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Konzert gegen Rechts in Osterath: Meerbuschs Antwort auf Chemnitz

Konzert in Osterath : Meerbusch setzt ein Zeichen gegen Rechts

Als Antwort auf die Neonazi-Demos und Angriffe auf Migranten in Chemnitz hat das Bündnis „Meerbusch gegen Rechts“ ein Konzert veranstaltet. Vier Bands traten auf, eine war dafür extra aus Chemnitz angereist.

Popmusik war von jeher auch immer ein Vehikel, Protest gegen gesellschaftliche Missstände zu artikulieren. Häufig ist es aber auch so, dass der Protest erst über die Menschen, die zur Musik zusammenfinden, laut wird. Beides gab es beim Festival „Rock gegen Rechts“ in Osterath, das am Samstagabend in der Halle 9 an der Insterburger Straße über die Bühne ging.

Initiiert hatten das Konzert, in dessen Rahmen die Gruppen Grischa, Solche, Input Kinks sowie Wilson auftraten, Hans Günter Focken, der für die SPD im Stadtrat sitzt, sowie Ratskollege Marc Becker von der gemeinsamen Liste von Linken und Piraten. Nach den neonazistischen Ereignissen von Chemnitz und Köthen hatten Focken und Becker spontan beschlossen, mit „Meerbusch gegen Rechts – Für Toleranz und Weltoffenheit“ eine lokale Ausgabe des großen „Rock gegen Rechts“-Konzerts in Chemnitz, bei dem auch die Toten Hosen mitwirkten, zu veranstalten. Gerade mal sechs Wochen standen zur Vorbereitung zur Verfügung, um unter dem Hashtag „#Wir sind mehr“, rockmusikalisch gegen Rechts Flagge zu zeigen.

„Danke an alle, die hier sind“, sagte Hans Günter Focken zur Begrüßung in der bereits zu Beginn gut gefüllten Halle 9, in der der jüngste Musikfan gerade mal 18 Monate und der älteste 81 Jahre alt war.

„Werdet laut und geht auf die Straßen und zeigt: Wir sind mehr“ rief Marc Becker den Anwesenden zu, bevor „Grischa“ aus Düsseldorf das Konzert eröffnete. Das Duo mit Grischa Bender (Gesang, Gitarre), der einst mit seiner Crossover-Band „Monkeys With Tools“ überregionalen Erfolg verbuchen konnte, und Kai Yantiri (Gitarre, Keyboards) zogen mit ihren eindringlichen Liedern, denen Benders Stimme noch immer eine punkige Wut vermittelt, schnell das Publikum auf ihre Seite. „Wir hätten uns vor zehn, fünfzehn Jahren nie träumen lassen, dass Nazis noch mal so stark werden, aber andererseits haben in Berlin 240.000 gegen diesen braunen Mob demonstriert“, sagte Grischa Bender unter dem Beifall des Publikums.

Nicht zuletzt familiäre Verbundenheit hatte dazu geführt, dass die Band „Solche“ aus Chemnitz in Osterath auf der Bühne stand. Bassist Michael Focken ist der Bruder des Konzert-Initiators Hans Günter Focken. Das Trio, zu dem auch Mario Krohn (Cajon) und Holm Krieger (Gesang, Gitarre)  gehören, schlug ungleich leisere, poetischere Töne an als Grischa, ließ dennoch die Zuschauer genau hinhören und immer wieder applaudieren.

„Ich finde die Konzert-Idee gut, gibt sie einem doch das Gefühl, aus gutem Grund hier zu sein, nämlich sich gemeinsam gegen rechte Tendenzen zu verbünden“, sagte Lukas Manderla, der mit seinen 20 Jahren zum jüngeren Publikum gehörte, das insgesamt allerdings eher gering vertreten war.

Die Tatsache, dass Fans unter 20 an diesem Abend klar in der Minderheit waren, bezog Dani von Zittwitz jedoch nicht auf das häufig angeführte politische Desinteresse der Jugend. „Es sind einfach Herbstferien, und ansonsten bin ich überzeugt, dass der Gutjahr-Dölls, Direktor des Mataré-Gymnasiums, für dieses „Rock gegen Rechts“-Festival gut Werbung gemacht hätte“, so die Ex-Frau von Wölli Rohde, der einst mit den „Rock am Turm“-Konzerten Rockgeschichte in Meerbusch schrieb.

„Meine Musik war es bislang noch nicht, aber ich bin überzeugt, dass die Input Kinks dieses Konzert noch rocken werden“, freute sich Rainer Schlossmacher auf die pure Protest-Energie der Düsseldorfer. Den familiären Schlusspunkt setzten schließlich Wilson. Die beiden bekannten Osterather Musik-Ikonen hatten keine Probleme, in der Zielgeraden nochmals für Stimmung im Publikum zu sorgen.

Das Bündnis „Meerbusch gegen Rechts – für Toleranz und Weltoffenheit“ setzt sich mit friedlichen Aktionen gegen zunehmende rechtspopulistische wie rechtsextreme Tendenzen ein. Organisationen sowie Bürger können sich anschließen. Informationen gibt es im Internet unter www.meerbusch-gegen-rechts.de, Kontakt per E-Mail  kontakt@meerbusch-gegen-rechts.de.