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Meerbusch: Klimawandel bedroht Bäume

Meerbusch : Klimawandel bedroht Bäume

Die heißen, trockenen Sommer haben vielen Straßenbäumen in Meerbusch stark zugesetzt. Sie sollen künftig durch robustere Arten ersetzt werden. Das verändert wesentlich das Straßenbild.

Wo eigentlich die mächtige Krone der Kastanie zu sehen sein sollte, ist an der Wanheimer Straße viel Himmel zu sehen. Die Krone verdient diese Bezeichnung nicht mehr. Zahlreiche Bäume hat die Stadt an der Straße in Büderich schon ein fällen müssen. Die Standsicherheit war nicht mehr gegeben. Vergangenes Jahr pflanzte sie auch eine Kastanie nach. Es wird die letzte Kastanie an der Wanheimer Straße sein.

Denn die Bäume sind krank. Woran sie genau leiden, ob ein Bakterium oder ein Pilz, das sollen bald Laboruntersuchungen zeigen. Doch Michael Betsch, bei der Stadtverwaltung für Meerbuschs Bäume zuständig, ist sich sicher: "Kastanien werden wir hier nicht mehr pflanzen können."

Der Lank-Latumer Betsch hat zuvor in Krefeld gearbeitet — dort musste die Stadt Hunderte Kastanien fällen. Einen derartigen Kahlschlag befürchtet der Leiter des Fachbereichs Grünflächen in Meerbusch zwar nicht ("wir haben in Meerbusch eine deutlich größere Artenvielfalt"), aber er weiß: Zahlreiche Straßenbäume wird die Stadt in Zukunft durch andere Baumarten und -sorten ersetzen müssen. Der Klimawandel hat Schuld.

"Die heißen, trockenen Sommer der vergangenen Jahre haben den Bäumen stark zugesetzt." Hinzu kommen Schädlinge wie beispielsweise die Rosskastanienminiermotte. In den 80er Jahren war sie nur auf Mazedonien anzutreffen. Anfang der 90er Jahre waren die Tiere bereits weiter nördlich in Österreich heimisch geworden. Im neuen Jahrtausend verbreiteten sich die Schädlinge auch in Deutschland.

Die Straßenbäume trifft die globale Erwärmung als erstes, weil die Lebensbedingungen ohnehin nicht gut sind. Der Wurzelraum ist begrenzt, der heiße Asphalt strahlt die Wärme auf die ungeschützte Blattunterseite zurück, im Winter nehmen die Wurzeln auch Streusalz auf, Autofahrer beschädigen beim Parken die Rinde, so können Bakterien leicht ins Holz eindringen.

"Wir stehen vor einer großen Herausforderung", sagt Betsch. Sein Team und er müssen Bäume finden, die auch in 30, 50 oder 80 Jahren mit den Bedingungen klarkommen. Und wenn er Pech hat, dann passiert so etwas wie bei den Platanen. Die Baumsorte wurde vor mehr als 30 Jahren auch in Meerbusch reichlich gepflanzt. Jetzt werden viele Exemplare von einem Leiden heimgesucht, das es erst seit weniger als zehn Jahren gibt — der Massaria-Krankheit.

Sie sorgt dafür, dass auch starke Äste abbrechen können. Oder wie bei der Stadtbirne, die beispielsweise vor wenigen Jahren in der Lanker Fußgängerzone gepflanzt wurde. "An sie hatten wir hohe Erwartungen." Die wurden enttäuscht. Die Bäume zeigen jetzt schon starke Vergreisungserscheinungen. "So lange wie irgend möglich erhalten wir jeden Baum mit baumpflegerischen Mitteln", verspricht Betsch. Ist aber die Standsicherheit nicht mehr gegeben, muss die Stadt handeln. Betsch ist sich sicher: "Das Meerbuscher Straßenbild wird sich in den kommenden 30 Jahren merklich verändern."

(RP/rl)