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Meerbusch: Krippenspiel: Jedes Jahr ein neues Stück

Meerbusch : Krippenspiel: Jedes Jahr ein neues Stück

Die Organisatoren des Krippenspiels in der Heilig-Geist-Kirche hören auf, um Jüngeren Platz zu machen. Heute findet die Aufführung wie gewohnt statt. Wolfgang Witsch versucht die Botschaft in eine andere Perspektive zu verpacken.

Das Innere der Kirche Heilig Geist in Büderich wirkt wie ein Ameisenhaufen. Kinder und Erwachsene wuseln durcheinander, reden, singen und lachen. Einige sind als Tiere verkleidet, andere als Engel oder Hirten. Sie wirken wie eine Großfamilie an Weihnachten — warm, liebevoll, laut. Dann hebt eine Frau plötzlich die Hand, zieht die Aufmerksamkeit auf sich und sorgt für Ruhe — die Probe für das Krippenspiel in der Gemeinde Sankt Mauritius und Heilig Geist kann beginnen.

Benedikt Schuster und Anna Dix unterstützen die Mitspieler. Foto: Dackweiler, Ulli (ud)

Die Frau heißt Lisa Günther. Sie ist Tanzpädagogin und eine der Mitorganisatoren des Krippenspiels in der katholischen Gemeinde. Seit mehr als 20 Jahren liegt die Verantwortung für das Spiel in der Hand der Familien Günther, Witsch, Grünberg und Wienen — doch dieses Jahr werden sie zum letzten Mal gemeinsam auftreten. "Wir hören auf, wenn es am Schönsten ist. Wir gehen in Krippenspiel-Rente", sagt Angela Witsch und lächelt etwas wehmütig. Sie und ihre Mitstreiter wollen Platz für neue, frische Köpfe machen.

Lisa Günther und Wolfgang Witsch kümmern sich um Musik und geben Anweisungen. Foto: Dackweiler, Ulli (ud)

Angela und Wolfgang Witsch sowie das Ehepaar Lisa und Martin Günther haben sich als federführende Kräfte beim Krippenspiel einen Namen gemacht. Angefangen hat dabei alles ganz klein. Die Meerbuscher kennen sich ihr ganzes Leben. Erst stellten sie ein Krippenspiel mit ihrem Nachwuchs auf die Beine. Dann machten die Kommunionkinder und Jugendlichen der Gemeinde mit — der Chor untermalte alle Lieder mit kraftvollen Stimmen.

Wolfgang Witsch schrieb jedes Jahr ein neues Stück. Er suchte sich die besten Lieder und Textpassagen aus unterschiedlichen Krippenspielen zusammen. Lisa Günter kümmerte sich um die Choreographie der Stücke und schlug die Trommeln. "Im Prinzip geht es jedes Jahr um dasselbe, die Botschaft ist ja die Gleiche. Aber wir erzählen sie immer wieder aus einer anderen Perspektive", sagt Wolfgang Witsch. In diesem Jahr soll es zum Abschluss ein "Best of" geben, in dem ein kleiner Hirte mit allen Zuschauern die Bedeutung von Weihnachten entdeckt. Schon bei den Proben in der Adventszeit waren die etwa 50 Darsteller, Sänger und Techniker im Alter zwischen fünf und 55 Jahren mit Leidenschaft dabei. Dieses Mal engagieren sich viele Freiwillige — darunter auch, die das Krippenspiel ein letztes Mal erleben wollen. Da stehen in Weiß gekleidete Engel auf einem Podest und halten einen mit LED-Lichtern gespickten Stern, da sitzen Kinder als Hasen, Pferde und Esel verkleidet vor dem Altar, da singen Mädchen mit glockenheller Stimme ein Weihnachtslied, da kümmern sich halbwüchsige Jungs wie Profis um Licht und Technik - und alle richten immer wieder den respektvollen Blick auf Wolfgang Witsch und Lisa Günter, die gerne eine Anweisung oder einen kleinen Verbesserungsvorschlag geben. Sie alle wollen die Botschaft von Weihnachten verkünden. "Und zwar aus vollem Herzen", sagt Angela Witsch.

Für die Gemeinde ist das Krippenspiel zu einem untrennbaren Bestandteil des Fests geworden. "Mit dem Krippenspiel ist Weihnachten", beschreibt Angela Witsch das Gefühl, dass die Proben in ihr auslösen. Für sie ist das Üben — egal wie stressig oder turbulent es sein mag — eine kleine Lehrstunde und Vorbereitung auf Heiligabend. "Wir gehen dann gemeinsam auf Weihnachten zu", erklärt die 50-Jährige.

Und auch den Kindern und Jugendlichen gibt das Stück ein festliches Gefühl. Ann-Kathrin Winzer ist 14 Jahre alt und spielt in diesem Jahr die Maria: "Ich mache seit dem Kindergartenalter mit. Deshalb wollte ich auch beim letzten Mal mit dabei sein. Ohne das Krippenspiel ist für mich einfach nicht Weihnachten."

(anch)