Melina erklärt: "In der Schule sagen wir eigentlich gar nichts, wir fangen einfach an zu essen."

(RP/ac)