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Meerbusch: Kritik am Gerretz-Gutachten

Meerbusch : Kritik am Gerretz-Gutachten

Der Schulpflegschaftsvorsitzende der Barbara-Gerretz-Grundschule in Osterath betrachtet das Gutachten zur möglichen Schulschließung mit Skepsis. Der Gutachter sei übers Ziel, die Zahlen zu prüfen, hinausgeschossen.

Osterath Arndt Fiebig, Schulpflegschaftsvorsitzender der von der Schließung bedrohten Barbara-Gerretz-Grundschule, gilt eigentlich als besonnener Mann. Gegenüber unserer Zeitung kritisiert er jedoch massiv das vom Stadtrat in Auftrag gegebene Gutachten eines neutralen Experten und wirft der Stadtverwaltung Einflussnahme vor. Wie unsere Zeitung gestern exklusiv berichtete, liegt das 22-seitige Gutachten jetzt vor . Es soll die Entscheidungsgrundlage für die Politiker sein, die am Dienstag, 13. Juni, im Schulausschuss über die Schließung der Schule entscheiden werden. Zahlreiche Osterather lehnen die geplante Schließung ab.

Hintergrund: Schuldezernentin Angelika Mielke-Westerlage hatte vorgeschlagen, die städtisch-katholische Grundschule in Osterath zu schließen. Grund sind sinkende Schülerzahlen im Stadtteil. Dort werden an drei Schulen 509 Grundschüler unterrichtet. Die Verwaltung prognostiziert einen starken Rückgang. Die Gerretzschule ist renovierungsbedürftiger als die benachbarte Eichendorffschule. Ende Januar gaben Vertreter von CDU, FDP, SPD und Grünen im nichtöffentlichen Arbeitskreis Schule einstimmig die Empfehlung ab, die Barbara-Gerretz-Schule 2016/17 auslaufen zu lassen. Auf Antrag der SPD sollte ein neutraler Sachverständiger die Zahlen der Verwaltung prüfen, bevor die Politik entscheidet.

Der Gutachter kommt zu dem Schluss, dass einer Schließung der Gerretz-Schule rechtlich nichts im Wege steht. "Der Auftrag aus dem Ausschuss war, die Zahlen der Stadt zu prüfen. Das hat er nicht ausschließlich gemacht", kritisiert Fiebig. "Dafür sind aber andere Dinge von ihm außen vor gelassen worden – zum Beispiel das Aufzeigen von Alternativen."

Eine Einflussnahme der Stadt erkennt Fiebig beispielsweise in einer Passage, in der der Gutachter die Möglichkeit erörtert, dass bei einem Schulleiterwechsel die Anmeldezahlen zurückgehen könnten. Zufällig geht der Schulleiter der Barbara-Gerretz-Schule in zwei Jahren in Pension. "Diese Info hat der Gutachter von der Stadt und unter anderem diese Passagen, wie auch der Bezug auf die angespannte Haushaltssituation der Stadt, lassen das Gutachten als wenig neutral dastehen", so Fiebig.

Bedenklich findet der Schulpflegschaftsvorsitzende auch, dass der Experte die von der Stadt genannten Zahlen schlicht übernommen habe. Die im Gutachten genannte erforderliche Investition von 800 000 Euro in die Barbara-Gerretz-Grundschule sei "nach 5- Sterne-Deluxe gerechnet". Er geht von maximal 300 000 Euro aus. "Ein Ausbau der beiden möglichen verbleibenden Schulen würde schon mehr als das doppelte kosten, damit sie die Schüler der BGS aufnehmen könnten.

Fiebig erwartet eine spannende Schulausschuss-Sitzung am kommenden Dienstag. "Das wird noch heiß, wir sind noch nicht fertig."

(RP)