Künstler öffnen Ateliers

Künstler laden in ihre Ateliers: Zwei Tage Aktion Arbeitsplatz Kunst

57 Meerbuscher Künstler öffnen am Samstag, 30. Juni, von 15 bis 19 Uhr und am Sonntag, 1. Juli, von 11 bis 17 Uhr wieder ihre Ateliers

(mgö) Kreisweit beteiligen sich knapp 200 Kunstschaffende an der Aktion. Wer eine kleine Kunstreise unternehmen will, kann an diesem Wochenende außer in Meerbusch auch in Neuss, Kaarst Korschenbroich, Dormagen, Rommerskirchen Grevenbroich und Jüchen in geöffnete Ateliers.  Zwei Atelierbesuche in  Meerbusch - einmal bei Ulrike Holthöfer, einmal bei Laura Flöter.

Mit „Stickerei auf dem Boden“ hat Ulrike Holthöfer Erfahrung. Die in der „Urbanen Praxis“ im Atelier Klär-Werk Lörick in Büderich arbeitende und lebende freie Künstlerin und Bildhauerin hatte bereits vor Jahren vor dem Kunstmuseum Düsseldorf ein „Broderieparterre“ – so die französische Bezeichnung – installiert. Darauf wurde die Katjes Fassin aufmerksam und beauftragte Ulrike Holthöfer mit einer 120 Quadratmeter großen „Stickerei auf dem Boden“ vor dem Eingangsbereich des Stammsitzes in Emmerich.

„Ursprünglich wurden diese prunkvoll-ornamentalen Teppiche für den Außenbereich aus Pflanzen, Blumen und Steinen für die Repräsentationsbauten weltlicher Herrscher erschaffen“, erzählt die Künstlerin. Jetzt hat sie aus dem zweiteiligen Broderieparterre der Brühler Gartenanlage von Schloss Augustusburg ein klassisch gartenhistorisches Fragment für Katjes ausgewählt: „In umgekehrter Weise, gegenläufig statt spiegelsymmetrisch und vom Material her wie eine Negativkopie des Originals in Brühl, besteht das Fragment in Emmerich aus Rasen, wo sonst Steinflächen sind und aus recyceltem Betonbauschutt anstelle von Buchsbaum.“

Die Verwendung des Betonbauschutts entspricht dem Anspruch der „Naturverehrerin“ gegen die „Abschreibungsgesellschaft“ und „Wegwerfarchitektur“ anzugehen. Sie sieht darin ein Symbol und sagt zum Hintergrund: „In der Republik werden 50 Prozent aller Endenergien im Bauwesen verbraucht. Dieses überflüssige System möchte ich zeichenhaft aufbrechen und verwandeln.“ Zurück beim Kunstwerk erklärt Ulrike Holthöfer: „Die Formen werden als Segment in einen Teilbereich des Kunstrasens gelegt. Daraus ergibt sich die Sicht aus Augenhöhe: ein Erfassen des Broderieparterres im Vorbeischreiten.“

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Sie weiß ihr Kunstwerk in Emmerich in guten Händen: Das abbruch-steinerne Teppichbeet wird von Hand gepflegt, kann sich aber auch nach dem Plan der Natur mit schotterliebenden Pflanzen von selbst begrünen.“ Wer ein Blick in Holthöfers Kunstschaffen nehmen möchte, kann sich zur Aktion „Arbeitsplatz Kunst“ am Samstag und Sonntag, 11-17 Uhr, im Atelier, Niederlöricker Straße 88, umsehen. Außerdem ist Kunst aus Meerbusch in der Wanderausstellung „Geniale Dillettanten“ im September in Chicago und Oktober/Dezember in Rotterdam zu sehen. Am 13. Juli wird außerdem im bayrischen Kloster Wechterswinkel eine Ausstellung eröffnet, an der Ulrike Holthöfer ebenfalls beteiligt ist.

Zur „Objektcollage im Türrahmen“ lädt die Künstlerin Laura Flöter  in ihr neues Atelier  an dieGrünstraße. Besucher können dort ihre Kreativität ausprobieren und Live-Musik hören. Auf dem Boden der Länge nach ausgebreitet liegt eine ihrer neuesten Arbeiten. Auf weißer Unterfläche verteilt sind Grillkohl-Reste, eine grüne Kordel, ein Stück Teppich und andere Fundstücke im Einklang mit Farbelementen zu einem stimmigen Gesamtkonzert aufgebracht. „Diese Objektcollage wird in einen alten ersteigerten Türrahmen gespannt“, erklärt Laura Flöter. Am Samstag, 30. Juni, 15 bis 22 Uhr, wenn sie zur Ateliereröffnung unter dem Titel „Wicked Wonderland“ an die Grünstraße 116 lädt, kann das neueste Werk begutachtet werden.

Aber es gibt auch viele andere und unterschiedliche Arbeiten zu sehen, darunter eine Serie im 30 mal 30 Zentimeter-Format. Laura Flöter, die Kunst, Literatur und Philosophie studierte, nutzt die Techniken Grafik, Malerei und Objektcollage, um der Kunst ihren persönlichen Stempel aufzudrücken. Dabei finden Gegenstände Verwendung, die die Patina ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung behalten. So wird ein ausrangierter, in Kachelformate geschnittener Spiegel zur Basis von Collagen. Seit einiger Zeit verwendet Flöter statt der gedeckten Farben auch „Knalliges“: „Das steht oft im Kontrast zu den alten Materialien und gefällt mir.“ Farben, Pinsel und die vielen kleinen und großen Fundsachen sind in einem Lagerraum neben dem Atelier mit Blick in einen verwunschenen Garten untergebracht. Zur Ateliereröffnung gibt’s ein Programm zum Mitmachen. Wenn es zwischen 15 und 19 Uhr „Drink & Draw“ heißt, sitzen Mia Steingräber und Anna Jäger-Hauer für die Besucher Modell, die einen Selbstversuch auf der Leinwand wagen wollen. Um 17 Uhr liest Fabienne Siegmund aus „Allisa im Drunterland“, um 19 Uhr gibt’s Live Musik mit „Collateral Birth“ und um 20 Uhr eine Kunstverlosung.

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