Meerbusch: Konverter: Osterath aus dem Rennen?

Meerbusch : Konverter: Osterath aus dem Rennen?

Laut neuesten Berechnungen der Firma Amprion muss die Entfernung des geplanten Stromkonverters zu Wohngebieten 500 Meter betragen — damit dürfte der Standort am Ingerweg nicht mehr in Frage kommen

Noch lässt die "Initiative gegen den Doppelkonverter Osterath" die Sektkorken nicht knallen - auch wenn sich abzeichnet, dass der lange Kampf gegen einen geplanten Stromkonverter, 300 Meter von Osterather Wohnhäusern entfernt, von Erfolg gekrönt sein dürfte: Netzbetreiber Amprion geht, bei der Standortsuche nicht mehr von einem Mindestabstand von 200 Metern zur geschlossenen Wohnbebauung aus, sondern von 500 Metern.

Entsprechend vorsichtig optimistisch gibt sich Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage (CDU) vor der nächsten Informationsrunde des Stromnetzbetreibers am 3. Dezember in Neuss. "Ich bin guter Hoffnung, dass der Konverterstandort Osterath angesichts der jetzt maßgeblichen Kriterien nicht mehr in der engeren Wahl ist", sagt die Verwaltungschefin. Auch der Meerbuscher Landtagsabgeordnete Oliver Keymis (Grüne) ist optimistisch: "Es ist sehr erfreulich, wenn sich Amprion einem alten Vorschlag aus Meerbusch anschließt, den Mindestabstand zur Wohnbebauung nicht auf 200 Meter festzulegen."

Im Zuge der Energiewendes oll Windstrom aus dem Norden und Braunkohle-Strom aus dem rheinischen Revier nach Süden kommen. Eine geplante Hochspannungs-Gleichstromleitung verläuft durch Osterath. Laut Gesetz muss ein Stromkonverter ans Umspannwerk Osterath angeschlossen werden, der den Gleichstrom in Wechselstrom wandelt.

In Neuss will Amprion die Kommunen und Pressevertreter über die Ergebnisse der Detailuntersuchungen der verbliebenen sieben Standorte informieren - und seinen Favoriten präsentieren. Zur Vorbereitung auf den Termin erhielt jede Kommune mit der Einladung einen "Steckbrief" mit einer Zusammenfassung der Erkenntnisse des von Amprion beauftragten Standortsuchverfahrens für die in ihrem Stadtgebiet liegenden Standorte. Zwischenzeitlich hat Amprion unterschiedliche Faktoren - wie zum Beispiel die Bereiche Mensch/Wohnen, Erholung/Freizeit oder Tiere/Pflanzen - prüfen lassen. Im Steckbrief fänden sich für Meerbusch ermutigende Aussagen, so die Bürgermeisterin. Ein Zwischenergebnis: "Ein Abstand des Konverterstandorts von mindestens 500 Metern zu umliegender geschlossener Wohnbebauung ist auf dem Standortbereich nicht einzuhalten, es ist nur ein Abstand von 300 Metern (...) möglich", heißt es in dem Papier wörtlich. Und: "Auswirkungen auf Funktionen für die siedlungsnahe Erholung sind nicht auszuschließen."

Für Mielke-Westerlage sind Aussagen wie diese eine deutliche Bestätigung der Meerbuscher Auffassung. "Amprion hat sich endlich unserer Forderung angeschlossen, dass der Abstand eines möglichen Konverters zur nächsten Wohnbebauung das maßgebliche Kriterium bei der Standortsuche sein muss", sagt sie. Der zunächst von Amprion ins Feld geführte Mindestabstand von nur 200 Metern sei endlich nicht mehr Gegenstand der Planungen. Im Steckbrief zu dem heiß diskutierten Gelände am Osterather Umspannwerk stellt Amprion außerdem fest, dass dort "der Flächenzuschnitt und die geringe Größe des Standortbereichs nur wenige Möglichkeiten zur Anordnung eines konkreten Standorts bieten". Selbst wenn der Konverter im östlichsten Bereich des Plangebietes gebaut würde, wäre nur ein Abstand von 300 Metern zu den nächsten Wohnhäusern möglich. Für die Bürgermeisterin können diese Aussagen prinzipiell nur zu einem Ergebnis führen: "Osterath kann als Standort nicht mehr in Frage kommen."

Zur Vorsicht mahnte gestern die Sprecherin der "Initiative gegen den Doppelkonverter Osterath": "Uns liegen die Steckbriefe noch nicht vor, aber Amprion kann durchaus mit mehreren Standorten in die Bundesfachplanung gehen", sagte Norma Köser-Voitz. "Wir stehen erst ganz am Anfang des eigentlichen Verfahrens."

Für das so genannte Planfeststellungsverfahren muss Amprion nicht nur einen Vorzugsstandort benennen, sondern auch einen Alternativstandort. "Und selbst wenn Amprion einen Konverterstandort in Osterath ausschließt, kann die Bundesnetzagentur ihn immer noch aufnehmen", erklärte Köser-Voitz. "Wir werden also auch in Zukunft weiter wachsam bleiben müssen."

(RP)
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