Meerbusch: Konverter: Osterath hat nicht mehr Priorität 1

Meerbusch: Konverter: Osterath hat nicht mehr Priorität 1

Meerbusch gehört zwar zu den sechs geeignetsten Standortbereichen für einen geplanten Stromkonverter, aber den geringen Abstand zur Wohnbebauung sieht auch Netzbetreiber Amprion kritisch. Die Initiative ist erleichtert.

Der Stromnetzbetreiber Amprion hat gestern sechs Standorte präsentiert, die für den Bau eines Stromkonverters "sehr geeignet" seien. Neben Meerbusch-Osterath gehören dazu fünf weitere Bereiche im Rhein-Kreis Neuss. Wie eine Amprion-Sprecherin bei der Präsentation erklärte, genieße der Standort Osterath für Amprion nicht mehr "Priorität 1". Zwar führt ein Gutachten des Büros ERM im Auftrag des Netzbetreibers deutliche technische Vorteile auf, aber den geringen Abstand zur Wohnbebauung sieht Amprion selbst mittlerweile kritisch. Kritiker des Projekts reagierten gestern erleichtert.

Menschenkette gegen den geplanten Stromkonverter auf dem Feld am Ingerweg im März 2013. Foto: Ulli Dackweiler

Attraktiv ist das Feld am Ingerweg für Amprion wegen seiner direkten Nachbarschaft zum Umspannwerk. "Durch die direkte Lage am Netzverknüpfungspunkt ist keine Stichleitung nötig", heißt es im Standortsteckbrief. "Die in südliche Richtung verlaufende 380 000-Volt-Trasse kann die zusätzliche Gleichstrom-Leitung aufnehmen", steht in dem Bericht. "Für den Konverter ist kein zusätzlicher Umbau erforderlich." Vom Flächenzuschnitt her ergäben sich zwei bis drei verschiedene Möglichkeiten, den Konverter auf dem Areal zu platzieren. Und: "Mit der L154 ist auch eine Straßenanbindung vorhanden." Hinzu kommt: Die Fläche ist als Allgemeiner Freiraum- und Agrarbereich ausgewiesen. Bei den technischen Kriterien bekommt Osterath daher die besten Werte aller sechs "bestgeeigneter" Standorte.

Foto: RP

Die in dem Steckbrief aufgeführten umweltfachlichen Kriterien sprechen gegen den Konverterstandort Osterath: "Der Standortbereich ist von Wohnbebauung umgeben und weist eine Entfernung von rund 460 Meter vom Flächenschwerpunkt zur nächstgelegenen Wohnsiedlungsfläche auf", heißt es in dem Bericht. "Es kann jedoch aufgrund des Flächenzuschnitts nur ein maximaler Abstand zu umliegenden Wohnnutzungen von etwa 300 Metern erreicht werden", erklärte die Amprion-Sprecherin. "Da kommen wir bei anderen, ansonsten ebenfalls sehr gut geeigneten Standortbereichen auf bessere Werte."

Bereits gestern früh hatte der Konzern Meerbuschs designierte Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage (CDU) und den Leiter des Fachbereichs Umwelt, Heiko Bechert, informiert. "Wir haben nicht gewonnen, aber - das ist wichtig - auch nicht verloren", erklärte Bechert. Immerhin seien die Nachteile des Standorts Osterath - "unter anderem die viel zu geringe Entfernung zur nächsten Wohnbebauung" - bei der Bewertung ins Kalkül einbezogen und auch ausdrücklich benannt worden. Das lasse hoffen. Mielke-Westerlage erklärte, sie sei "vorsichtig optimistisch". Diese Worte wählte auch Norma Köser-Voitz, Sprecherin der "Initiative gegen den Doppel-Konverter Osterath": "Noch im Oktober hat Amprion erklärt, der Standort Osterath sei alternativlos. Heute nun hat die Firma 18 Alternativen benannt, an denen der Konverter ebenfalls gebaut werden könnte. Das lässt uns hoffen."

Im Spätsommer 2012 hatte die Osteratherin Astrid Linn von den Amprion-Plänen gehört und die Initiative mitgegründet. "Von der ersten Minute an, als ich von der monströsen Planung der Firma Amprion hier in Osterath erfahren habe, hatte ich das Gefühl:Das hier hat mit einer vernünftig geplanten Energiewende nichts zu tun", erklärte sie gestern. "Hier geht es um einen Konverter, der Energie in Geld für einen Konzern umwandeln soll und das voll auf Kosten der hier lebenden Menschen." Sie habe den Protest in Osterath nicht angefangen, damit nun eventuell andere Menschen mit dieser riesigen Industrieanlage in ihrer Nähe leben müssen. Linn: "Also: weit weg mit dem Ding von Menschen! 200 Meter Abstand zu Wohnbebauung betrachte ich als Frechheit!"

(RP)
Mehr von RP ONLINE