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Künstlerin Editha Hackspiel aus Meerbusch

97-jährige Künstlerin : Ein Meerbuscher Künstlerleben

Die Künstlerin Edith Hackspiel feiert heute ihren 97. Geburtstag. In ihrem Leben war sie auch lokalpolitisch aktiv und hat unterrichtet.

Malerin, Zeichnerin, Radiererin – diese Bezeichnungen findet, wer Informationen über Editha Hackspiel sucht. Sie hat sich durch ihr weitverzweigtes künstlerisch anerkanntes Engagement einen Namen gemacht und ihre Arbeiten sind gefragt. „Heute entstehen keine neuen Motive, aber ich drucke meine Radierungen selbst und sorge so für Nachschub,“ erzählt die Meerbuscher Künstlerin.

1925 in Düsseldorf geboren feiert sie heute ihren 97. Geburtstag. Das gibt Gelegenheit, auch mal auf ihr Leben am Rande dieses vielseitigen Kunstgeschehens zurückzublicken. Denn Editha Hackspiel hat beispielsweise 1970 die Gründung der Stadt Meerbusch miterlebt und war auch als Bürgerschaftsvertreterin im Stadtrat aktiv: „Mein Mann hatte lokalpolitische Interessen und verfolgte die Diskussionen. Da keine Frau im Stadtrat war, schlug er vor, dass ich kandidiere.“ Sie bekam für die SPD den Wahlkreis Meererbusch, sorgte mit Flyern und Aktionen dafür, dass für die Gründung einer Stadt gestimmt wurde, und war bald Bürgerschaftsvertreterin für Schule und Kultur: „Als bei der SPD jemand ausfiel, rückte ich in den Stadtrat.“

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Dort störte sie, dass geraucht wurde. Aber ein Antrag von ihr und einer Freundin gegen den Qualm wurde von einem Stadtrat-Mitglied abgelehnt: „So fehlte uns die nötige absolute Mehrheit.“ Abhilfe schuf sie trotzdem, brachte Räucherstäbchen mit, machte richtig Qualm und erreichte so ein Rauchverbot während der politischen Sitzungen. „Wer glaubt, rauchen zu müssen, soll auf den Flur gehen“, habe der damalige Bürgermeister Ernst Nüse gesagt.

Editha Hackspiel war es auch, die sich für die Umsetzung der Idee, in den Ortsteilen Lank-Latum und Osterath Brunnen aufzustellen, einsetzte. Der Vorschlag kam vom damaligen Kulturdezernenten Stephan Grüter, der ebenso wie Editha Hackspiel als Mitbegründer (1980) des Vereins Meerbuscher Kulturkreises (MKK) ist. Um die Brunnen-Idee umzusetzen, gingen Ausschreibungen an alle Künstler der noch jungen Stadt. Editha Hackspiel gehörte der Jury an, die die Brunnen-Entwürfe beurteilte. Letztendlich bekamen unter anderem die Lanker 1989 den Marktbrunnen und die Osterather 1997 den Nikolausbrunnen – entworfen von den beiden Meerbuscher Künstlern Michael Franke und Wilhelm Hable. Büderich freute sich über den 1987 von Sonja Mataré zum 100. Geburtstag ihres Vaters Ewald Mataré gestifteten Mataré-Brunnen am Landsknecht.

Aber Editha Hackspiel wollte unbedingt für Büderich auch den ebenfalls von Michael Franke gestalteten Kinderspielbrunnen. „Weil das Geld dafür nicht da war, haben wir gesammelt. Ich bin zu Karneval mit der Sammelbüchse herumgelaufen und habe Bettelbriefe geschrieben“, erinnert sich die Künstlerin. So unterstützte sie als MKK-Mitglied auch das Projekt Glockenspiel am Deutschen Eck, das noch heute um 12.30 und 18 Uhr zur jeweiligen Jahreszeit passende Melodien hören lässt. Die Anregung dazu bekam Editha Hackspiel während einer Moldau-Reise bei einem Stopp in Jaroslawl: „Dort im Park hörte ich die Glocken und ging dem Klang nach.“

Beim Schreiben ihrer zahlreichen Bettelbriefe zeigte ihr Mann Wolfgang, wie sie mit dem Computer umgehen muss: „So habe ich gelernt, mit Tastatur und Bildschirm umzugehen.“ Diese Fähigkeit nutzt Hackspiel noch heute, um auch im Netz aktiv zu sein. Dieses Können hat ihr auch geholfen, als sie neben der Rats-Tätigkeit eine Position am Amtsgericht in Neuss hatte, drei unterschiedliche Kunstkurse bei der Volkshochschule leitete und ein Lehramt am neu gegründeten Mataré-Gymnasium in Form von Textilem Gestalten übernahm.

Dazu war sie durch ein zwölfsemestriges Studium an der Kunstakademie befähigt – wie Gründungsschulleiter Wolfgang Gewaltig damals feststellte. Auch dorthin besteht noch Kontakt, Anfang des Jahres hat Hackspiel sich mit der 36-jährigen Künstlerin Meral Alma ausgetauscht, die 68 Jahre nach Hackspiel an der Akademie ihren Abschluss gemacht hat.

Heute bewegt sich Editha Hackspiel vor allem in ihrem geliebten Garten: „Bei mir blüht es zwölf Monate.“ Große Reisen – wie früher auch nach China – hat sie nicht geplant, aber Tagesreisen mit einem engen Freund in die Eifel oder die Lüneburger Heide machen ihr viel Freude. Und auch die Kunst prägt selbstverständlich weiterhin ihr Leben. Vor wenigen Wochen hat sie Bürgermeister Christian Bommers persönlich kennengelernt und ihm daraufhin eine Radierung mit dem Motiv der Schützen vor dem Rathaus geschenkt: „Dafür habe ich einen großen Blumenstrauß bekommen.“

Zurückblickend sagt Editha Hackspiel: „In meinem Leben war alles drin.“ Den Geburtstag heute wird sie mit der unmittelbar nebenan wohnenden Tochter Elisabeth und im kleinen Kreis feiern: „Meine drei Enkel und andere Angehörige kommen am Wochenende.“ Zu den Gratulanten am Telefon wird sicher auch eine Klassenkameradin gehören. „Sie ist die Letzte, zu der ich noch Kontakt habe“, erzählt die 97-Jährige.