Meerbusch: "Konverter bedroht Osterath"

Meerbusch: "Konverter bedroht Osterath"

Morgen gründet sich eine Bürgerinitiative gegen den Bau von Europas größter Konverterstation. Netzbetreiber Amprion ist offenbar dabei, für das 390-Millionen-Euro-Projekt 36 Hektar Felder am Ingerweg zu erwerben.

Die Energiewende wird die Silhouette des Osterather Südens massiv verändern. Auf bis zu 36 Hektar Fläche (das entspricht 50 Fußballfeldern) plant Netzbetreiber Amprion Europas einzige Doppel-Konverterstation zur Umwandlung von Gleich- in Wechselstrom – und umgekehrt. Geplante Kosten: Schätzungsweise 390 Millionen Euro. Morgen gründet sich ab 19 Uhr im Osterather Hof eine Bürgerinitiative gegen den Plan. Die Initiatoren um Karsten Weigmann rechnen mit sehr großer Beteiligung. Mit der Lokalpolitik ziehen die Bürger an einem Strang. Die Meerbuscher CDU ruft ausdrücklich zum Besuch der Veranstaltung auf. Die UWG hat bei Bundesumweltminister Peter Altmaier mehr Transparenz gefordert.

Nach RP-Informationen steht Amprion kurz davor, die Boverter Felder zwischen Bahngleisen und Ingerweg (südlich der Straße Am Hagelkreuz und neben dem bestehenden Umspannwerk) einem Landwirt abzukaufen. Einstimmig haben die Parteien im Planungsausschuss die Verwaltung ermächtigt, gegen das Projekt Einspruch einzulegen. Doch auch einzelne Bürger können angesichts der drohenden Belastungen durch Lärm, Verkehr und elektromagnetische Strahlung bis zum 2. November bei der Bundesnetzagentur Widersprüche einreichen. Ein Ziel der Initiative ist, in der wenigen noch verbleibenden Zeit möglichst viele private Widersprüche zu initiieren.

"Der Doppelkonverter bedroht Osterath. Man wird den Ort nach dem Bau dieser Großindustrieanlage nicht wiedererkennen. Die dafür nötige Halle soll 100 000 Quadratmeter groß und 30 Meter hoch werden. Das ist doch eine Hybris", warnt Weigmann. Vom Werbespruch "Stadt im Grünen" könne sich Meerbusch dann verabschieden.

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Bindeglied der "Stromautobahn"

Die Konverterstation soll zentraler Knotenpunkt der Nord-Süd-"Stromautobahn" werden. Sie soll so helfen, die Versorgungssicherheit im Süden der Republik zu garantieren. Am Ingerweg soll der Leitungsstrang aus Richtung Nordsee (Emden) enden und die Trasse nach Philippsburg (Baden-Württemberg) beginnen. Strom soll nicht nur durchgeleitet, sondern auch – kommend aus dem rheinischen Braunkohlerevier – eingespeist werden.

Dagegen richtet sich die Kritik der Initiative. Weigmann: "Kohlestrom hat doch nichts mit Erneuerbaren Energien zu tun". Die Kritiker wundern sich, warum die Großanlage nicht direkt bei den Braunkohlekraftwerken gebaut werden könne. Dort sei schließlich reichlich Platz.

(RP/ila)