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Künstler Glenn Gibbs aus Meerbusch

Kunst in Meerbusch : „Ein Bild muss unterhaltsam sein“

Der gebürtige Kanadier Glenn Gibbs lebt seit 29 Jahren in Meerbusch. Er studierte als Meisterschüler von Konrad Klap­heck an der Düsseldorfer Kunstakademie und mixt am liebsten verschiedene Techniken.

Früher einmal zog er von Kontinent zu Kontinent. Ein Wanderer zwischen den Welten, der für sich und seine Kunst auf der Suche nach einer Heimat war. Die fand Glenn Gibbs schließlich – in Meerbusch, wo er seit 29 Jahren fest verwurzelt ist und sagt: „Ich bin sehr glücklich, wie alles gekommen ist.“

Gibbs ist am Ziel, privat und beruflich. Aber auch voller Neugier und gespannter Erwartung, was sein Künstlerleben noch für ihn bereithält. Gibbs liebt es, mit Formen, Farben und Materialien zu experimentieren. Niemals betrachtet er eine Phase als abgeschlossen: „Die Lust daran bleibt erhalten. Ich kombiniere das bisherige Schaffen immer wieder mit neuen Techniken, die ich mir selber beibringe. So ergibt sich eines aus dem anderen.“

Im lichten Atrium des Hauses, das er mit seinem Mann Wolfgang Doemens, einem Meerbuscher Architekten, bewohnt, hängen seine Werke über zwei Etagen bis unters Dach. Auch die übrigen Räume schmückt seine Kunst, die von bunten, expressiven Farben dominiert wird. „Ein Bild muss unterhaltsam sein“, sagt Glenn Gibbs. Diesen Anspruch erfüllt der gebürtige Kanadier mit Bravour. Der Betrachter wird zu Spaziergängen mit den Augen geradezu herausgefordert, immer neue Details überraschen ihn.

Gelegentlich empfängt der Künstler nach vorheriger Anmeldung interessierte Besucher. Seine Homepage (www.glenngibbs.de) gibt einen exzellenten Vorgeschmack und spiegelt die Vielseitigkeit des Malers eindrucksvoll wider. Dort sind allerlei Werkgruppen aufgelistet: originelle Tiere, darunter die schillernde Käfer-Serie „Beetles“, prächtige Blüten und Menschenbilder („lots of people“). Einige humorvolle Szenen am Strand („Beachwalker“) stechen heraus. Beleibte Körper beim Spaziergang, muntere ältere Damen, die am Meeressaum ein Schwätzchen halten. „Für die Vorlagen habe ich mich bei Rimini heimlich auf die Lauer gelegt, die Kamera immer im Anschlag“, erzählt Glenn Gibbs. „Ich mache mich aber nicht lustig über diese Leute. Die zeigen selbstbewusst, was sie haben und sind voller Lebensfreude.“

In seinem Atelier stapeln sich die fertigen Bilder. Bisher beteiligte sich der Künstler in Meerbusch nur an Gruppenausstellungen. Auf eine eigene arbeitet er hin und hat dafür die Corona-Zeit genutzt. Nach der passenden Location muss er sich allerdings noch umschauen.

Gibbs erläutert die verschiedenen Techniken, die er oft durch Zufall für sich entdeckte. So war es eine Auftragsarbeit, die ihn zu seiner Plexiglas-Premiere brachte. Begeistert von den brillanten Farben war er kaum noch zu bremsen. „Vor Kurzem kombinierte ich Plexiglas mit Schlagmetall und Epoxidharz. Um den richtigen Dreh zu kriegen, schaute ich mir zahlreiche Youtube-Videos an“, erzählt er. „Keine Anleitung, die man dort nicht findet. Über das Internet lernte ich auch, wie man Pinsel selber machen kann. Man muss nicht alles kaufen.“

Als ihn vor sieben Jahren das „Goldfieber“ befiel, da holte er sich die nötige Expertise ebenfalls aus dem Netz. „Das war die harte Tour und hat mich ziemlich frustriert“, gibt er zu. „Bis ich darauf kam, zu Kompositionen mit Gold, also Schlagmetall, zu wechseln. Ab da machte es Spaß.“

Glenn Gibbs hält inne und fügt hinzu: „Hätte mir jemand in meiner Jugend diese Zukunft prophezeit, ich hätte es nicht geglaubt.“ Aufgewachsen ist er in Vancouver, in einer riesigen Familie mit 17 leiblichen und adoptierten Geschwistern. „Ein älterer Bruder konnte hervorragend zeichnen und bekam dafür viel Bewunderung“ sagt er. „Das stachelte meinen Ehrgeiz an, es ihm gleichzutun.“ Mit 19 Jahren kaufte er einen Bauernhof im entlegenen Sakatchewan, den Kopf voller künstlerischer Pläne. Die Realität sah anders aus. Er musste sein Land mit dem Traktor bestellen und fand kaum Zeit zum Malen. Also weg vom Hof. Deutschland lockte ihn, obgleich er es nur aus Filmen kannte.

Von 1977 bis 1980 studierte Gibbs an der Hochschule für Bildende Kunst in Braunschweig. Danach zog er der Liebe wegen nach New York und erneut nach Vancouver. Als richtiger Künstler fühlte er sich aber immer noch nicht. Neidisch blickte er aus Kanada auf die Erfolge seiner ehemaligen deutschen Studienkollegen. Er wagte einen neuen Versuch und schaffte es 1984 an die Düsseldorfer Kunstakademie, wo er Meisterschüler von Konrad Klapheck war. „Dann“, sagt Glenn Gibbs, „fing mein Leben endlich richtig an.“