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Meerbusch: K.o.-Tropfen: Opfer erzählen

Meerbusch : K.o.-Tropfen: Opfer erzählen

Vor zwei Monaten wurden Melanie und Laura beim Feiern in einer Gaststätte Opfer einer Substanz, durch die ihnen Erinnerung fehlt. Noch heute leiden sie an den Folgen und möchten nun andere Menschen warnen.

Ein paar Stunden im Leben können alles verändern. Weil man in dieser Zeit etwas wunderbares erlebt, oder weil man eine ganz schreckliche Erfahrung macht — oder aber weil man sich an diese Stunden nicht mehr erinnern kann. Melanie S.* ist genau das passiert. Nicht weil sie zu viel getrunken hat, sondern weil ihr jemand etwas ins Getränk gemischt hat. Davon ist sie inzwischen überzeugt. Dieses Erlebnis hat ihr Leben für immer verändert.

Geschehen ist das alles vor knapp zwei Monaten: Melanie feiert, wie viele an diesem Samstagabend, den Aufstieg einer heimischen Vereinsmannschaft. Zunächst ist sie mit einer Freundin bei ihrem Bruder zu Hause, später will die Gruppe noch in eine Gaststätte gehen. "Und da hören meine Erinnerungen auf. Ich weiß nicht mehr, dass ich dort war und auch nicht, wie ich nach Hause gekommen bin", sagt Melanie. Insgesamt neun Stunden fehlen der 22-Jährigen. Nur zwei Bilder sind ihr aus der Zeit in den Sinn gekommen: Wie sie in der Gaststätte ihren Bruder ansieht, und wie sie die Türe zu ihrer Wohnung aufschließt. Das war es. Melanie hat zwar an dem Abend Sekt und einige Radler getrunken — aber für einen solchen Filmriss hätte das nicht gereicht, ist sie überzeugt. Und noch etwas anderes bringt sie auf den Gedanken, dass es nicht nur am Alkohol liegen kann. "Ich kenne meine Grenzen und weiß, was ich vertragen kann. Es hat mich auch stutzig gemacht, was mir die anderen über den Abend erzählt haben", sagt Melanie. Sie konnte plötzlich keine zusammenhängenden Sätze mehr sprechen, wollte ihr Radler nicht mehr trinken, da es seltsam schmeckte und war sehr anhänglich. "So bin ich sonst nicht", sagt die junge Frau.

Die erste Zeit nach dem Blackout quält sich Melanie mit der Frage: Was ist passiert? Doch egal wie viel sie darüber nachdenkt, es kommt nichts zurück. Damit hat sie sich abgefunden, doch hartnäckiger halten sich die Überlegungen, warum es sie getroffen hat. "Ich frage mich, ob mich jemand ausgesucht hat und welche Intention er hatte. Damit ging es mir sehr schlecht", sagt die junge Frau. Angstzustände und Albträume sind die Folge.

Den Mut, sich an die Polizei zu wenden, bekam Melanie erst, als sie durch Zufall von Freunden erfährt, dass einem anderen Mädchen am selben Abend ähnliches wie ihr passiert ist. Laura B.* feiert in derselben Gaststätte. "Mir fehlen anderthalb Stunden. Ich habe mich angeblich lange mit einem Fremden unterhalten", sagt die 21-Jährige. Später wurde sie von der Polizei aufgegriffen und nach Hause gebracht. Den oder die Täter zu finden, ist unwahrscheinlich. Es ist nicht einmal sicher, welche Substanz den Beiden untergemischt wurde. "Die Polizei meint, es könnten auch Schmerzmittel oder Liquid Ecstasy gewesen sein. Etwas, das in Verbindung mit Alkohol verheerend wirkt", sagt Melanie. Unvorsichtiges Verhalten kann sie sich nicht vorwerfen, im Kreis ihrer Freunde fühlte sie sich zudem sicher. "Ich kann jetzt nicht mehr so unbedarft weggehen wie früher. Auf einer Maifeier habe ich es nur eine Stunde ausgehalten. Diese Sache begleitet mich ein Leben lang", sagt Melanie heute. Inzwischen achtet sie noch viel mehr auf ihre Getränke, legt immer einen Bierdeckel aufs Glas, oder den Finger auf die geöffnete Bierflasche und gibt ihr Getränk beim Toilettengang nur Freunden, denen sie 100-prozentig vertraut. "Viele waren entsetzt und betroffen. Wir werden jetzt noch mehr aufeinander aufpassen und darauf achten, mit wem wir etwas trinken", sagen Melanie und Laura. Indem sie über ihre Erlebnisse sprechen, wollen sie Außenstehende sensibler und anderen Opfern Mut machen.

* Namen von der Redaktion geändert

Hier geht es zur Infostrecke: K.o.-Tropfen - Was sie bewirken, wie man sich schützt

(RP/ila)